Debatte Das bessere Facebook
Facebook ignoriert Forderungen nach mehr Privatsphäre. Das verärgert viele Nutzer. Brauchen wir eine Alternative zum Marktführer? Wie könnte die aussehen?
© Justin Sullivan/Getty Images
Kritik an Facebooks Umgang mit der Privatsphäre seiner Nutzer gibt es schon lange. Nun haben sich einige Projekte formiert, die nicht nur kritisieren, sondern handeln wollen. Sie treiben die Entwicklung alternativer sozialer Netzwerke voran. Diese sollen dezentral organisiert sein und vor allem fair und respektvoll mit ihren Mitgliedern umgehen.
Der Bekanntheitsgrad – und somit die Erfolgsaussichten – dieser Initiativen ist vor Kurzem sprunghaft gestiegen, als das angesehene Technik-Magazin Wired das Verhalten von Facebook scharf kritisierte und dazu aufrief, den Monopolisten durch offene und dezentrale Alternativen, wie zum Beispiel "Diaspora", abzulösen.
Der Ansatz, den Projekte wie "Diaspora" verfolgen, gleicht dem der Open Source Software: Jeder Nutzer soll Zugang zu dem Programmcode haben. Änderungen an den Funktionen des Netzwerks werden nach demokratischen Regeln beschlossen. Daten werden nicht zentral durch eine Firma wie Facebook gespeichert und kontrolliert, sondern dezentral auf vielen Rechnern verteilt. Und natürlich soll jeder Nutzer frei entscheiden können, welche Informationen er preisgibt und an wen.
Kann ein solcher Open Source Ansatz wirklich zur ernsthaften Alternative werden? Wie genau müsste sich diese Alternative von Facebook unterscheiden?
- Datum 14.05.2010 - 14:33 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 18
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Das Projekt klingt verlockend. Ich nutze noch keine dieser "Communitys", da ich keine Chance sehe die Datenschutzdiskussion überhaupt vollständig verstehen zu können. Ich verstehe nur soviel: Es gibt im Internet keinen verbrieften Schutz der persönlichen Daten. Insofern verhalte ich mich wie in einem face-to-face Kontakt, wo die Entscheidung über den Informationsaustausch über das Wahrnehmen von Vertrauen geht. Nehme ich mal Schirrmacher "Payback" und das Programm der Piratenpartei als zwei symbolische Pole, so kann ich grundsätzlich nicht glauben, dass in einem technisch immer ungeschützten Informationskanal eine Art Intimität des "Geheimnisses" möglich wäre. Das war es übrigens in der Geschichte der Menschheit auch nie - von Cäsar über Fucault bis Mielke nicht! Nein, wirkliche "Gegenbewegungen" gegen Datenmissbrauch (Spionage) waren auch in der Vergangenheit stets ausschließlich über kluge und auf die Fähigkeit des Wahrnehmens von Vertrauen gegründete "first-life-Kontakte". Also raus aus dem second-life und hin zur Begegnung im öffentlichen Raum. 8Abgesehen davon ob der Name "Diaspora" so apetitlich ist?
Wenn es Ihr Tippfehler ist, klingt es etwas freudianisch...
Richtig, es muss natürlich "Diaspora" heißen. Ich habe es gerade korrigiert.
Lieber berg10, Ihr Kommentar greift die für mich spannende Frage auf, ob und wie in virtuellen Räumen Vertrauen etabliert werden kann. Warum sollte die "Fähigkeit des Wahrnehmens" von Vertrauen nicht auch online funktionieren?
Die derzeitige Diskussion dreht sich außerdem eher darum, ob wir Facebook noch als Architekt und Betreiber der virtuellen Öffentlichkeit vertrauen. Projekte wie "Diaspora" versuchen das Vertrauen der Internetnutzer zu gewinnen, indem sie sie direkt an der Konstruktion des Netzwerks und seinen Regeln beteiligen. Vielleicht ist das der Neuanfang in der Debatte um Privatsspähre und Datenschutz, der derzeit dringend nötig erscheint.
Richtig, es muss natürlich "Diaspora" heißen. Ich habe es gerade korrigiert.
Lieber berg10, Ihr Kommentar greift die für mich spannende Frage auf, ob und wie in virtuellen Räumen Vertrauen etabliert werden kann. Warum sollte die "Fähigkeit des Wahrnehmens" von Vertrauen nicht auch online funktionieren?
Die derzeitige Diskussion dreht sich außerdem eher darum, ob wir Facebook noch als Architekt und Betreiber der virtuellen Öffentlichkeit vertrauen. Projekte wie "Diaspora" versuchen das Vertrauen der Internetnutzer zu gewinnen, indem sie sie direkt an der Konstruktion des Netzwerks und seinen Regeln beteiligen. Vielleicht ist das der Neuanfang in der Debatte um Privatsspähre und Datenschutz, der derzeit dringend nötig erscheint.
