Digitaler Tummelplatz für Exhibitionisten, eine Bedrohung für die Privatsphäre und beliebter Ausgangspunkt für Identitätsräuber : Das lebensfroh-expansive Image von Facebook hat in den vergangenen Wochen ein paar heftige Kratzer erlitten.

Zwar wird sozialen Netzwerken regelmäßig eine goldene Zukunft als die neue Kommunikations- und Werbeplattform im Internet vorausgesagt. Und Facebook scheint allen anderen digitalen Bündnissen bis auf weiteres meilenweit davongeeilt. Doch dieser Tage rotten sich mal wieder allerhand Ausstiegswillige zusammen – darunter auch prominente Medien- und Netzvertreter. Sie haben nichts anderes im Sinn, als einen Exodus von Facebook in Gang zu setzten.

Auslöser sind vor allem die jüngsten Ankündigungen des Facebook-Chefs Mark Zuckerberg anlässlich der Entwicklermesse F8, sowie seine Weigerung , auf die zahlreichen Forderungen nach einem besseren Schutz der Privatsphäre einzugehen. An vorderster Kritiker-Front steht das renommierte, anglo-amerikanische Technik-Magazin Wired . Viele mag vom Aussteigen noch abhalten, dass sie nicht auf die bequeme Kontakt-, Debatten- und Terminbörse verzichten wollen, die Facebook zweifelsohne bietet. Wired hat deshalb seine Leserschaft dazu aufgerufen, nach einer guten Alternative zu dem Netzwerk-Giganten zu suchen.

In der Folge kamen spontan über 115.000 Dollar für ein Studenten-Projekt namens " Diaspora " zusammen. Das ist deshalb erstaunlich, weil die vier Studenten der New York University klar gesagt haben, erst im Sommer mit dem Programmieren beginnen zu wollen – nach ihrem College-Abschluss. Dass dennoch auf Anhieb so viele Dollar zusammen kamen, zeigt an, dass der Wunsch nach einer Alternative groß ist.

Stellt sich die Frage, wie ein besseres Netzwerk überhaupt aussehen könnte. Was müsste es anders machen als Facebook?

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass wirkungsvolle Privateinstellungen vor allem mit zwei Dingen konkurrieren: Der bequemen Benutzbarkeit ("Usability") und den Möglichkeiten der Geldgeber, ihre Investitionen mit Hilfe von Marketingdaten und Werbung in noch mehr Geld umzuwandeln. Während Tribute ans Marketing bei einem gemeinschaftlich finanzierten Projekt wie "Diaspora" keine Rolle spielen müssten, bleibt die Frage nach einer eleganten Seite mit kurzen Klickwegen. Bekanntlich waren es auch bei Studi- und Schüler-VZ vor allem einseitige Entscheidungen zu Gunsten der Usability, die in der Folge immer wieder zu Daten-Pannen geführt haben . (Die VZ-Gruppe gehört wie ZEIT ONLINE zur Holtzbrinck-Gruppe).