Suchmaschine Den Maschinen die Welt erklären

Bald werden Suchmaschinen verstehen, was wir meinen und nicht nur, was wir eintippen, sagt Stefan Weitz von Microsoft. Aus der Serie Netzvisionäre

Suchmaschinen sind nützlich, aber dumm. Wer von einer Suchmaschine sinnvolle Antworten will, muss denken wie sie und seine Frage in Schlagworten und feststehenden Phrasen formulieren. Zwar gibt es die amerikanische Suche Ask.com , die sich müht, korrekt formulierte Fragen zu begreifen. Sie ist damit auch leidlich erfolgreich und liegt zumindest in den USA auf Platz vier. Doch allzu treffsicher ist auch sie nicht. Wolfram Alpha , ebenfalls ein Projekt, das semantische Elemente einbezieht, kann nur auf ganz bestimmten Gebieten Ergebnisse liefern, Mathematik beispielsweise.

Viel zu viele Möglichkeiten bieten unsere Sprachen, um ein Thema auf Hunderte verschiedene Arten zu erfragen. Mit anderen Worten: Trotz des Erfolges von Google sind Suchmaschinen, wie wir sie kennen, Krücken – eher hilflose Versuche, Zugang zu menschlichem Wissen zu erlangen.

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Stefan Weitz ist bei Microsoft zuständig für Bing und verantwortet als "Director Search" die Entwicklung der Microsoft-Suche. Er glaubt, dass sich die Algorithmen in den kommenden Jahren stark verändern werden, ja dass sie es geradezu müssen: "Nur 42 Prozent der Befragten sagen, sie erwarten Antworten zu finden, wenn sie eine Suchmaschine nutzen", sagt Weitz. Im Gegenzug gingen 58 Prozent davon aus, bei einer Suche enttäuscht zu werden. Die Hälfte der Nutzer also glaube von vornherein, dass sie nicht finden werden, was sie interessiere. "Gleichzeitig geben aber mehr als 70 Prozent an, sie seien mit der Suche generell zufrieden. Da stimmt doch irgendetwas nicht!"

Für Weitz ist klar, was nicht stimmt: die Qualität der Suchmaschinen. Derzeit müsse der Nutzer noch viel zu viel selbst machen, wenn er Antworten wolle. Zum Beispiel angeben, wo gesucht werden soll. Er müsse entscheiden, dass eine historische Information vielleicht am besten bei Wikipedia zu finden sei und eine nach dem Weg am besten bei den Kartendiensten. Spracheingabe sei gleich gar nicht möglich.

Das werde sich in den kommenden Jahren ändern, ist Weitz überzeugt. Die Suchmaschine Bing arbeitet beispielsweise an einem System, das versucht, Informationen grafisch aufzubereiten und so einen neuen Zugang zu ihnen zu bieten. Auch mit Semantik experimentieren eigentlich alle Anbieter, mit dem Versuch also, nicht nur die einzelnen Worte sondern auch die Beziehungen zwischen ihnen und die daraus erwachsenden Bedeutungen zu erfassen.

Es geht dabei um verborgene Muster. Maschinen wissen nicht, dass ein Wort je nach Zusammenhang verschiedene Bedeutungen haben kann. Das zu ändern, sei eine der größten Herausforderungen, sagt Weitz. Man müsse den Computern die Welt erklären, in der sie lebten.

Solche Fertigkeiten aber sind es, die gleichzeitig Ängste vor allwissenden Maschinen schüren. Denn in großen Datenmengen Muster zu finden, bedeutet auch, Zusammenhänge zu erkennen, die den Menschen vielleicht verborgen sind. Graph processing heißt die Technologie.

Leser-Kommentare
  1. Diese Entwicklung zielt darauf ab, dass man einer Suchmaschiene normal sagen kann, was man sucht. Allerdings ist das ja wie beschrieben sehr komplex. Ich denke, die meisten jungen Leute kommen mit der Art wie man google derzeit zu befragen hat klar und werden alt sein, bis die Suchmaschiene längere Fragen besser beantwortet als kurze Stichworte. Ich finde Wolfram|Alpha super und beeindruckend, aber in Bezug auf die versprochene Zukunftsvision ist der Entwicklungsstand lächerlich.
    Warum will man dem Sucher die Arbeit mit aller Kraft abnehmen, wie man die Maschiene verwenden kann?
    Ich würde mir lieber weiterführende Optionen wünschen, wie ich meine Suche beeinflussen kann. Dabei würden auch weniger Daten gesammelt, es wär einfacher und man würde auch nicht nur den kleinsten gemeinsamen Nenner des Mainstream an Meinungen im Internet finden, was wie ich denke auch ein zentrales Problem monopoler Suchmaschienen ist.
    Eben zB wie Wolfram|Alpha, mathematische Suchen waren vorher nahezu sinnlos, jetzt bekomme ich schnelle Übersichten zB zu einer Formel und habe auch Optionen mir die Berechnung einzelner Ergebnisse anzeigen zu lassen. Wobei die eigentliche Option das verwenden dieser Suche und nicht einer anderen, bei bestimmten Fragen, zu verwenden.