Richtig, es muss natürlich "Diaspora" heißen. Ich habe es gerade korrigiert.
Lieber berg10, Ihr Kommentar greift die für mich spannende Frage auf, ob und wie in virtuellen Räumen Vertrauen etabliert werden kann. Warum sollte die "Fähigkeit des Wahrnehmens" von Vertrauen nicht auch online funktionieren?
Die derzeitige Diskussion dreht sich außerdem eher darum, ob wir Facebook noch als Architekt und Betreiber der virtuellen Öffentlichkeit vertrauen. Projekte wie "Diaspora" versuchen das Vertrauen der Internetnutzer zu gewinnen, indem sie sie direkt an der Konstruktion des Netzwerks und seinen Regeln beteiligen. Vielleicht ist das der Neuanfang in der Debatte um Privatsspähre und Datenschutz, der derzeit dringend nötig erscheint.
Entweder die Teilnehmer offenbaren ihre Identität an irgendeiner Stelle (Dann wird irgendwann eine Möglichkeit gefunden werden, an diese Daten heran zu kommen.) oder sie bleiben anonym und man muss mit kriminellen Machenschaften rechnen.
Das eigentliche Problem sitzt an der Tastatur :
Jeder schafft sich sein eigenes, kleines und überschaubares Dorf aus Lesezeichen; und fast alle vergessen allzu leicht das wirklich jeder Kriminelle und jeder geistesgestörte Fanatiker dieser Erde dort vorbei kommen kann.
Eltern die um ihre Kinder im Strassenverkehr fürchten, haben offensichtlich kaum ein Problem damit ihre Sprösslinge online ansprechbar zu machen: "Der sitzt doch nur am Computer, was kann da schon passieren..."
Kein Mensch würde sein Kind mit einem Päderasten telefonieren lassen, aber mit einem zu chatten scheint OK zu sein.
Niemand begreift, das sehr viel passieren kann, wenn der Nachwuchs vielleicht 15 Jahre später als Manager mit irgendwelchen Elaboraten aus seiner Kindheit konfrontiert wird.
Das Internet ist dem Wesen nach ein offenes Medium, und man darf einem offenen Medium keine intimen Informationen anvertrauen. Jeder der suggeriert, das so etwas möglich sei, handelt unverantwortlich.
Ich glaube, dies hängt auch viel mit der persönlichen Erfahrung zusammen. Ich selber vertraue dem Netz, weil ich viele gute Erfahrungen damit gemacht habe und z.B. auch viele Leute im Netz kennengelernt habe, mit denen ich mich später auch offline getroffen habe.
Natürlich vertraue ich dem Netz nicht unbegrenzt, aber schon in einigen Fällen.
Aber wie soll man das Netz beurteilen, wenn man diese Erfahrung nie gemacht hat?
Entweder die Teilnehmer offenbaren ihre Identität an irgendeiner Stelle (Dann wird irgendwann eine Möglichkeit gefunden werden, an diese Daten heran zu kommen.) oder sie bleiben anonym und man muss mit kriminellen Machenschaften rechnen.
Das eigentliche Problem sitzt an der Tastatur :
Jeder schafft sich sein eigenes, kleines und überschaubares Dorf aus Lesezeichen; und fast alle vergessen allzu leicht das wirklich jeder Kriminelle und jeder geistesgestörte Fanatiker dieser Erde dort vorbei kommen kann.
Eltern die um ihre Kinder im Strassenverkehr fürchten, haben offensichtlich kaum ein Problem damit ihre Sprösslinge online ansprechbar zu machen: "Der sitzt doch nur am Computer, was kann da schon passieren..."
Kein Mensch würde sein Kind mit einem Päderasten telefonieren lassen, aber mit einem zu chatten scheint OK zu sein.
Niemand begreift, das sehr viel passieren kann, wenn der Nachwuchs vielleicht 15 Jahre später als Manager mit irgendwelchen Elaboraten aus seiner Kindheit konfrontiert wird.
Das Internet ist dem Wesen nach ein offenes Medium, und man darf einem offenen Medium keine intimen Informationen anvertrauen. Jeder der suggeriert, das so etwas möglich sei, handelt unverantwortlich.
Ich glaube, dies hängt auch viel mit der persönlichen Erfahrung zusammen. Ich selber vertraue dem Netz, weil ich viele gute Erfahrungen damit gemacht habe und z.B. auch viele Leute im Netz kennengelernt habe, mit denen ich mich später auch offline getroffen habe.
Natürlich vertraue ich dem Netz nicht unbegrenzt, aber schon in einigen Fällen.
