BotnetzSpam als Spiegel der Weltwirtschaft

Spammails sind ein riesiges Geschäft und hinter Botnetzen stecken Kriminelle, die verdienen wollen. In den Mails spiegelt sich das Auf und Ab der Wirtschaft wider. von 

Spam ist eigentlich eine Dosenfleisch-Marke und weil dieses im Krieg nicht rationiert war, ein Inbegriff für ständige Verfügbarkeit. Diesen nutzte die Komikertruppe Monthy Python in einem berühmt gewordenen Sketch, in dem 132 Mal das Wort Spam auftauchte. Im Netz wuchs daraus ein Synonym für Müll.

Spam ist eigentlich eine Dosenfleisch-Marke und weil dieses im Krieg nicht rationiert war, ein Inbegriff für ständige Verfügbarkeit. Diesen nutzte die Komikertruppe Monthy Python in einem berühmt gewordenen Sketch, in dem 132 Mal das Wort Spam auftauchte. Im Netz wuchs daraus ein Synonym für Müll.  |  © David McNew/Getty Images

Sie gelten als die Pest des Internet-Zeitalters – Spam-Nachrichten. Nahezu jeder E-Mail-Nutzer kennt die Schwemme ungebetener Werbebotschaften in seinem Postfach. Doch sind sie nicht einfach nur Müll, sondern für viele schlicht ein Geschäft. Und wie bei anderen Branchen auch, zeigt sich am Spam der Zustand der Weltwirtschaft. Die gute Nachricht: Die Wirtschaft erholt sich offensichtlich. Die schlechte: Spam werden wir nicht los.

Der russische Antivirensoftware-Hersteller Kaspersky Lab hat untersucht, wie der Zusammenhang zwischen den kriminellen Massenmailings und der Lage der Wirtschaft ist. "In unserer Studie versuchen wir, das Aufkommen und vor allem die Inhalte des Spams mit den Veränderungen im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umfeld in Verbindung zu bringen", sagt die Kaspersky-Analystin Maria Namestnikova. Und es gebe einen Zusammenhang. Aktuell steige die Zahl der Werbemails für minderwertige oder gefälschte Artikel. Bei Kaspersky sieht man darin ein erstes Anzeichen für ein nahes Ende der Finanz- und Wirtschaftskrise.

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"Sieht man Spam als einen ganz normalen Geschäftszweig an, so lassen sich aus seinem Aufkommen und seinem Inhalt ähnliche Schlüsse auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen ziehen, wie bei der Realwirtschaft", sagt Namestnikova. Geht es der Wirtschaft gut, können auch kleine Firmen mehr Geld für Werbung ausgeben. Und was für klassische Werbung gilt, gilt auch für Spam: In guten Zeiten haben Spammer viele Aufträge für die Bewerbung billiger Produkte. Ist das Wirtschaftswachstum rückläufig, haben zunächst die kleinen Firmen, die minderwertige oder gefälschte Produkte massenhaft zu einem niedrigen Preis anbieten, kein Geld mehr für Werbung – Spammer verlieren Kunden.

Welche Bedeutung den inzwischen nahezu überall verbotenen Werbeaktivitäten zukommt, lässt sich allein am immensen Volumen ablesen. Die Moskauer Analysten schätzen den Anteil von Spam am gesamten E-Mail-Aufkommen auf 87 Prozent. Insgesamt hat sich an dieser Zahl aufgrund der Krise kaum etwas geändert. "Je nach Wirtschaftslage findet nur ein Kundenwechsel statt", sagt Namestnikova. "Die Menge des Spams bleibt in etwa gleich."

Denn auch Spammer waren bemüht, die Krise zu überleben und suchten sich neue Kunden. Kaspersky beobachtete beispielsweise im russischen Internet einen starken Anstieg von Spammails, die Immobilien anboten. Denn, so die Interpretation, durch die Firmenpleiten standen viele Büros leer und die Vermieter gerieten unter Druck, weswegen sie verstärkt auf die billigen Massenmails zurückgriffen.

Aber wo kommt der ganze Spam überhaupt her? Weltweit beobachten Virenschützer nicht nur den Inhalt, sondern auch die geografische Herkunft von Spam. 2009 standen die USA an der Spitze der Herkunftsländer. Dicht gefolgt von Russland und Brasilien.

Leserkommentare
  1. Als ob es nichts Wichtiges zu berichten gäbe! (??)

  2. ...allerdings darüber, dass das Problem von manchen so wenig ernst genommen wird. Also, ich hätte schon was dagegen, wenn - trotz installierter Sicherheitssoftware - mein PC von irgendwelchen Hackern ferngesteuert und für kriminelle Aktivitäten missbraucht würde. Dass es natürlich noch wichtigere Dinge zu berichten gibt, wird durch diesen Artikel ja nicht verhindert...

  3. Wer vermeintlich unwichtige Themen nicht kennt, loest, analysiert und bewertet vermeintlich wichtige Themen zumeist entsprechend schlechter.

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