Data–Mining Firmen sagen Ehescheidungen vorausSeite 2/2

Aber die Grenzen der Datensammlung sind noch längst nicht erreicht. Nach Einschätzung des Mineway-Geschäftsführers lässt sich mit einer Verknüpfung vieler Einzelinformationen sogar eine Scheidung oder Trennung eines Nutzers vorhersagen. Mathias Bauer: "Wenn ich Dinge über das Privatleben herausfinden will, brauche ich noch andere Informationen, dann ist es zum Beispiel wichtig, ob derjenige kürzlich ein Konto bei einer Partnervermittlungsbörse wie Parship eröffnet, oder eine Partnerschaftsanzeige im Internet eingestellt hat." Das sind Informationen, die dann zusammenfließen.

Oder das Beispiel Versandhandel. Hier gibt es längst Vorhersagemodelle, die das Risiko für Zahlungsausfälle aufgrund von demografischen Daten vorhersagen. Besitzt man Informationen über Alter, Wohnort, Beruf und Kinder, vergleicht man diese mit den Daten von Personen, die in einer ähnlichen Situation sind und schaut, wie oft in diesem Personenkreis die Zahlungen ausgefallen sind. Diese Daten stammen oftmals von Datenhändlern, die diese zum Verkauf anbieten.

Georgios Tsantes ist Produktmanager und vertreibt Data-Mining-Produkte der Firma Additive Soft- und Hardware für Technik und Wissenschaft GmbH. Er beschreibt die Vorgehensweise: "Erst mal sammelt man alle Informationen, die man kriegen kann, um dann daraus ein Prognosemodell zu entwickeln. Durch die Verknüpfung mehrerer Datenbanken, wie Wohnort, Konsumverhalten, Postleitzahlen, Verdienst, Alter, Familienstand, kann sich ein umfassendes Gesamtbild ergeben. Je mehr Daten man zur Verfügung hat, desto wahrscheinlicher ist es, dass wir irgendwelche Muster erkennen können." Anschließend würden diese Muster in Prognosemodelle umgewandelt. Damit lasse sich dann das Konsumverhalten voraussagen. Der Grund, warum Firmen so viel Aufwand betreiben, um an die Kundendaten zu kommen, ist je nach Branche unterschiedlich. Georgios Tsantes: "Letztendlich geht es immer darum, gezielt Kosten einzusparen oder effizienter zu arbeiten. Bei Versicherungen oder Kreditfirmen geht es darum, Risiken zu minimieren."

Was also macht eine Kreditkartenfirma mit den Daten ihrer Nutzer? Das Kreditkartenunternehmen Visa dementiert auf Nachfrage, die Kundendaten zu kennen, und verweist stattdessen auf die kooperierenden Mitgliedsbanken, die die Kreditkarten ausgeben. Visa-Sprecherin Britta-Julia Schöning: "Visa Europe ist nicht in der Lage, kundenspezifische Daten zu sammeln und daraus individuelle Prognosen abzuleiten." Nachfrage bei der Deutschen Bank. Christian Hotz, Sprecher für die Region Nordost, verweist auf das persönliche Kundengespräch: "Wir sammeln Informationen, die vom Kunden kommen, zentralisieren sie aber nicht". Auch beim Thema Kreditvergabe steht der Einzelfall im Vordergrund: "Eine zentral zusammengefasste Prognose gibt es nicht, wir müssen bei Krediten zwar gewisse Vorhersagen machen, aber die Möglichkeiten sind begrenzt."

 
Leser-Kommentare
  1. Der Artikel von Maximilian von Demandowsky geht auf den wichtigsten Aspekt nicht ein:
    Wie groß ist überhaupt der Anteil derer, die mit Kreditkarten zahlen gegenüber denjenigen, die ihre Rechnungen weitgehend bar bezahlen?

  2. ... zahle ich nur in Ausnahmefällen mal mit Karte und diesen Payback-Kram hab ich auch längst wieder entsorgt. Geht idR auch schneller an der Kasse, manchmal könnte ich mir die Haare raufen, wenn Mann/Frau vor mir in der Schlange eine Packung Zigaretten und einen Schokoriegel mit Karte erledigt: rausfummeln aus der Tasche, reinstecken, warten, PIN eingeben, warten, evtl. noch Unterschrift leisten oder nochmal probieren, weil das Gerät streikt usw. echt nervtötend. Da ist bar zahlen pure Action :-)

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    ..."rausfummeln aus der Tasche, reinstecken, warten, PIN eingeben, warten, evtl. noch Unterschrift leisten oder nochmal probieren, weil das Gerät streikt usw. echt nervtötend."
    Daher mein Vorschlag für ein neues Geschäftsmodell: Supermarkt mit wenigstens einer Kasse nur für Barzahler.

    ..."rausfummeln aus der Tasche, reinstecken, warten, PIN eingeben, warten, evtl. noch Unterschrift leisten oder nochmal probieren, weil das Gerät streikt usw. echt nervtötend."
    Daher mein Vorschlag für ein neues Geschäftsmodell: Supermarkt mit wenigstens einer Kasse nur für Barzahler.

