Facebook-Austritte Auf der Suche nach dem besseren Netzwerk
Die Kritik an der fehlenden Privatsphäre wächst, Prominente steigen aus, ein Alternativ-Projekt sammelt massig Geld: Facebook droht eine Ausstiegswelle.
© Dan Kitwood/Getty Images

Mangelnder Datenschutz, immer weniger Promis: Facebook droht die Fluchtwelle
Digitaler Tummelplatz für Exhibitionisten, eine Bedrohung für die Privatsphäre und beliebter Ausgangspunkt für Identitätsräuber : Das lebensfroh-expansive Image von Facebook hat in den vergangenen Wochen ein paar heftige Kratzer erlitten.
Zwar wird sozialen Netzwerken regelmäßig eine goldene Zukunft als die neue Kommunikations- und Werbeplattform im Internet vorausgesagt. Und Facebook scheint allen anderen digitalen Bündnissen bis auf weiteres meilenweit davongeeilt. Doch dieser Tage rotten sich mal wieder allerhand Ausstiegswillige zusammen – darunter auch prominente Medien- und Netzvertreter. Sie haben nichts anderes im Sinn, als einen Exodus von Facebook in Gang zu setzten.
Auslöser sind vor allem die jüngsten Ankündigungen des Facebook-Chefs Mark Zuckerberg anlässlich der Entwicklermesse F8, sowie seine Weigerung , auf die zahlreichen Forderungen nach einem besseren Schutz der Privatsphäre einzugehen. An vorderster Kritiker-Front steht das renommierte, anglo-amerikanische Technik-Magazin Wired . Viele mag vom Aussteigen noch abhalten, dass sie nicht auf die bequeme Kontakt-, Debatten- und Terminbörse verzichten wollen, die Facebook zweifelsohne bietet. Wired hat deshalb seine Leserschaft dazu aufgerufen, nach einer guten Alternative zu dem Netzwerk-Giganten zu suchen.
In der Folge kamen spontan über 115.000 Dollar für ein Studenten-Projekt namens " Diaspora " zusammen. Das ist deshalb erstaunlich, weil die vier Studenten der New York University klar gesagt haben, erst im Sommer mit dem Programmieren beginnen zu wollen – nach ihrem College-Abschluss. Dass dennoch auf Anhieb so viele Dollar zusammen kamen, zeigt an, dass der Wunsch nach einer Alternative groß ist.
Stellt sich die Frage, wie ein besseres Netzwerk überhaupt aussehen könnte. Was müsste es anders machen als Facebook?
Grundsätzlich lässt sich sagen, dass wirkungsvolle Privateinstellungen vor allem mit zwei Dingen konkurrieren: Der bequemen Benutzbarkeit ("Usability") und den Möglichkeiten der Geldgeber, ihre Investitionen mit Hilfe von Marketingdaten und Werbung in noch mehr Geld umzuwandeln. Während Tribute ans Marketing bei einem gemeinschaftlich finanzierten Projekt wie "Diaspora" keine Rolle spielen müssten, bleibt die Frage nach einer eleganten Seite mit kurzen Klickwegen. Bekanntlich waren es auch bei Studi- und Schüler-VZ vor allem einseitige Entscheidungen zu Gunsten der Usability, die in der Folge immer wieder zu Daten-Pannen geführt haben . (Die VZ-Gruppe gehört wie ZEIT ONLINE zur Holtzbrinck-Gruppe).
Fraglich ist zudem, ob die ganz große Ausstiegswelle nur ein kurzer Medienhype ist, oder wirklich kommt – ob also eine kritische Masse in die Diaspora mitziehen würde. Denn soziale Netzwerke machen ja erst Sinn, wenn man dort möglichst viele Bekannte treffen kann.
Konkrete Zahlen zu stillgelegten Accounts gibt Facebook zwar nicht heraus. Aber immerhin stiegen die Suchanfragen auf Google zu den Begriffen "Facebook" und "delete" um 150 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Facebook war nur zu entlocken, dass die Zahl der Nutzer seit der kritischen Entwicklerkonferenz F8 am 21. April um 10 Millionen aktive Nutzer gewachsen sei.
Das klingt auf den ersten Blick nach einer ungebrochenen Erfolgsstory. Suchmaschinenexperte Danny Sullivan allerdings hat in alten Blogs und Berichten gefahndet und kommt zu dem Ergebnis, dass der Zuwachs sich damit im Vergleich zu Anfang 2009 in etwa halbiert hat.
Was meinen Sie? Haben Projekte wie "Diaspora" als Alternative zu Facebook eine Chance? Wie sollten diese neuen sozialen Netzwerke aussehen?Hier geht's zur Debatte.
- Datum 14.05.2010 - 15:59 Uhr
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