TwitterWas Twitter erfolgreich macht

Wichtige Informationen werden in dem Dienst immer weiter getragen, sie setzen sich durch und werden ein "Mem" – eine Art natürliche Auslese für Nachrichten. von Stephan Dörner

Twitter-Mitgründer Biz Stone - im Hintergrund die Kurve des Nutzerwachstums. Inzwischen haben sich mehr als 100 Millionen Menschen bei dem Dienst registriert

Twitter-Mitgründer Biz Stone - im Hintergrund die Kurve des Nutzerwachstums. Inzwischen haben sich mehr als 100 Millionen Menschen bei dem Dienst registriert  |  © Justin Sullivan/Getty Images

Wer Twitter nicht aktiv benutzt, für den ist das Phänomen schwer zu fassen: Was soll so faszinierend daran sein, 140 Zeichen kurze Nachrichten darüber zu lesen, was andere gerade tun? Forscher aus Südkorea haben sich Twitter nun wissenschaftlich angenommen –und räumen dabei mit weit verbreiteten Mythen über das Medium auf.

Der Hype um Twitter bleibt für viele ein Mysterium. Nicht wenige melden sich bei dem Kurnachrichtendienst an, schreiben ein paar Nachrichten, abonnieren die Nachrichten von einigen anderen Benutzern – und hören schnell wieder auf. Nach einer Studie des IT-Dienstleisters Barracuda Networks twittert nur jeder fünfte angemeldete Benutzer dauerhaft aktiv – viele Nutzer schreiben nicht einmal zehn Nachrichten nach der Anmeldung, verlieren also schnell das Interesse.

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Bei anderen schlägt das Unverständnis über das Twitter-Phänomen in Feindseligkeit um: In der Zeit forderte ein Autor schon " Schluss mit dem Geschnatter " und bezeichnete den Dienst als "Klowand des Internets". Der ehemalige New-York-Times -Kolumnist David Bouchier nannte Twitter das Medium der sprachlich verarmten. Kulturpessimisten sind sich einig: Die Kurznachrichten sind Ausdruck einer SMS-artig verkürzten Jugendsprache und Twitter ist ein Hort der Belanglosigkeiten.

Vernetztes Geschnatter

Twitter bietet nicht viel Platz, 140 Zeichen lang sind die Nachrichten dort nur und bis zu dem gleich folgenden Punkt sind es schon 136. Trotzdem ist Twitter sehr viel mehr als nur eine Plattform zum Versenden von kurzen Informationen. Das Geheimnis ist die Vernetzung.

Wer sich nicht mit den "Feeds" von Freunden, Kollegen, Bekannten, Stars, Nachrichtenportalen, Firmen verbindet, ihnen folgt, für den ist der Dienst lediglich ein endloser Strom wirren Geschnatters. Schwer zu durchschauen, praktisch nicht zu gebrauchen. Doch wer sich vernetzt, für den bekommt Twitter Bedeutung: für den einen wird es damit Marketinginstrument, für den zweiten der Ort, an dem er erfahren kann, was seine Freunde bewegt, für den dritten Recherchewerkzeug, für den vierten Zeitung.

Suchwerkzeuge

Um den Dienst zu nutzen, braucht es nicht zwingend einen Account, man kann bei Twitter auch nur lauschen, lesen, zuhören. Die Suche ist dabei das wichtigste Instrument. Im Gegensatz zu Google werden neue Ergebnisse zu Ihrem Stichwort in Echtzeit hinzugefügt, sodass sich ein Strom von Neuigkeiten zu Ihrem Thema ergibt.

Und es gibt Werkzeuge, dank derer sich noch viel mehr erfahren lässt. Beispielsweise What the Trend. Die Seite zeigt, was gerade am häufigsten via Twitter diskutiert wird – und erklärt dabei auch gleich die dazugehörenden kryptischen Begriffe. Denn die sogenannten Hashtags, symbolisiert mit dem Rautezeichen #, sind so etwas wie die Verschlagwortung des Twitteruniversums und oft nicht leicht zu verstehen. Unter #cebit, um ein sich selbst erklärendes Beispiel zu nehmen, finden sich tausende Tweets zu der Computermesse. Fügen Sie in der Suche weitere Hashtags hinzu, lässt sich dieser Strom beliebig verfeinern.

Feinde und Enttäuschte von Twitter könnten eines gemeinsam haben: Dass sie den eigentlichen Nutzen des Kurznachrichtendienstes nicht verstanden haben. Denn Twitter wird keineswegs überwiegend als soziales Netzwerk genutzt, um Freunden mitzuteilen, wie und wann man sich gerade die Zähne putzt oder einkaufen geht. Vielmehr handelt es sich in erster Linie um ein Medium zur Verbreitung von Nachrichten, wie die Informatiker Haewoon Kwak, Changhyun Lee, Hosung Park und Sue Moon von der südkoreanischen Kaist-Universität in einer aktuellen Studie feststellen . Dazu haben sie 41,7 Millionen Twitter-User, 1,47 Milliarden Beziehungen und 106 Millionen Kurznachrichten auf dem Portal wissenschaftlich ausgewertet.

Als den entscheidenden Schlüssel zum Verständnis der Twitter-Kommunikation machen die Forscher dabei die sogenannten Retweets aus. Schon früh hat sich unter Twitter-Usern der Brauch etabliert, die Nachrichten anderer weiter zu tragen. Dazu wird die entsprechende Nachricht eines anderen Users durch ein vorangestelltes "RT @Benutzername" wiederholt, wobei RT für Retweeting steht. Inzwischen hat Twitter diese Funktion auch fest in seinen Dienst eingebaut.

Leserkommentare
  1. dass man nach einer Filterung über xxxx Knoten bei Twitter auch sinvolle Nachrichten erhält. Aber wenn Information erst die Filterung durch yyyy Personenköpfe erfolgt, ist das reichlich viel verschwendete Denkkapazität. Ich vertrolle die lieber bei ZEITonline...

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    • t_t_h
    • 20. Mai 2010 22:38 Uhr

    Die informationen auf Zeit-Online, wie auch auf jeder anderen redaktioniellen Seite sind:

    a) Vorgefiltert durch die Köpfe der Redaktion
    b) Gefiltert durch Ihren Kopf, da Sie natürlich nur unter den Artikeln trollen, die Sie gelesen haben.

    Macht also keinen Großen Unterschied zu Twitter. Nur dass man es sich dort eben selbst aussuchen kann, wer einem die Informationen vorfiltert.

    • t_t_h
    • 20. Mai 2010 22:38 Uhr

    Die informationen auf Zeit-Online, wie auch auf jeder anderen redaktioniellen Seite sind:

    a) Vorgefiltert durch die Köpfe der Redaktion
    b) Gefiltert durch Ihren Kopf, da Sie natürlich nur unter den Artikeln trollen, die Sie gelesen haben.

    Macht also keinen Großen Unterschied zu Twitter. Nur dass man es sich dort eben selbst aussuchen kann, wer einem die Informationen vorfiltert.

    Antwort auf "Mag sein,"

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