Mohammed-Karikaturen Pakistan sperrt Facebook
Ein Gericht in Lahore hat die vorübergehende Schließung des sozialen Netzwerks Facebook angeordnet. Der Grund: Ein User hatte zum Mohammed-Zeichenwettbewerb aufgerufen.
© Arif Ali/AFP/Getty Images

Proteste gegen Facebook: Im pakistanischen Lahore gingen Demonstranten gegen das US-Unternehmen auf die Straße
Die einen kämpfen für die Meinungsfreiheit, die anderen wettern gegen die Beleidigung des Religionsstifters: Der seit Jahren schwelende Streit um Mohammed-Karikaturen droht in Pakistan erneut zu eskalieren. Ein westlicher Nutzer des sozialen Netzwerks Facebook hatte in dem Internetportal zur Einsendung von Karikaturen des Propheten aufgerufen. Daraufhin ließ das Hohe Gericht in Lahore die komplette Seite sperren.
Die Richter reagierten damit auf eine Klage islamischer Anwälte und forderten die Telekommunikationsbehörde auf, den kompletten Zugang zu Facebook "wegen dieser blasphemischen Veranstaltung" zunächst bis Ende Mai zu blockieren. Die Behörde erklärte, dem sofort nachzukommen, sobald das pakistanische Informations- und Technologieministerium dies anordne.
Bereits am Vortag hatte die Regierung die betreffende Seite geschlossen. Der "Tag der Zeichnungen Mohammeds" sollte am Donnerstag stattfinden.
Vor dem Gericht in Lahore demonstrierten rund 20 Menschen gegen Facebook , das zu dem Vorfall bislang keine Angaben machte. So wie viele Muslime empfinden auch die Protestler jegliche Abbildung des Religionsstifters als Beleidigung. Bereits im Jahr 2005 hatten Mohammed-Karikaturen in der dänischen Zeitung Jyllands-Posten weltweit einen Entrüstungssturm unter Muslimen ausgelöst, bei denen mindestens 50 Menschen starben.
Kritiker der Facebook-Sperrung hielten dagegen, dass die Entscheidung des Gerichts übers Ziel hinausschießen könnte. "Die ganze Internetseite zu sperren, dürfte vor allem die jungen Nutzer verärgern", sagte der Chef des Internet-Dienstleisters Nayatel, Wajaj-us-Siraj. Schließlich sei das Netzwerk bei ihnen sehr beliebt, sie verbrächten dort sehr viel Zeit.
Die Organisatoren des Zeichenwettbewerbs erklärten auf ihrer am Mittwoch noch zu erreichenden Facebook-Seite, es gehe ihnen um die Meinungsfreiheit. Der geplante Wettstreit sei die Antwort auf einen muslimischen Blogger, der wegen einer Darstellung Mohammeds unlängst Drohungen gegen die Produzenten der Serie South Park ausgesprochen habe. "Die Extremisten können uns nicht unser Recht auf Redefreiheit nehmen und uns mit ihren Drohungen zum Schweigen bringen", hieß es auf Facebook.
- Datum 19.05.2010 - 17:13 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, AFP
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Natürlich ist das Argument, dass es sich bei diesen Mohammed-Karikaturen um Blaspehmie handelt, nachzuvollziehen. Für viele Christen wäre es auch nicht akzeptabel, wenn jemand den Gott der Bibel zu Papier bringen würde. (Du sollst dir kein Bild von Gott machen, heißt es in der Bibel).
Natürlich ist es so eine Sache, dass dann die gesamte Facebookseite für Pakistan gesperrt wurde, weil man damit sicherlich nicht auf das gewünschte Verständnis bei den Usern trifft.
Meinungsfreiheit schön und gut aber wenn nun mal Grenzen von Anderen damit verletzt werden frage ich mich, wieso man eine Kultur so provozieren muss.
Es war doch vorher absehbar, dass ein solcher Aufruf für Zündstoff sorgt. Ich verstehe wirklich nicht, was sich der westliche User dabei gedacht hat...Jeder Mensch, jede Kultur ist verletzlich und wenn man ein wenig Rücksicht aufeinander nimmt, kommt es gar nicht erst soweit.
