Grimme Online Award Auf der Suche nach der erfolgreichen Nische

Zum zehnten Mal wird der Grimme Online Award vergeben. Der Preis hat sich emanzipiert. Wichtiger als hübsche Grafiken sind Inhalte abseits des Mainstreams.

ZEIT ONLINE ist für den Grimme Online Award 2010 nominiert

ZEIT ONLINE ist für den Grimme Online Award 2010 nominiert

"Die klare Gestaltung und angenehme Farbgebung von LexiTV lädt zum Verweilen ein." Was wie die Beschreibung aus einem Reisekatalog klingt, war 2003 noch Teil einer Jurybegründung beim Grimme Online Award.

Am 30. Juni wird dieser Preis für herausragende Web-Angebote zum zehnten Mal vergeben. Nominiert sind insgesamt 24 Angebote. Die Kriterien der Jury haben sich mindestens so sehr verändert wie das Netz selbst. Statt um die großen Würfe und technischen Besonderheiten geht es heute viel mehr auch um Inhalte abseits des Mainstreams.

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Seit die Kosten gesunken und das Know-how im Netz gestiegen sind, ist es für viele Menschen relativ einfach geworden, Inhalte auch abseits des Massengeschmacks im Netz zu publizieren. Hinter den Nominierten 2010 stehen daher längst nicht mehr nur die großen Medienhäuser. So berichtet der nominierte Lokaljournalist Thomas Trappe über die Stadt Riesa in Sachsen und beschäftigt sich darin unter anderem mit der NPD und dem nationalen Denken seiner Mitbürger – ganz anders als die regional übliche Lokalberichterstattung. Alexander Görsdorf schildert in seinem Blog Not quite like Beethoven seinen Alltag als Gehörloser. Und Sandra Smilla Dankert fotografiert Menschen auf der Straße, die sich anders anziehen, so der Name ihres Blogs. Alle drei investieren viel Zeit in ihre Angebote. Geld verdienen sie nicht damit.

Das Budget habe bei der Auswahl keine Rolle gespielt, sagt der Journalist Ronnie Grob, der in der Nominierungs-Jury für den Grimme Online Award 2010 saß. "Von einer Website, die von einer Person im Alleingang geführt wird, kann man eigentlich nicht die gleichen Leistungen erwarten wie von einer Website, in die Hunderttausende von Euro geflossen sind. Dennoch haben wir kleinere Websites nicht weniger kritisch beurteilt als große."

Zu Beginn des Online-Awards 2001 spielten Medienhäuser noch eine größere Rolle. Damals wurde Grimme Online noch als Ableger des Adolf Grimme Preises für Film- und Fernsehproduktionen wahrgenommen. Das spiegelte sich auch in den Preisträgern und Kategorien wider. So gab es bis 2004 eine eigene Kategorie "TV". Als sei das Internet nicht viel mehr eine Art besserer Videotext, ein buntes Begleitprogramm für Fernsehsendungen. Damals wurden auch ganze Webangebote von Fernsehsendern ausgezeichnet. So wurde N-TV zum Beispiel noch 2001 dafür gelobt, sein Programm "im Rahmen der Möglichkeiten, die dieses Medium neu eröffnet", zu erweitern.

Unter den Gewinnern vergangener Jahre sind viele Angebote, die inzwischen zu festen Größen des deutschsprachigen Internets gehören. Blogs wie Spreeblick (2006) und Bildblog (2005) zum Beispiel, oder der (inzwischen eingestellte) elektrische Reporter (2007). 2005 wurde die Wikipedia ausgezeichnet, unter anderem weil sie zeige, "dass Selbstverwaltung in großen Gruppen möglich ist". Und 2006 attestierte die Jury der Ehrensenf-Moderatorin Katrin Bauerfeind, sie setze ihre Pointen "lässig wie Harald Schmidt". Inzwischen tritt sie an seiner Seite in Schmidts Fernsehshows auf.

Der Grimme Online Award hat sich in den vergangenen Jahren emanzipiert. Auf der Liste der Nominierten 2010 gibt es kein einziges Angebot, das man als bloße Verlängerung klassischer Medien wie Zeitung, Radio und Fernsehen ins Internet begreifen könnte. Im Gegenteil: Die Jury hat bei ihrer Auswahl offenbar darauf Wert gelegt, das Internet als selbstständiges Medium mit eigenen Regeln ernst zu nehmen. Und begründet etwa die Nominierung von ZEIT ONLINE in der Kategorie Spezial damit, dass es weit über die Zeitungsinhalte hinausgehe und die Debattenkultur im Netz fördere.

Das Geldverdienen steht bei den diesjährigen Nominierten offenbar nicht an erster Stelle, glaubt Grob. "Viele stellen eine Website ins Netz, weil es ihr Angebot bisher so nicht gibt oder weil sie glauben, ein noch besseres Angebot machen zu können als die Konkurrenz. Viele leben auch nur ihren Publikationsdrang aus – ein Drang, der leider vielen Journalisten in etablierten Medien abhanden gekommen ist", sagt Grob. Trotzdem wünscht sich das Jury-Mitglied, dass sich Micro-Payment-Konzepte wie Flattr durchsetzen. "Und so das Geld dorthin fließt, wohin es gehört, nämlich zum Produzenten."

Offizielle Verleihung des Grimme Online Award ist am 30. Juni. Bis dahin kann man auch noch für den Publikumspreis abstimmen.

 
Leser-Kommentare
  1. Die Stadt, aus der Thomas Trappe berichtet, heißt Riesa. Nicht Riega.

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    Es muss natürlich Riesa heißen. Der Fehler wurde korrigiert. Vielen Dank für den Hinweis.

    Es muss natürlich Riesa heißen. Der Fehler wurde korrigiert. Vielen Dank für den Hinweis.

  2. Es muss natürlich Riesa heißen. Der Fehler wurde korrigiert. Vielen Dank für den Hinweis.

    Antwort auf "Riesa nicht Riega"
  3. Wahrscheinlich ist Herr Trappe ein würdiger Kandidat. Aber wenn die Grimmepreis-Vergeber selber ihre Augen öffnen würden, dann wüssten sie, dass es einen einzigen Spitzenkandidaten gibt: Die Online-Community, die auf verschiedenen Blogs - vor allem Spiegel-Online - gegen die verlogene Schweinegrippenhysterie aller Mainstreammedien vorging und das Ihre dazu beitrug, dass die Bevölkerung nicht auf diesen Schwindel der WHO und der Pharmakonzerne hereinfiel. Diese Community erfüllte den Verfassungsauftrag, bei dem die klassischen Medien versagten.

  4. "Grimme Online Award" klingt ja bescheuert.

    So was kann sich nur ausdenken wer das Sprachgefühl
    eines Krokodils hat.
    Wenn solche Leute Preise vergeben kann man wirklich
    nichts erwarten.

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