Krisenkommunikation BP errichtet Ölbarrieren im Netz

Der Ölkonzern BP bemüht sich, die Katastrophe im Golf von Mexiko einzudämmen - aber auch die Folgen fürs eigene Image: mit einer Kampagne im Internet.

Die Bilderseite von BP zeigt vor allem solche Fotos: Rettungsaktion in sanftem Licht. Bilder von zerstörter Natur sind dort nicht zu finden

Die Bilderseite von BP zeigt vor allem solche Fotos: Rettungsaktion in sanftem Licht. Bilder von zerstörter Natur sind dort nicht zu finden

Man mag von der tatsächlichen Leistung von BP im Kampf gegen die Ölpest halten , was man will – die Kommunikation des Konzerns im Netz darüber zumindest ist erstklassig. Überall trommeln die Sprecher und Lobbyisten der Ölfirma, um, wenn schon nicht das Öl, dann wenigstens den Imageschaden einzudämmen.

Unternehmenskommunikation ist der Versuch, die eigenen Produkte so gut wie möglich darzustellen, um sie besser verkaufen zu können. Das ist in unserer Gesellschaft legitim. Doch an einer Katastrophe wie der im Golf von Mexiko zeigt sich, wo die Grenzen dieser Kommunikation sind: objektivere Informationen sind so kaum zu erwarten.

Anzeige

Es gibt viele Beispiele, an denen das zu beobachten ist: So ist auf der Seite von BP-Deutschland der Themenkomplex zur Katastrophe mit "Plattform-Unfall" überschrieben. Die internationale Website dazu firmiert unter Gulf of mexico response . Ja, es war tatsächlich ein Unfall auf einer Ölplattform und ja, der Konzern reagiert darauf, zeigt also eine response . Doch der Kern des Problemes ist damit nicht beschrieben. Auf der gemeinsam mit amerikanischen Behörden betriebenen Informationsseite Deepwater Horizon Response (sic) sind viele Bilder zu sehen. Sie alle erzählen die gleiche Geschichte: wie erfolgreich sich der Konzern bemüht, das Öl einzudämmen und einzusammeln.

Natur in Gefahr

Anfangs hieß es noch, dass aus den Lecks unter der explodierten Bohrinsel Deepwater Horizon nach Schätzungen des Ölkonzerns BP und der Behörden täglich rund 5000 Barrel Öl schießen würden. Das sind knapp 800.000 Liter der zähen schwarzen Masse. Mittlerweile hat die US-Regierung ihre Schätzung deutlich nach oben korrigiert. Sie liegt nun zwischen 35.000 und 60.000 Barrel pro Tag. Das wären bis zu 9,5 Millionen Liter. Seit Wochen weisen Forscher auf entsprechende Mengen hin.

Bedroht ist nicht nur die Küstenregion des amerikanischen Bundesstaates Louisiana, wo das Öl bereits auf Land getroffen ist. Nach Angaben der Wetter- und Ozeanografiebehörde der USA (NOOA) kommt es auch zu Auswirkungen für Tiere und Pflanzen entlang der Küsten der Nachbarstaaten Mississippi, Alabama und Florida. Derzeit schätzt NOOA, dass allein in Louisiana zehn Tierschutzgebiete betroffen sind.

Die Sumpflandschaften in der Region sind artenreiche Ökosysteme, die fast 40 Prozent der Feuchtgebiete der USA ausmachen.

Meerestiere

Louisianas Ministerium für Natur und Fischerei sieht 445 Fischarten, 45 Säugetierarten, 32 Amphibienarten und 134 Vogelarten unmittelbar durch den wabernden Ölteppich in Gefahr.

Meeressäuger, wie die Delfinart Großer Tümmler oder der Pottwall können sich im klebrigen Öl verfangen, wenn sie zum Luftholen auftauchen. Der Karibik-Manati, eine bereits gefährdete Seekuhart, wandert entlang der Golfküste in warme Gewässer.

Auch einige Schildkrötenarten könnten unter dem Öl leiden. Gerade beginnt die Zeit, in der sie ihre Eier an den Stränden ablegen und auf Futtersuche sind.

Einige Umweltschützer fürchten sogar, dass der Alligator Schwierigkeiten bekommen könnte, im brackigen Mündungsgebiet des Mississippi-Delta Nahrung zu finden. Viele Fischarten, die auf seinem Speiseplan stehen, könnten vom Öl eingefangen werden.

