Netz-Visionen Fortschritt durch Kritik

Der niederländische Medienwissenschaftler Geert Lovink versteht sich als Kritiker des Internets. Nicht, weil er es ablehnt, sondern weil er es fortentwickeln will.

Net critique heißt das Blog des niederländischen Medienwissenschaftlers Geert Lovink , Netzkritik. Und als Kritiker des Netzes versteht er sich. Immerhin, so sagt er, sei die sachliche Kritik eine der größten Kräfte des Fortschritts. Es sei leicht, Google zu loben für seine Leistung, doch ungleich schwerer, das Unternehmen fundiert zu kritisieren.

Lovink leitet das kleine, von ihm 2004 gegründete Institute of Network Cultures und beschäftigt sich dort damit, welche Auswirkungen der Fortschritt auf uns und unsere Gesellschaft hat. Kein Wunder also, dass Google dabei eine Rolle spielt, verändert der Suchmaschinenkonzern doch gerade unsere gesamte Sicht auf die Welt.

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"Algorithmen waren am Anfang sehr wichtig", sagte Lovink in seinem Vortrag auf der Netzkonferenz re:publica im April . "Doch inzwischen sind sie zu einem Fetisch geworden." Wir würden damit abhängig von einer ganz bestimmten Art, Wissen zu organisieren und zu präsentieren, warnte er. Viele verschiedene Wege gebe es, um das Netz zu durchsuchen, Google nutze davon nur einen kleinen Teil.

Und nicht nur die Wissensorganisation beobachtet der Medienwissenschaftler, auch die Wissenssammlung will er "kritisch unterstützen". Wikipedia sei inzwischen die siebtgrößte Website der Welt und die größte Wissensreferenz unserer Zeit . Umso wichtiger sei es, ihre Strukturen kritisch zu hinterfragen. 

Der typische Wikipedianer sei "weiß, männlich, mittelalt und mürrisch". Das kann damit für das gesamte Onlinelexikon gelten, werden doch viele der in der Wikipedia getroffenen Entscheidungen durch die Weltsicht dieser vorherrschenden Spezies geprägt – postkolonial, wie Lovink die dominierende interne Politik auf der re:publica nannte. Das bedeutet nicht, dass er Wikipedia abschaffen will. Vor allem geht es ihm wohl darum, Wikipedianern ihre eigenen Entscheidungen transparenter zu machen, Mechanismen offenzulegen – eben um Fortschritte zu erzielen.

Das mag schwer zu ertragen sein, aber es ist wichtig. Und nicht umsonst beschreibt der Wikipediaeintrag über Lovink den Wissenschaftler als jemanden, der sich bemühe, dabei zu helfen, die Entwicklungen des Internets zu formen. Fortschritt durch Kritik eben.

 
Leser-Kommentare
    • Cuauti
    • 10.05.2010 um 23:20 Uhr

    Wurde in dem Artikel etwas gesagt ?

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    Immerhin wurde auf einen nicht viel beachteten Kritiker hingewiesen der noch keinen Exklusiv Auftritt in der FAZ hatte. Ich finde dies wichtig, ich kannte ihn und seine These auch noch nicht.

    Evtl. wäre ein Interview netter gewesen? Aber ein Interview macht viel mehr Arbeit, daher kann ich diesen „Den hier gibt es auch noch“ Ansatz gut verstehen, auch wenn der Artikel ziemlich unvollständig wirkt.

    Immerhin wurde auf einen nicht viel beachteten Kritiker hingewiesen der noch keinen Exklusiv Auftritt in der FAZ hatte. Ich finde dies wichtig, ich kannte ihn und seine These auch noch nicht.

    Evtl. wäre ein Interview netter gewesen? Aber ein Interview macht viel mehr Arbeit, daher kann ich diesen „Den hier gibt es auch noch“ Ansatz gut verstehen, auch wenn der Artikel ziemlich unvollständig wirkt.

  1. Immerhin wurde auf einen nicht viel beachteten Kritiker hingewiesen der noch keinen Exklusiv Auftritt in der FAZ hatte. Ich finde dies wichtig, ich kannte ihn und seine These auch noch nicht.

    Evtl. wäre ein Interview netter gewesen? Aber ein Interview macht viel mehr Arbeit, daher kann ich diesen „Den hier gibt es auch noch“ Ansatz gut verstehen, auch wenn der Artikel ziemlich unvollständig wirkt.

    • lorris
    • 12.05.2010 um 1:58 Uhr

    Doch, war schon längst exklusiv in der FAZ:
    http://www.faz.net/s/Rub4...

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    Das sich diese hingeworfene These so schnell bestätigen würde, hätte ich nicht gedacht. Danke für den Hinweis und den Link!

    Das sich diese hingeworfene These so schnell bestätigen würde, hätte ich nicht gedacht. Danke für den Hinweis und den Link!

  2. 4. Uupps.

    Das sich diese hingeworfene These so schnell bestätigen würde, hätte ich nicht gedacht. Danke für den Hinweis und den Link!

    Antwort auf "War längst in der FAZ"

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