  3. ..."rausfummeln aus der Tasche, reinstecken, warten, PIN eingeben, warten, evtl. noch Unterschrift leisten oder nochmal probieren, weil das Gerät streikt usw. echt nervtötend."
    Daher mein Vorschlag für ein neues Geschäftsmodell: Supermarkt mit wenigstens einer Kasse nur für Barzahler.

    Antwort auf "Na Gott sei Dank..."
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    Zitat Partylöwe:
    Daher mein Vorschlag für ein neues Geschäftsmodell: Supermarkt mit wenigstens einer Kasse nur für Barzahler.
    Zitatende.

    Das geht nicht, weil damit die Barzahler bevorzugt werden. Damit würden mehr Kunden auf barzahlen umschwenken und die Handelsfirmen hätten weniger zuverlässigere Kundendaten für ihre Profile!

    Nee, nee, schön hinten anstellen und warten!

    Zitat Partylöwe:
    Daher mein Vorschlag für ein neues Geschäftsmodell: Supermarkt mit wenigstens einer Kasse nur für Barzahler.
    Zitatende.

    Das geht nicht, weil damit die Barzahler bevorzugt werden. Damit würden mehr Kunden auf barzahlen umschwenken und die Handelsfirmen hätten weniger zuverlässigere Kundendaten für ihre Profile!

    Nee, nee, schön hinten anstellen und warten!

  4. Was immer diese Firmen an Infos sammeln, es geht auf Kosten der Betroffenen. Falsche Postleitzahl: kein Kredit, falsche Website besucht: keine Kreditkarte, falsche Frau geheiratet: keine Versicherung.

    Daten sollten gar nicht erst anfallen bzw. automatisch gelöscht werden, ein Fall für Hard- und Software-Hersteller....und den Gesetzgeber.

    • Ranjit
    • 09.06.2010 um 14:04 Uhr

    Data-Mining bei Kunden wird in Zukunft noch leichter. Ein Einfallstor könnten RFID Inventur- und Bezahlsysteme in Läden sein. Die Radio Frequency Identification in Form eines Chips auf den Produkten könnte den Ladenbetreibern dabei helfen, Produkte rechtzeitig nachzubestellen und das Sortiment auf die Kundenbedürfnisse dynamischer einzustellen. An der Kasse entfällt das Scannen am Band sondern die Produkte könnten direkt im Wagen ausgelesen werden.
    (Für jene, die den Begriff noch nicht Kennen: RFID-Chips beinhalten Informationen die aus der Distanz abgelesen werden können.)

    In Verbindung mit RF-Identifikation der Kunden könnte so aber der gesamte Einkauf personalisiert werden. Dies wäre z.B. möglich, wenn Kundenkarten und Rabattkarten (z.B. Payback Karten) auch mit RFID ausgestattet werden. Ebenso wird der neue Personalausweis zwingend einen RFID-Chip beinhalten. Zwar ist (zunächst) unwahrscheinlich, dass Firmen das Auslesen zu Data-Mining Zwecken erlaubt wird, aber dies schließt illegales Auslesen bzw. Gesetzesänderungen nicht aus.

    Datenschutz sollte das politische Thema schlecht hin werden. Doch unser Staat wälzt sich lieber in Koalitionskindereien und wenn das Thema angegangen wird, dann eher um Firmen unsere Daten zu sichern als sie vor den Firmen zu sichern.

  5. Zitat Partylöwe:
    Daher mein Vorschlag für ein neues Geschäftsmodell: Supermarkt mit wenigstens einer Kasse nur für Barzahler.
    Zitatende.

    Das geht nicht, weil damit die Barzahler bevorzugt werden. Damit würden mehr Kunden auf barzahlen umschwenken und die Handelsfirmen hätten weniger zuverlässigere Kundendaten für ihre Profile!

    Nee, nee, schön hinten anstellen und warten!

  6. ...und auf diese Weise nicht einzuschätzen ist, bekommt das schlechteste Rating. Strafe muss eben sein.

    Ich frage mich, wo die Leute in USA, die in Obamas gesundheitspolitischen Vorstößen eine satanische Ausgeburt von Etatismus und Obrigkeitsstaat sahen, bei dieser Art von Dingen eigentlich bleiben? Oder hat es sich einfach noch nicht bis Wyoming und Dakota herumgesprochen, dass auch andere Dinge als der Staat die Freiheit zerstören können - in Ermangelung von Transparenz und Partizipation (for what it's worth) sogar viel effektiver?

  7. Es ist keine große Leistung, auf eine mögliche Scheidung zu schließen, wenn ein Ehepartner sich bei einer Partnervermittlung anmeldet. Sicher ist das auch nicht die Regel - und eher selten und somit ist die Überschrift irreführend.
    Allerdings ist das Data Mining ein effektives Werkzeug, um aus dem Verhalten des Käufers auf seine/ihre Vorlieben zu schließen und infolgedessen zielgerichtete Werbung auszuliefern.

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