Die Stromversorgung in Europa entwickelt sich rapide. Sie wird gerade zu einem Smart Grid ausgebaut, einem intelligenten Stromnetz mit viel Computerunterstützung. Unter anderem werden darin fortschrittliche, netzwerkfähige Stromablesegeräte eine wichtige Rolle spielen, sogenannte Smart Meters. Mit ihnen wird es möglich sein, Echtzeitinformationen über den Stromverbrauch und das Stromangebot auszutauschen und beide zu balancieren. Eine größere Transparenz des Energieverbrauchs soll dabei helfen, Verbraucher zu mehr Sparsamkeit zu ermuntern.

Eine Technologie der Zukunft? Von wegen, solche Smart Meter sind stellenweise schon im Einsatz, und sie kommen jetzt in viele Haushalte. Das dritte Energiepaket, das das Europäische Parlament im April 2009 verabschiedet hat, empfiehlt, dass 80 Prozent aller Energiekunden bis 2020 Smart Meter haben sollen.

Doch Vorsicht: Diese neue Technik birgt gewaltige Gefahren. Sie eröffnet eine neue Front für Cyberangreifer.

Smart Meter sind im Grunde Mini-Computer, allerdings haben sie nicht die Sicherheitsvorkehrungen, die in heutigen Computern und Netzwerken Standard sind. Wir haben das getestet. Das Ergebnis: Viele Smart Meter, die heute auf dem Markt sind, können mit allgemein verbreiteten Angriffstechniken unterwandert werden, darunter sogenannte buffer overflows und root kits.

Den größten Alarm sollte es aber auslösen, dass wir es geschafft haben, auf ganz gewöhnlichen Smart Meter sogenannte Computerwürmer auszuführen. Unsere Testwürmer waren harmlos. Doch wenn ein wirklich bösartiges Wurmprogramm in einer bestimmten Region die Stromableser infizieren würde, kann Schlimmes passieren.

Im besten Fall würde der Stromversorger die Attacke schnell bemerken. Er würde dann einfach eine Aktualisierung des Computercodes in den Stromablesern, ein sogenanntes Firmware-Update, übers Netz losschicken. Der Wurm würde gelöscht, die Stromablesegeräte könnten weiterarbeiten wie bisher.