NRW-Wahl Müder Wahlkampf im Netz

Kurz vor der Wahl in NRW herrscht statt Hype um das Web 2.0 nüchterner Pragmatismus im Online-Wahlkampf. Dabei setzten zum ersten Mal Blogger wichtige Themen.

Jürgen Rüttgers macht Wahlkampf auf seiner Homepage und in sozialen Netzwerken

Jürgen Rüttgers macht Wahlkampf auf seiner Homepage und in sozialen Netzwerken

Online-Wahlkampf ist für die meisten Parteien inzwischen so obligatorisch wie Plakatwände und Kugelschreiber. Ob aus Überzeugung oder aus Pflichtgefühl: Alle haben nicht nur Webseiten, sie sind auch auf Twitter, Facebook, YouTube und Flickr aktiv und betreiben Blogs. Doch auch kurz vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen will der Wahlkampf im Netz noch immer nicht so recht zünden. Statt des Hypes um das Web 2.0, der nach dem Sieg von Barack Obama 2008 wie ein Virus Politiker und Wahlkampfstrategen im ganzen Land erwischte, beherrscht inzwischen pragmatische Nüchternheit die Netzaktivitäten der Parteien. 

Auf den ersten Blick fällt die Katerstimmung im NRW-Online-Wahlkampf allerdings kaum auf. Die Parteien haben sich offenkundig Mühe gegeben, an möglichst vielen Stellen im Internet präsent zu sein. Dabei setzen sie auch auf soziale Netzwerke. Vor allem Facebook hat in den Netz-Strategien an Bedeutung gewonnen. Das passt zum Konzept der beiden großen Parteien, den Wahlkampf auf die Spitzenkandidaten, den amtierenden Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) und seine Rivalin Hannelore Kraft (SPD), zuzuschneiden. Ihre Profile haben auf Facebook deutlich mehr Anhänger als die ihrer Landesverbände. Nur sollte niemand der Illusion erliegen, hier schrieben die Spitzenpolitiker tatsächlich selbst.

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Zwar kann man dem Facebook-Profil von Jürgen Rüttgers (rund 3800 Anhänger) entnehmen, dass er die Pet Shop Boys mag, Lawrence von Arabien zu seinen Lieblingsfilmen gehört, er mit Angelika verheiratet und von Beruf Ministerpräsident ist. Doch die meisten Inhalte seiner Facebook-Pinnwand finden sich auch in vielen anderen Netz-Angeboten der NRW-CDU wieder. Auf dem Profil von Hannelore Kraft (rund 3000 Anhänger) sieht es nicht wesentlich anders aus: "Lerne Hannelore Kraft persönlich kennen!", schreibt "Hannelore Kraft" am 26. April an ihre Pinnwand. Das wirkt seltsam entrückt.

Nach wie vor setzen die großen Parteien auch auf klassische Webseiten. So hat die CDU ein Unterstützerportal eingerichtet. Hier erzählen prominente CDU-Politiker vor der Kamera, warum Jürgen Rüttgers Ministerpräsident bleiben sollte. Die Abrufzahlen der YouTube-Videos müssen für die Partei ernüchternd sein, sie liegen gerade einmal im dreistelligen Bereich. Auch die Bürgergespräche mit Jürgen Rüttgers kommen auf dem YouTube-Channel der Landes-CDU kaum an die Grenze von 1000 Abrufen heran. Wer selbst eine Frage an den Ministerpräsidenten hat, wird zudem enttäuscht. Man kann lediglich zusehen, wie Jürgen Rüttgers die Fragen anderer beantwortet. Statt den Dialog über das Netz zu suchen, senden die großen Parteien ihre Botschaften lieber in das Netz.

Die SPD hat sich ein eigenes YouTube-Format für ihren Wahlkampf ausgedacht. Aber auch das läuft fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Kraftvoll, das Webrestaurant ist ein Plauderprogramm, bei dem Landtagskandidaten beim Essen mit einem aufgedrehten Moderator über Politik reden. Wesentlich erfolgreicher war ein YouTube-Video der SPD aus dem vergangenen August. Es zeigt, wie sich Jürgen Rüttgers bei einer Wahlkampfrede über die Arbeitsmoral von Rumänen auslässt. Die sechsstellige Abrufzahl des provokanten Videos blieb unerreicht.

Leser-Kommentare
  1. Ein müder Quahlkampf bedeutet übersäuerte Politschwätzer erklären dir obwohl du nicht studiert, was Demokratie sein soll! Während du zuhörst fällt dir ein, dass du heute morgen das Zähneputzen vergessen hast! Wenn du 50 oder 60 Jahre auf der Welt bist, hast du das Dummgelabere fast aller Politgrößen angehört und Glück, wenn es dein Persönlichkeitsprofil nicht zerstört!

  2. Die Webseiten der Parteien präsentieren doch nur geschönte Meinung - ohne Disput. Die Blogs dagegen veröffentlichen Skandale am Verlegerkartell vorbei! Das ist der Unterschied.

  3. HEUTE und FRÜHER - wie TAG und NACHT

    na ja...
    so wie früher ...
    als es noch kein so umfangreiches fs gab...
    da rannte man hin..... zu den lügnern und betrügern..
    war besser jedenfalls als fußball..
    heute
    weiß man...... dass
    große und reiche menschen- vermögen - presseorgane
    letztlich die entscheidenden dummen 10 o/o ködern..
    und
    wer das eingesehen hat...
    geht zur tagesordnung über
    resignation ???? ja .... leider

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