Aber wie soll man das Netz beurteilen, wenn man diese Erfahrung nie gemacht hat?
Alle bisherigen "Social Networks" sind längst B2C-Netzwerke. Und die basieren auf der finanziellen Unterstützung durch Unternehmen, siehe Banner-Werbung oder auch Unternehmensforen, wie es sie in zunehmendem Maße in diesen Netzwerken gibt.
Selbst Anbieter wie "XING" kommen längst nicht mehr ohne Unternehmenskooperationen aus, trotz ihrer Mitgliedsbeiträge.
"E-democracy" ist jedoch keine Einbahnstraße, so wie es auch die Politik nicht ist...
Wer glaubt, mit den "Lobbyisten" von Unternehmen, denn genau dies sind alle "Social Networks", die wir bisher kennen, auf einem vertraulichen Level interagieren zu können, der ist im Grunde so naiv wie jemand, der annimmt, dass unsere Politiker nur seine Interessen und nicht die der Wirtschaft vertreten.
Nur wer begreift, dass er seine Sphäre nur mit freiheitlich denkenden Mitmenschen teilen sollte, die seine Daten nicht an Dritte verscherbeln, kann auch frei bleiben. Die einzige Lösung kann daher nur P2P (Peer-to-peer) lauten. "Safebook" scheint da ein vielversprechender Ansatz zu sein. OpenSource ist nicht der Weisheit letzter Schluss...
aber ich hatte mich für Video-Chat interessiert. Habe es dann sein gelassen weil auch dort Daten gesammelt werden.
Ich bin für eine massenhafte Ausstiegswelle und das schöne an Facebook ist, dass man seinen Freunden, diese Veränderung nahe legen kann mit zu kommen. So müsste Diaspora auf dem Prinzip der Einladungen beruhen (ähnlich wie es bei Spielen wie MyBrute getan wird) Der Wechsel sollte also schnell und sehr einfach vonstatten gehen. Diaspora sollte auch nicht mit sinnlosen Belästigung durch Werbung, wie es nunmal Facebook oder StudiVz etc tun, sondern intelligenter, in dem die Werbemacher sich besser in das Netzwerk einbinden, so sollen eine Chance haben mitzugestalten. Zum Beispiel könnte man es so machen, dass neben dem klassischen Layout der Diaspora-Seite auch Designs von Unternehmen verwenden. Man gestaltet sich selber, welche Werbung man sehen will bzw. mitbekommen will. Die Werbemacher können so erkennen, wie sich das Interesse verändert. Ob Kampagnen zu einer Verbesserung oder Verschlechterung des Interesses führen. Je nach Größe des jeweiligen Templates muss für die Werbekosten gezahlt werden. Wenn ich dann die Seite eines Freundes sehe, erreicht mich die Werbung, aber ich sehe auch seine Interessen und wenn diese mich Ansprechen, könnte es sein, dass ich diese übernehme und Werbung weitertrage. Ich will nicht dass irgendwer denkt, er würde mich kennen und mir die passende Werbung zu spielen, sondern ich will selber gestalten, da sich mein Geschmack verändert. So könnte Diaspora finanzierbar sein.
Entweder die Teilnehmer offenbaren ihre Identität an irgendeiner Stelle (Dann wird irgendwann eine Möglichkeit gefunden werden, an diese Daten heran zu kommen.) oder sie bleiben anonym und man muss mit kriminellen Machenschaften rechnen.
Das eigentliche Problem sitzt an der Tastatur :
Jeder schafft sich sein eigenes, kleines und überschaubares Dorf aus Lesezeichen; und fast alle vergessen allzu leicht das wirklich jeder Kriminelle und jeder geistesgestörte Fanatiker dieser Erde dort vorbei kommen kann.
Eltern die um ihre Kinder im Strassenverkehr fürchten, haben offensichtlich kaum ein Problem damit ihre Sprösslinge online ansprechbar zu machen: "Der sitzt doch nur am Computer, was kann da schon passieren..."
Kein Mensch würde sein Kind mit einem Päderasten telefonieren lassen, aber mit einem zu chatten scheint OK zu sein.
Niemand begreift, das sehr viel passieren kann, wenn der Nachwuchs vielleicht 15 Jahre später als Manager mit irgendwelchen Elaboraten aus seiner Kindheit konfrontiert wird.
Das Internet ist dem Wesen nach ein offenes Medium, und man darf einem offenen Medium keine intimen Informationen anvertrauen. Jeder der suggeriert, das so etwas möglich sei, handelt unverantwortlich.
Evt. interessant: Dieser visuelle Überblick der New York Times über die verwirrende Zahl möglicher Privacy-Einstellungen bei Facebook: http://nyti.ms/bbnwTp
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