Vögel

Eine Vielzahl an Vogelarten lebt und zieht an der Golfküste entlang, um hier Eier zu legen, Nester zu hüten und nach Futter zu suchen. Allein an der Küste Louisianas zählt man rund fünf Millionen Zugvögel in den Sumpfgebieten.

Kommen die Vögel mit Öl in Verbindung und verkleben sich ihre Flügel, können die Tiere weder Wasser abweisen noch Luft aufnehmen. In der Folge können sie ihre Körpertemperatur nicht mehr regulieren und unterkühlen.

Der offizielle Vogel des Staates Louisiana, der Braunpelikan, hat gerade angefangen auf den Sandinseln, die parallel zur Küstenlinie verlaufen, zu brüten. Weitere rund hundert Zugvögelarten, darunter Schwalben, Ammern und Waldsänger, legen derzeit einen Zwischenstopp in der Region ein.

Hinzu kommen zahlreiche Vogelarten, die an den Stränden nisten.

Pflanzen

Besonders die weitverbreiteten Mangrovenwälder an der Küste des Golfs von Mexiko reagieren sehr empfindlich auf eine Ölverschmutzung. Sie sterben ab, sobald das Öl ihre Luftöffnungen in den Wurzeln verklebt.

Dies ist nicht nur ein ökologisches Problem. Die Mangroven spielen auch eine wichtige Rolle im Küstenschutz. Gerade in der Region vor Louisianas Küste kommt es immer wieder zu starken Hurrikans. Die Mangroven bieten als eine Art natürliche Barriere Schutz für das gesamte Mississippi-Delta.

Künftige Stürme könnten größere Schäden anrichten, weil Mangroven nur langsam nachwachsen.

Fischerei

Der Golf von Mexiko ist der einzige Ort, an dem der Blauflossenthun im Westatlantik seine Laichgründe hat. Die Laichzeit hat gerade begonnen und die Meerestiere sind ohnehin eine gefährdete Art. Ihre Eier schwimmen an der Wasseroberfläche und auch die Larven bleiben in den oberen Wasserschichten, die direkt vom Öl verseucht sind.

Auch der Menaden, eine Heringsart, ist direkt vom Öl betroffen. Die Fische ziehen ihre Nahrung aus dem Wasser, indem sie es filtern. So kann das Öl direkt in ihren Organismus gelangen.

In den Gewässern vor der US-Küste leben zudem riesige Mengen Austern, Krabben, Muscheln und weitere Fische.

Noch geht die örtliche Industrie zwar nicht von einem dramatischen Einfluss auf die Fischereibetriebe aus. Dennoch geht die Furcht um. Einige Krabbenfischer haben bereits BP, Transocean und die anderen an dem Bohrvorhaben beteiligten Konzerne Halliburton sowie Cameron wegen Fahrlässigkeit verklagt.

Viele Menschen in der Region dürfte dagegen eher interessieren, welche Folgen die Ölpest für die Umwelt und damit für sie hat. Dazu aber findet sich im offiziellen Flickr-Fotostream kein einziges Bild. Auch auf der BP-Seite response in pictures sind nur die Gegenmaßnahmen zu sehen.

Ein Zufall kann das nicht sein. Durchaus verständlich, dass BP nicht mit den Fotos verendender Tiere in Verbindung gebracht werden will. Das ist ein klassischer Konflikt der Krisenkommunikation, die einerseits die Öffentlichkeit informieren, andererseits den Schaden für den Betroffenen minimieren soll. Allerdings ist es keine gute Strategie, dabei zu oft an das eigene Unternehmen zu denken.

Es ist wichtig zu demonstrieren, dass man mit einer Krise fertig wird. Albern wird es hingegen, wenn es dem Konzern unmöglich ist, der Folgen wirklich Herr zu werden. Im Fall einer Ölpest solchen Ausmaßes kann diese Unmöglichkeit als gegeben gelten. Egal, wie viel abgesaugt und abgefackelt wird: Unmengen Öl verschmutzen das Meer und die Küsten und töten jedes Leben dort. Solche Folgen abzuwehren oder nicht ausreichend darzustellen, ist deshalb vielleicht keine gute Idee.