Die Aktion ist zwar wohl eine gezielte Provokation, doch aus Respekt von einer Darstellung Mohammeds abzusehen wäre ein Einknicken vor islamischen Extremisten, die ihre Indigniertheit in letzter Zeit immer wieder mit der Androhung von Gewalt und Gewalt selbst untermauern. Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist einer der Grundpfeiler moderner Zivilisation und darf nicht wegen religiöser Befindlichkeiten unterminiert werden. Es ist zwar bedauerlich, dass auf diese Weise die Mehrzahl der Muslime trotz ihrer Friedfertigkeit im Kreuzfeuer der Verteidiger der Grundrechte und den muslimischen Extremisten landen, doch der Streitgrund ist zu wichtig als dass man darauf Rücksicht nehmen könnte.
Ich möchte außerdem darauf hinweisen, dass das Darstellungsverbot Mohammeds nur für Muslime gilt. Diese haben daher nicht das Recht, es auch von Nichtmuslimen zu verlangen. Schließlich haben auch Christen nicht das Recht, den Muslimen die Teilnahme an de Ostereiersuche vorzuschreiben.
Noch ein Wort zu diesem Satz: "Für viele Christen wäre es auch nicht akzeptabel, wenn jemand den Gott der Bibel zu Papier bringen würde."
Die meisten Christen befolgen das entsprechende Verbot noch nicht einmal in ihren eigenen Kirchen. Der Vergleich ist hinfällig.
Die Aktion ist zwar wohl eine gezielte Provokation, doch aus Respekt von einer Darstellung Mohammeds abzusehen wäre ein Einknicken vor islamischen Extremisten, die ihre Indigniertheit in letzter Zeit immer wieder mit der Androhung von Gewalt und Gewalt selbst untermauern. Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist einer der Grundpfeiler moderner Zivilisation und darf nicht wegen religiöser Befindlichkeiten unterminiert werden. Es ist zwar bedauerlich, dass auf diese Weise die Mehrzahl der Muslime trotz ihrer Friedfertigkeit im Kreuzfeuer der Verteidiger der Grundrechte und den muslimischen Extremisten landen, doch der Streitgrund ist zu wichtig als dass man darauf Rücksicht nehmen könnte.
Ich möchte außerdem darauf hinweisen, dass das Darstellungsverbot Mohammeds nur für Muslime gilt. Diese haben daher nicht das Recht, es auch von Nichtmuslimen zu verlangen. Schließlich haben auch Christen nicht das Recht, den Muslimen die Teilnahme an de Ostereiersuche vorzuschreiben.
Noch ein Wort zu diesem Satz: "Für viele Christen wäre es auch nicht akzeptabel, wenn jemand den Gott der Bibel zu Papier bringen würde."
Die meisten Christen befolgen das entsprechende Verbot noch nicht einmal in ihren eigenen Kirchen. Der Vergleich ist hinfällig.
...einer, der provoziert, und einer, der sich provozieren lässt. Wieso sollte eine Kultur so verletzlich sein, dass eine alberne Aktion auf Facebook bereits in der Lage ist, ihr zu schaden? Gelassenheit wäre ein Zeichen von Stärke, nicht Drohungen, wilder Protest und Verbote. Zu solchen Mitteln muss nur greifen, wer seine Kultur selbst als schwach deklariert.
Jede Kultur ist einfach anders. Wenn man sich mit Kulturunterschieden beschäftigt, merkt man, dass es einfach Themen gibt, die man besser nicht anspricht. Jede Kultur hat ein ethisches Empfinden und bestimmte Ansichten, was sich gehört und was nicht. Ich vergleiche es mal (etwas übertrieben) mit einer Partnerschaft: da weiß man auch, dass man mit bestimmten Aussagen und Handlungen gibt, den Anderen auf die Palme bringen kann. Dann provoziert man die Person doch nicht extra. Das hat was mit Rücksichtnahme zu tun. Ich frage mich einfach, ob das nötig war? Entweder hat sich der westliche Künstler nicht darüber über mögliche Konsequenzen informiert oder er hat es bewusst getan.
zeigt sich wieder einmal als die Religion des Beleidigtseins.