  2. Das hat mir gerade noch gefehlt, dass egal welche Suchmaschine statt mir entscheidet, was ich eigentlich suche.

    Was ist so kompliziert daran, mehr als ein Wort in das Suchfeld zu tippen? Aber eben Schlüsselwörter.

  3. in Richtung der künstlichen Intelligenz. Ich finde diese Entwicklung interessant, aber nicht ungewöhnlich. Jeder versucht natürlich sein Produkt zu verbessern und mehr Marktanteile zu bekommen. Das Prinzip mit seinem Computer sprechen zu können ist ja nicht neu. So werden auch Programmiersprachen immer weiter dahin entwickelt, dass man mehr mit dem Computer "sprechen" kann. In meinen Augen läuft das Ganze auf eine Symbiose heraus. Die bereits angesprochene Spracheingabe wird auch nicht mehr lange dauern, wenn man sich mal die Navigation auf dem Nexus One ansieht.
    Ich frage mich nur was zuerst kommt. Werden wir erst mit dem Computer sprechen können oder lernt der Computer vorher unsere Emotionen zu verstehen. Denkbar wäre da eine Gesichtserkennung über eine Webcam. Wenn der User dann unzufriedene Emotionen zeigt lernt der Computer, dass irgendwas nicht stimmt - z.B. die Suchanfrage bringt nicht das gewünscht Ergebnis. Wir müssen bei dieser Entwicklung nur immer überlegen, ob wir nach Vernunft oder nach Verstand handeln. Ich hoffe auf die Vernunft!

    • k2
    • 29.06.2010 um 0:18 Uhr

    "Stefan Weitz, Director, Bing Search "'Fox elegantly explains how search is an essential component of any business' marketing strategy""(Vanessa Fox, Marketing in the Age of Google: Your Online Strategy Is Your Business Strategy, Hoboken 2010, Seite iii).Wenn Sie die Kongressakten des Scandinavian Workshop on Algorithm Theory konsultieren, werden sie feststellen, dass nach 1963 überhaupt keine einzige neue Rechenregel gefunden wurde.

    RE:"Stefan Weitz ist bei Microsoft zuständig für Bing und verantwortet als "Director Search" die Entwicklung der Microsoft-Suche. Er glaubt, dass sich die Algorithmen in den kommenden Jahren stark verändern werden, ja dass sie es geradezu müssen"(loc. cit. supra).

  4. ist mit Stefan Weitz nicht eigentlich Marlon Brando gemeint ? und mit dieser Angabe "Gleichzeitig geben aber mehr als 70 Prozent an, sie seien mit der Suche generell zufrieden. Da stimmt doch irgendetwas nicht!"
    da war doch wohl auch eher was anderes gemeint.

    Ich meine, ich weiß nicht, ist mit Suchfeld auch tatsächlich Suchfeld gemeint ? Ich denke der Computer meint was anderes, der wird das auch ohne Schlüsselwort finden. Wenn er meint.
    Der soll doch erst mal hinschreiben was er eigentlich mit Suchfeld meint. Das kann er seinem Programmierer erzählen, daß Suchfeld gemeint ist wo Suchfeld steht.
    Was glaubt denn der, was wir meinen, wenn wir so was lesen ?
    Was der sich einbildet, das fühlt nicht mal Jürgen Klinsmann, wenn er spürt was eine Mannschaft empfindet die nicht weiß wie sie sich gerade fühlt, wenn Kommentatoren wisssen zu galuben, was sie meinen.

  5. Immer wenn der Computer versucht herauszufinden was man meint, dann geht das schief. Beispiel automatische Korrektur in Microsoft Produkten. Und es nervt!

    Allgemein kann man wohl sagen, dass die Einfachheit, die angeblich mit der höheren Computerintelligenz kommen soll, erkauft wird mit Unschärfe und dem Verlust der Kontrolle durch den Benutzer.

    Das was den Erfolg des Computers ausgemacht hat bisher, die Genauigkeit, Klarheit geht verloren. Es wird versucht etwas menschähnliches daraus zu machen, was natürlich ein Fehler in der Richtung ist. Denn Computer sind Computer und sollten es auch bleiben.

    Ich möchte eine Maschine bedienen und nicht mit einem menschähnlichen Ding auf der Intelligenzstufe eines 2-jährigen sprechen.

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