Klimaschutz : Öko-Suchen schützen das Gewissen mehr als den Wald
Seite 2/2:

 

Mancher User fühlt sich auch veräppelt, weil Kroll gleich drei Suchmaschinen betreibt, eine offenbar grüner als die andere: Forestle, Znout und seit Dezember 2009 Ecosia. Forestle entstand im August 2008 in Kooperation mit Google und The Nature Conservancy als Spendenpartner. Google stieg nach wenigen Tagen aus: Man unterstütze keine gemeinnützigen Projekte, weil diese zu unechten Klicks verführten. "Über Nacht", sagt Jana Kroll, kam deshalb als Ersatz Znout. Die Seite verspricht, den kompletten durch die Google-Suche entstehenden CO2-Ausstoß durch den Kauf von Emissionszertifikaten zu neutralisieren.

Im November 2008 ging Forestle wieder online, jetzt mit Yahoo. Aber der etwas ungelenke, an Google erinnernde Name und die auf Europa beschränkten Verträge mit Yahoo behinderten das angepeilte Wachstum. Deshalb kam Ecosia, mit Bing für die USA sowie dem WWF als Aushängeschild für die Glaubwürdigkeit. Forestle und Znout werden nicht weiterentwickelt, bleiben aber online – schließlich generieren sie Einnahmen.

Jana Kroll räumt "Schwachstellen" ein, weil "Christian Ecosia quasi im Alleingang konzipiert" habe: "Dabei sind ihm Fehler unterlaufen, wie zum Beispiel die Auswahl des Serverhosters." Der arbeitete zwar nach eigenen Angaben mit Ökostrom; Usern stieß jedoch sauer auf, dass er von einer Tochter des Atomkraftwerk-Betreibers EnbW kam. Inzwischen ist Ecosia auf einen Dienstleister umgestiegen, der seinen Saft von Greenpeace Energy bezieht.

Ecosia sei, sagt Jana Kroll, "die grünste Suchmaschine überhaupt". Auch so ein Satz, der Kritiker auf die Palme bringt: Die Suche sei nicht umweltfreundlicher als andere. Das stimmt: Die eigentliche Suche läuft auf den Servern von Yahoo und Bing. In die fließt, soweit bekannt, konventionelle Energie. Grün ist nur die Spende.

Ecosia benutzen, findet ein Blogger, sei "wie wenn man mit einem neun Liter Benzinauto durch die Stadt fährt um Spenden für WWF einzusammeln". Andere sagen, die Spende sei wie ein Heftpflaster auf einem Krebspatienten. Und viele fürchten, Ecosia-User dächten nach der Regenwaldrettung per Mausklick nicht mehr darüber nach, wie ihr Leben wirklich klimafreundlicher werden könnte. "Grün", das steht fest, ist die Ecosia-Suche nur indirekt – aber "ecosia betrug" ist dann doch ein bisschen harsch.
 

Verlagsangebot

Hören Sie DIE ZEIT

Genießen Sie wöchentlich aktuelle ZEIT-Artikel mit ZEIT AUDIO

Hier reinhören

Kommentare

5 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Ecosia ist schlicht und einfach Blödsinn

Wer wissen will was bereits bei Google dafür getan wird den "Carbon Footprint" klein zu halten möge mal auf google.com/corporate/green/datacenters/index.html vorbeischauen.
Ich hab auch mal eine Email bekommen mit der Einladung doch zukünftig Ecosia zu verwenden, statt Google.
Welchen ökologischen Sinn es machen soll ein zweites Rechenzentrum aufzubauen um Suchanfragen doch nur wieder auf Google/Yahoo/Bing weiterzuleiten hat sich mir allerdings nicht erschlossen. Letzten Endes ist dass doch nur wieder mehr Verbrauch, da die Suchanfrage statt über einen nun über zwei Server laufen muss. Dass Ecosia die zweitklassigen Suchmaschinen von Yahoo und Microsoft verwendet ist sowieso ein Ausschlusskriterium.

Was ist das Ergebnis?

Ecosia sammelt Mittel damit Schutzgebiete finanziert werden können. Ohne finanzielle Mittel gibt es oft keine Chance auf Schutzgebiete - da der Wald im Fall von Brasilien in lukrative Sojaplantagen umgewandelt werden kann. Bei denen von ihnen beschriebenen WWF Projekt geht es explizit darum durch Schutzgebiet ein weiteres Vordringen der Sojaplantagen in das Amazonasbecken zu verringern.

Besten Gruß
Jörn
http://www.mydecision.eu/...