Ecosia zu googlen gehört sich eigentlich nicht. Ecosia ist selbst eine Suchmaschine. Nach Angaben ihrer Betreiber die "grünste" von allen, weil jede Suche zwei Quadratmeter Regenwald schützt. Wer dennoch Ecosia in Googles Suchzeile eingibt, bekommt "ecosia kritik" und sogar "ecosia betrug" vorgeschlagen. Womit hat Betreiber Christian Kroll das verdient?

Ecosia nutzt die Technik von den Google-Konkurrenten Yahoo und Bing. Die liefern außer Suchergebnissen auch gesponserte Links, also Werbung. Wenn jemand sie anklickt, verdienen Yahoo, Bing und auch Ecosia Geld. Die Ecosia-Einnahmen, versprechen die Betreiber, gehen zu mindestens 80 Prozent an ein Regenwald-Schutzprojekt des World Wide Fund for Nature (WWF).

Ecosia ist gut ein halbes Jahr alt und sprach sich, auch dank der professionellen Pressearbeit des WWF, schnell herum, vor allem in Öko-Kreisen. Die allerdings gucken gern genau hin und ärgerten sich über die Behauptung, dass jede Suche zwei Quadratmeter Regenwald schütze: Erstens, monierten die Kritiker, helfe nicht jede Suche, sondern nur der Klick auf Sponsoren-Links. Und zweitens kauften Ecosia oder der WWF keinen einzigen Quadratmeter Wald; es fließe lediglich Geld in ein bestehendes Projekt.

In der Tat war der Juruena-Apui-Nationalpark, in den der WWF das Geld steckt, vor dem Start von Ecosia dieselben 1,9 Millionen Hektar groß wie heute. Warum behauptet Ecosia also auf der Startseite, bereits gut 100 Millionen Quadratmeter Wald geschützt zu haben? Die Erklärung findet sich in den FAQs: Im Schnitt klickten zwei Prozent der User auf gesponserte Links. Die Einnahmen daraus, auf alle Suchen umgerechnet, betrügen pro Suche im Schnitt 0,13 Cent, von denen rund zehn Cent in das WWF-Projekt flössen.

Mit fünf Euro, sagt der WWF, könne man den Schutz eines Hektars in Juruena-Apui finanzieren – macht pro Ecosia-Suche zwei Quadratmeter Schutz. Die Angabe des Durchschnittswerts solle verhindern, dass wohlmeinende User gezielt auf gesponserte Links klicken, nur um Spenden zu generieren: Solche "unechten Klicks" ärgern Werbetreibende.

Die Masche erinnert an die als "Saufen für den Regenwald" verhöhnten Spots der Brauerei Krombacher, in denen Günther Jauch 2002 versprach, pro Kasten Bier würde ein Quadratmeter Wald geschützt. Weil auch hier der Zusammenhang komplizierter war, klagten Wettbewerbshüter, zunächst erfolgreich. Der Bundesgerichtshof gab Krombacher aber Recht: So lange der Nutzen des Sponsorings in etwa dem entspreche, was die Werbung verheißt, müsse diese nicht genau erklären, wie genau denn nun der Wald geschützt werde.

Um dem Vorwurf zu begegnen, Ecosia wolle unterm grünen Mäntelchen schlicht Geld verdienen, veröffentlicht Ecosia monatliche Bilanzen sowie die Überweisungsdaten der Spende an den WWF. Jana Kroll, Schwester des Betreibers und Ecosia-Pressesprecherin, rechnet für zeit.de am Beispiel April vor, wie sich jene 20 Prozent Einnahmen, die nicht an den WWF gehen, aufteilen: Demnach gönnen sie und Christian Kroll sich nicht einmal je 1000 Euro Gehalt. Andererseits erarbeitet Ecosia sich Marktanteile, deren finanzieller Wert schwer zu beziffern ist.