Viel zu viele Medien erwiesen sich im Karikaturenstreit als zu feige, um für die Meinungs- und Redefreiheit einzustehen. Viel zu viele Politiker und Intellektuelle biederten sich den Feinden der Redefreiheit geradezu an.
Um bei dem Beispiel der Beziehung zu bleiben: Echte Themen nicht anzusprechen, ist in einer Beziehung geradezu subversiv zerstörerisch. Denn was man da unterm Teppich hält, staut sich an und bricht sich irgendwann Bahn. In der Beziehung zwischen Kulturen ist das meines Erachtens nicht anders.
zeigt sich wieder einmal als die Religion des Beleidigtseins.
Viel zu viele Medien erwiesen sich im Karikaturenstreit als zu feige, um für die Meinungs- und Redefreiheit einzustehen. Viel zu viele Politiker und Intellektuelle biederten sich den Feinden der Redefreiheit geradezu an.
Um bei dem Beispiel der Beziehung zu bleiben: Echte Themen nicht anzusprechen, ist in einer Beziehung geradezu subversiv zerstörerisch. Denn was man da unterm Teppich hält, staut sich an und bricht sich irgendwann Bahn. In der Beziehung zwischen Kulturen ist das meines Erachtens nicht anders.
...aber Sie werden nicht verhindern können, dass irgendjemand irgendwann einmal wieder auf die Idee kommmt, eine unnötige Aktion zu starten, die das Potenzial hat, irgendjemand anderen zu provozieren. Das einzige, was sie ändern können, ist ihre Einschätzung dieser Aktion: Statt sich verletzen zu lassen, schlicht ignorieren. Das ist der einzige realistische Lösungsansatz des Problems.
Wie wäre es, wenn man einfach sagt: Die sollen machen, was sie wollen. Dann können sie uns auch nicht vorschreiben, wie weit wir anderen Religionen entgegenkommen sollen oder wir wie unsere Verfassung auszulegen haben.
Im Rahmen der Globalisierung könnte es immer passieren, dass andere Länder anderen was vorschreiben wollen. Entweder führt das mal zu einer globalisierten Einheitsmeinung oder es gibt Kämpfe um die Vorherrschaft, also Kulturkämpfe auf globaler Ebene.
Gesprächsbereitschaft, erst mal Respektierung der Unterschiede und klarer eigener Standpunkt. Nur so funktioniert nachhaltiger Frieden meines Erachtens.
Respekt zeigen, aber auch Respekt einfordern. Beim Konflikt China/Buchmesse hat es in erster Linie an Einforderung des Respekts für unsere Rechtsordnung gefehlt.
Allerdings muss man auch die eigenen Werte erkennen und akzeptieren. Mit mea Culpa und dem selbstkritischen Larifari der letzten 20 Jahre statt ernsthafter Auseinandersetzung mit sich und anderen, kommt man nicht mehr weiter.
Die Aktion ist zwar wohl eine gezielte Provokation, doch aus Respekt von einer Darstellung Mohammeds abzusehen wäre ein Einknicken vor islamischen Extremisten, die ihre Indigniertheit in letzter Zeit immer wieder mit der Androhung von Gewalt und Gewalt selbst untermauern. Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist einer der Grundpfeiler moderner Zivilisation und darf nicht wegen religiöser Befindlichkeiten unterminiert werden. Es ist zwar bedauerlich, dass auf diese Weise die Mehrzahl der Muslime trotz ihrer Friedfertigkeit im Kreuzfeuer der Verteidiger der Grundrechte und den muslimischen Extremisten landen, doch der Streitgrund ist zu wichtig als dass man darauf Rücksicht nehmen könnte.
Ich möchte außerdem darauf hinweisen, dass das Darstellungsverbot Mohammeds nur für Muslime gilt. Diese haben daher nicht das Recht, es auch von Nichtmuslimen zu verlangen. Schließlich haben auch Christen nicht das Recht, den Muslimen die Teilnahme an de Ostereiersuche vorzuschreiben.
Noch ein Wort zu diesem Satz: "Für viele Christen wäre es auch nicht akzeptabel, wenn jemand den Gott der Bibel zu Papier bringen würde."
Die meisten Christen befolgen das entsprechende Verbot noch nicht einmal in ihren eigenen Kirchen. Der Vergleich ist hinfällig.
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