Open Data : Mit alten Daten neues Wissen schaffen
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Dass Firmen wie Politiker oft kein Interesse an der Veröffentlichung haben, zeigen die Beispiele von farmsubsidy.org, die Jack Thursten auf der re:publica vorstellte. Die Seite listet auf, wohin die Agrarsubventionen der EU gehen, die immerhin knapp die Hälfte des Gesamtbudgets ausmachen. Gefördert wird damit alles andere als ein nachhaltiges Kleinbauerntum. Nicht nur Fluglinien bekommen viel Geld aus Brüssel, sondern auch prominente britische Politiker, nicht zuletzt Prince Charles.

"Wir brauchen vor allen Dingen Leute, die tatsächlich etwas mit den Daten anstellen", sagt Thurston. "Wir sind eigentlich schon über das Stadium hinaus, wo wir es einfach nur zugänglich machen." Und da die krisengeschüttelten Medien damit offensichtlich überfordert seien und zudem immer Exklusivität für die Daten verlangten, seien stärker Blogger und lokale Kräfte gefragt. 

Die würden jedenfalls auch in Deutschland gerne endlich zuschlagen. Doch während in den USA und in Großbritannien Open Data in letzter Zeit von den Regierungen massiv vorangetrieben wurde, steht Deutschland in Sachen Transparenz schlechter da als so manches Entwicklungsland. Hier hat man sich gar vehement dagegen verwahrt, die Empfänger der Agrarfördermittel zu outen.

An diesem Wochenende soll sich das ändern. Das Open Data Network ruft zum Government Hack Day auf und will den Katalog offenedaten.de endlich mit Material bestücken.

Immerhin aber bemühen sich Bundestag und Bundesregierung um entsprechende Pläne. Open Data sei auch Gegenstand der Internet-Enquete, sagt Uta Dauke, die beim Innenministerium über die Verwaltungsmodernisierung wacht. Und bis zur Sommerpause wolle man darüber beraten, ob es einen Regierungsauftrag zu mehr Datenoffenheit geben soll. "Dennoch müssen sie davon ausgehen, dass selbst wenn wir Montag beschließen würden, die Daten freizugeben, wir sie nicht einfach Dienstag schon ins Netz stellen könnten", sagt Dauke.

Und sie verweist auf rechtliche Probleme. Vor allem strenge Gesetze beispielsweise zum Urheberrecht, zum Wettbewerbsrecht oder zum Datenschutz seien dafür verantwortlich, dass man in Deutschland hinterherhinke.

Lorenz Matzat, Gründungsmitglied vom Open Data Network, sieht noch andere Gründe. Er erzählt, dass er im Finanzministerium Auskunft erbat und dabei an einen Informatiker gelangte, der das Wort "Missdeutungsgefahr" fallen ließ. Was nach seiner Meinung bedeutet, dass die Daten nicht freigegeben werden sollen, weil sich dahinter intransparente Interessen verbergen.

Vielleicht handelt es sich auch nur um Kommunikationsprobleme. Maika Jachmann, die den Webauftritt des Bundestags betreut, sagt, ihre Redaktion bereite die Reden extra als PDF auf, weil die Mehrzahl der Leser das wünsche. Für die Tekkies indes sind PDFs ein Graus, lassen diese sich doch nicht automatisch auslesen. "Kein Problem", sagt Jachmann. "Wir werden die Texte wieder als Word-Dokumente einstellen."

Das war offensichtlich leicht. Matzat ist daher überzeugt: "Wenn der politische Wille da wäre und sie würden tatsächlich endlich beschließen, die Daten freizugeben, dann könnten wir die auch von Montag auf Dienstag haben."

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Open Data

Frei zugängliche Daten sind längst überfällig. Demokratie war zu lange die Regierungsform mit den lustigen roten Kreuzchen. Vielleicht wird es Zeit, dass der Souverän wieder die Augen öffnet.

Während es bei Daten öffentlicher Stellen langsam voran geht, sehe ich bei Firmen wenig Fortschritte. Geschäftsgeheimnis ist da so ein Begriff. Jeder kennt ihn und viele finden es verständlich, dass Unternehmen sich so vor der Konkurrenz (und praktischerweise auch vor dem Staat und den Kunden) schützen.
Was häufig übersehen wird ist, dass Märkte nicht nur Wettbewerb brauchen um zu funktionieren sondern auch absolute Transparenz. Jeder Marktteilnehmer muss im Idealfall immer alles Relevante wissen.
Wenn das nicht möglich ist, dann muss zumindest symmetrische Information herrschen, also beide Transaktionspartner halten gleich viel geheim.

Derzeit sieht es aber so aus, dass Firmen mit klassischer Marktforschung, elektronischer Überwachungstechnologie (Payback oder auch Thermalkameras in Supermärkten), Scoring und Datamining den Kunden sezieren. Dieser kann aber nicht hinter die Fassade des Unternehmens blicken.
Unter dieser Voraussetzung funktionieren Märkte suboptimal und zum Schaden der gesamten Gesellschaft.

Freie Unternehmensdaten sind also kein wirtschaftlicher Irrsinn sondern sogar volkswirtschaftlich geboten. Kampflos wird der private Sektor seinen Vorteil gegenüber den Kunden aber nicht aufgeben.

Vielleich ist ja Österreich diesmals anders

Für Open Government Data ist eines entscheidend: Politischer Wille. So sind die erfolgreichen Initativen in den Staaten und in UK zwar auch auf fundierte Basisarbeit zurückzuführen, doch den wirklichen Boost haben die Kabinette von Brown und Obama selbst gegeben.

Dem dagegen ist der Weg als Basisbewegung ein sehr mühsamer und mindestens genauso kompliziert, wie die Entscheidungstukturen der DatenhalterInnen in Bund, Stadt, Land und Gemmeinden.

Vielleicht sollten die aufgezeigten Beispiele für Open Government Data mehr beschreiben, welche positive Beschäftigungswirkung das neue Netz der Daten im ICT-Bereich haben könnte, anstatt permanent zu wiederholen, wie widerwillig Regierungen ihre Daten herausgeben.

Ich bin gespannt, welchen Wege hier in Österreich gegangen werden. Basis-Bewegung oder Regierungsinitiaitive, oder gar beides gemeinsam? Ein erstes Meetup hat es schon gegeben, weitere folgen: http://www.zukunftsweb.at...