Leser-Kommentare
    • tower
    • 06.05.2010 um 21:40 Uhr

    die für BP irgenteine Ladung fahren wollen werden erst akzeptiert,nachdem sie sich einer BP-Vetting (Inspektion) unterzogen haben.Diese sind in der Regel sehr streng und werden schiffsseitig ernst genommen,denn schon ein paar Mängel in der Ausrüstung,oder bei der Wartung u.o. deren Nachweis ,oder Bmgl.mit abgelaufenen Certifikaten sind Grund genug das Schiff abzulehnen.
    Um so mehr verwundert es ,daß BP diese hohen Ansprüche in Bezug auf Sicherheit bei sich selbst nicht durchführt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Einige Fakten zum Kommentar von “tower”:

    • Transocean’s Deepwater Horizon had an unblemished safety record since 2004, according to MMS Incident of Non-Compliance (INC) data.

    • Drilling rigs working for BP in the Gulf of Mexico outperformed the industry average on safety for six years running, according to the MMS’s drilling rig INC to Inspection Ratio.

    • BP has been a finalist for the MMS National SAFE Award for the past two years. (Safety Award For Excellence).

    MMS steht für Minerals Management Service, das ist die überwachende Behörde für die Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko.

    Bitte bemühen Sie sich zusätzlich zu den Informationen in Ihren Kommentaren um den Verweis auf Quellen. Danke, die Redaktion/fk

    Einige Fakten zum Kommentar von “tower”:

    • Transocean’s Deepwater Horizon had an unblemished safety record since 2004, according to MMS Incident of Non-Compliance (INC) data.

    • Drilling rigs working for BP in the Gulf of Mexico outperformed the industry average on safety for six years running, according to the MMS’s drilling rig INC to Inspection Ratio.

    • BP has been a finalist for the MMS National SAFE Award for the past two years. (Safety Award For Excellence).

    MMS steht für Minerals Management Service, das ist die überwachende Behörde für die Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko.

    Bitte bemühen Sie sich zusätzlich zu den Informationen in Ihren Kommentaren um den Verweis auf Quellen. Danke, die Redaktion/fk

  1. BP-Chef Hayward scheint bemüht zu sein, jeden bösen Verdacht, den man gegenüber einem übermächtigen Ölmulti haben könnte, zu bestätigen: vor einer Woche noch erklärte er, sein Konzern werde für alle Schäden durch die Ölkatastrophe aufkommen.
    Gleichzeitig sind seine Leute an der Küste bei den Fischern unterwegs, und schwatzen ihnen Verträge auf, in denen diese auf ihre Ansprüche verzichten sollen, damit sie - arbeitslos, wie sie durch den Unfall wurden, im Auftrag von BP die Ölpest bekämpfen können. Die Ministerin für Homeland Security Napolitano hat das Vorgehen als inakzeptabel bezeichnet.

    Bei seiner Erklärung war Hayward so schlau, den Schadensersatz auf alle BERCHTIGTE ("legitimate") Forderungen zu beschränken.
    Wer entscheidet aber nun, was BERECHTIGT ist? Hayward hat nun auch gleich die Bremse gezogen: er erwarte, dass BP nun vor amerikanischen Gerichten viele "illegitimate", also unberechtigte Forderungen abzuwehren habe.

    Wir können damit bereits heute wissen, dass - wie im Fall der Exxon Valdez - ein jahrzehntelanges juristisches Gezerre bevorsteht, bevor einer der Fischer - wenn überhaupt - auch nur einen Penny von dem Ölmulti sieht.

    http://www.huffingtonpost...
    http://www.timesonline.co...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    http://www.youtube.com/wa...

    Diesen Trichter gab es vorher nicht, auch wenn jetzt einige meinen - gibt es schon! Gabs nicht, siehe Medien !!!

    http://www.youtube.com/wa...

    Diesen Trichter gab es vorher nicht, auch wenn jetzt einige meinen - gibt es schon! Gabs nicht, siehe Medien !!!

  2. http://www.youtube.com/wa...

    Diesen Trichter gab es vorher nicht, auch wenn jetzt einige meinen - gibt es schon! Gabs nicht, siehe Medien !!!

    Antwort auf "Verantwortungslos?!"
  3. Wozu Technik von vorgestern führt, sehen wir ja. Genauso desaströs ist es heute, die Menschen für dumm zu verkaufen. Offensichtlich sind die Verantwortlichen bei BP keine Kommunikationsfachleute. Dann hätten sie schonmal vom Cluetrain-Manifest oder "Naked Conversations" gehört. Total unprofessionell, was da gerade bei BP passiert.

    • Azurr
    • 07.05.2010 um 8:50 Uhr

    Der verlinkte "offizielle Photostream" gehört zur Öffentlichkeitsarbeit der U.S. Coast Guard, nicht BP.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Es ist der Fotostream des Joint Information Center, an dem BP, Transocean, die Küstenwache und andere US-Behörden beteiligt sind. Siehe hier:

    http://www.deepwaterhoriz...

