Stephen Conroy ist der australische Minister für Breitband, Kommunikation und Digitalwirtschaft © Torsten Blackwood/afp/Getty Images

Australische Internetnutzer können womöglich bald nicht mehr jede Seite sehen, auf der sie gerne herumsurfen möchten. Ihre Regierung bastelt an einem Netzfilter, der unliebsame Inhalte im Vorhinein aussortiert. Darüber schreibt derzeit unter anderem das amerikanische Time -Magazin . Und zieht einen bösen Vergleich: Die Australier wären damit das erste, demokratisch regierte Land, das von einer Zensur betroffen wäre, die sonst nur die Einwohner autoritär regierter Staaten wie Nordkorea, China oder Iran kennen.

Ausgedacht hat sich den Filter Stephen Conroy. So heißt der australische Minister, der speziell für Breitband, Kommunikation und Digitalwirtschaft zuständig ist. Im Jahr 2008 hatte Conroy seinen 106 Millionen Dollar schweren "Cybersafety Plan" das erste Mal angekündigt. Demnach sollen Seiten, die Bilder von Kindesmissbrauch, Bestialität, sexueller Gewalt, detaillierten Anleitungen zu Straftaten, Gewalt, Drogenmissbrauch oder zu terroristischen Anschlägen enthalten, künftig von der australischen Regierung herausgefiltert werden.

Über diese nach Angaben von Conroy etwas mehr als 100.000 Webseiten soll die Australische Kommunikations- und Medien Behörde (ACMA) wachen. Natürlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Als im vergangenen Jahr Wikileaks dennoch einen Ausschnitt aus der geheimen Liste veröffentlichte, sorgte dieser "Leak" (also der Geheimnisverrat im Internet ) für einige Aufregung. Denn es fanden sich unter den zu sperrenden Netzadressen unter anderem die Webseite eines Zahnarztes aus Queensland, eine Haustier-Betreuung und die Homepage eines Beraters für Schul-Kantinen.

Das australische Innenministerium reagierte prompt. Und leitete Ermittlungen gegen die potentiellen Geheimnisverräter ein. Wikileaks-Gründer Julian Assange selbst bekam vor Kurzem Schwierigkeiten, als er in sein Heimatland Australien einreisen wollte. Man nahm ihm sogar vorübergehend den Pass ab.