    Um es ganz genau zu nehmen.

    Beste Grüße

    Redaktion

    Es ist der Fotostream des Joint Information Center, an dem BP, Transocean, die Küstenwache und andere US-Behörden beteiligt sind. Siehe hier:

    http://www.deepwaterhoriz...

    Um es ganz genau zu nehmen.

    Beste Grüße

  4. Redaktion

    Es ist der Fotostream des Joint Information Center, an dem BP, Transocean, die Küstenwache und andere US-Behörden beteiligt sind. Siehe hier:

    http://www.deepwaterhoriz...

    Um es ganz genau zu nehmen.

    Beste Grüße

    Antwort auf "Korrektur"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Azurr
    • 07.05.2010 um 9:08 Uhr

    Nicht wirklich, wenn mans ganz genau nimmt:
    http://www.flickr.com/peo...

    uscgd8 / U.S. Coast Guard Eighth District External Affairs

    Siehe auch beispielsweise
    http://www.flickr.com/pho...

    • Azurr
    • 07.05.2010 um 9:08 Uhr

    Nicht wirklich, wenn mans ganz genau nimmt:
    http://www.flickr.com/peo...

    uscgd8 / U.S. Coast Guard Eighth District External Affairs

    Siehe auch beispielsweise
    http://www.flickr.com/pho...

    • Azurr
    • 07.05.2010 um 9:08 Uhr

    Nicht wirklich, wenn mans ganz genau nimmt:
    http://www.flickr.com/peo...

    uscgd8 / U.S. Coast Guard Eighth District External Affairs

    Siehe auch beispielsweise
    http://www.flickr.com/pho...

    Antwort auf "Fotostream"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Azurr
    • 07.05.2010 um 9:14 Uhr

    Der offizielle Fotostream des Joint Information Centers ist hier:
    http://www.flickr.com/pho...

    • Azurr
    • 07.05.2010 um 9:14 Uhr

    Der offizielle Fotostream des Joint Information Centers ist hier:
    http://www.flickr.com/pho...

    • Azurr
    • 07.05.2010 um 9:14 Uhr

    Der offizielle Fotostream des Joint Information Centers ist hier:
    http://www.flickr.com/pho...

    Antwort auf "re:fotostream"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Hmm, stimmt. Gewonnen. Ich ändere es :)

    Beste Grüße

    • Azurr
    • 07.05.2010 um 9:57 Uhr

    Also auf die Gefahr hin jetzt etwas knitterig zu erscheinen (mit dem Gesamttenor des Artikels bin ich absolut einverstanden, und ums "gewinnen" geht es mir eigentlich auch nicht):

    - der Link zur BP-Seite ist rausgeflogen
    - der offizielle Fotostream des JIC zeigt vielleicht nicht sonderlich eindrücklich "welche Folgen die Ölpest für die Umwelt hat", Bilder von der Verschmutzung gibt es da aber schon. Sterbende Seevögel etc sind zwar nicht zu sehen, aber das hängt wohl eher damit zusammen dass der Ölteppich bis jetzt noch nicht an Land angekommen ist...
    - dass eine Seite mit dem Titel "response in pictures" nur die Gegenmaßnahmen abbildet, ist imho auch nicht weiter bemerkenswert

    Nur mal so als Gedanken.

    Beste Grüße

    Redaktion

    Hmm, stimmt. Gewonnen. Ich ändere es :)

    Beste Grüße

    • Azurr
    • 07.05.2010 um 9:57 Uhr

    Also auf die Gefahr hin jetzt etwas knitterig zu erscheinen (mit dem Gesamttenor des Artikels bin ich absolut einverstanden, und ums "gewinnen" geht es mir eigentlich auch nicht):

    - der Link zur BP-Seite ist rausgeflogen
    - der offizielle Fotostream des JIC zeigt vielleicht nicht sonderlich eindrücklich "welche Folgen die Ölpest für die Umwelt hat", Bilder von der Verschmutzung gibt es da aber schon. Sterbende Seevögel etc sind zwar nicht zu sehen, aber das hängt wohl eher damit zusammen dass der Ölteppich bis jetzt noch nicht an Land angekommen ist...
    - dass eine Seite mit dem Titel "response in pictures" nur die Gegenmaßnahmen abbildet, ist imho auch nicht weiter bemerkenswert

    Nur mal so als Gedanken.

    Beste Grüße

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service