Bundespräsidentenwahl Go for Gauck

Im Internet trommeln Tausende für Joachim Gauck. Man kann sie als verirrte Aktivisten abtun, doch das wäre falsch. Das Netz ist die wahre Volkspartei, findet Kai Biermann.

Ein Portrait von Joachim Gauck, gebaut aus den Twitteravataren von Kommentatoren, die für eine Wahl Gaucks sind

Ein Portrait von Joachim Gauck, gebaut aus den Twitteravataren von Kommentatoren, die für eine Wahl Gaucks sind

Bislang hat sich das Internet vor allem um seine eigenen Themen gekümmert, wenn es zur Politik seine Meinung sagte: Überwachung , Zensur , Netzneutralität , solche Dinge. Doch das war nur der Anfang. Das Netz wird unsere Demokratie verändern. Ob sie will oder nicht.

Das Indiz dafür? Zum ersten Mal entsteht im Netz eine Kampagne zu einer klassischen Politik-Personalie, und sie wächst mit der üblichen Netz-Geschwindigkeit – also sehr viel schneller als die bisherigen Verfahren der politischen Meinungsbildung. "Go for Gauck" heißt der Slogan, unter dem dafür geworben wird, dass nicht der von der Regierungskoalition favorisierte Kandidat Bundespräsident wird, sondern der von SPD und Grünen vorgeschlagene Joachim Gauck .

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Es gibt bereits den Twitter-Hashtag #mygauck beziehungsweise #mypresident und die Facebookgruppe " Joachim Gauck als Bundespräsident ", zu lesen sind diverse Einträge bekannter und viel gelesener Blogger, es existieren Umfragen , eine Petition , ein Blog , eine Unterschriftenliste , ein Avatarmosaik und natürlich auch schon ein T-Shirt .

Das Thema ist jedes Mal: Christian Wulff ist eine schlechte Wahl, wir wollen Gauck, er ist der bessere Kandidat. Selbst wenn man annimmt, dass viele der Stimmen auf mehreren dieser Plattformen zugleich auftauchen, und zugesteht, dass es leicht ist, sich im Netz einer Meinung anzuschließen, ist die Zahl der Unterstützer respektabel, läuft die Kampagne doch erst wenige Tage. Der derzeitige Stand: 13.000 Fans auf Facebook, 4800 Unterschriften, 3100 Twitteravatare im Gauck-Mosaik, hunderte zustimmende Tweets .

Das muss die regierenden Politiker nicht beeindrucken. Immerhin leben wir in einer parlamentarischen Demokratie, in der es eben nicht darum geht, die Wünsche einer Mehrheit zu erfüllen, sondern darum, alle gesellschaftlichen Forderungen in Einklang zu bringen. Doch es sollte sie beeindrucken, denn sie erleben damit Prozesse, die ihre Arbeit verändern werden.

Wer seiner Regierung mal so richtig die Meinung sagen wollte, ging dazu früher auf die Straße und hielt ein Schild in die Höhe. Heute geht er zuerst ins Netz und gründet eine Facebookgruppe. Nirgendwo sonst lassen sich so schnell so viele Menschen gleicher Haltung finden und vereinen. Der Politik scheint das durchaus Angst zu machen. Zwar sind E-Partizipation und E-Demokratie auch in der Bundespolitik gern verwendete Schlagworte. Gleichzeitig aber kommen beide in Deutschland nicht so richtig voran .

Leser-Kommentare
  1. Is klar:

    "Eine neue Welle von Antisemitismus verbreitet sich auf Facebook und anderen Netzwerken."
    Aus ZEIT-Online: Judenhass auf Facebook

    Wenn das Internet zur neuen Volkspartei wird, wohin soll man dann noch auswandern ? Hilfe, kann ich nur schreiben !

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    ... ist die Diktatur der Mehrheit. Meinst du die Facebook-Ausrutscher (die übrigens mitnichten die Juden als einziges treffen, wie der ZEIT-Artikel das leider impliziert) stellen die Mehrheit der User im Internet dar? Zumindest meiner Erfahrung entspricht das ganz und gar nicht.

    ... ist die Diktatur der Mehrheit. Meinst du die Facebook-Ausrutscher (die übrigens mitnichten die Juden als einziges treffen, wie der ZEIT-Artikel das leider impliziert) stellen die Mehrheit der User im Internet dar? Zumindest meiner Erfahrung entspricht das ganz und gar nicht.

  2. 2. sososo

    Aber wie soll das denn angehen ? Früher hat man immer gepredigt die Jugendlichen oder besser gesagt die jüngere Generation währe politisch desinteressiert und dadurch hätten wir solch ein verschwommenes Wahlergebnis. Tja, wenn die alten irgendwann mal tot sind dann werden wir ja sehn wie sich das hier entwickelt.

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    ... ist nach wie vor ein Fremdwort für die Parteien. Man muss ihnen wohl schon dankbar sein, dass sie überhaupt Webseiten betreiben. Schaut man sich aber z.B. das lächerliche Userforum auf der CDU-Seite an, dann weiß man sofort: es gibt keinerlei Interesse an ernsthaften Meinungsaustausch. Selbst das ZEIT-Forum ist dagegen ein Musterbeispiel an Benutzerfreundlichkeit und Übersicht. Bei der SPD habe ich noch keines gefunden, beide angebliche Volksparteien haben nämlich keinen Link zu ihren Foren auf der Startseite (oder ich bin irgendwie mit Blindheit geschlagen?)

    Dafür wird man sofort von nervigster Parteiwerbung überrollt, von "Farbe bekennen" bis "Mitglied werden" steht sofort alles auf der Palette: aber nein Danke liebe "Volks"-Parteien, so nicht.

    ... ist nach wie vor ein Fremdwort für die Parteien. Man muss ihnen wohl schon dankbar sein, dass sie überhaupt Webseiten betreiben. Schaut man sich aber z.B. das lächerliche Userforum auf der CDU-Seite an, dann weiß man sofort: es gibt keinerlei Interesse an ernsthaften Meinungsaustausch. Selbst das ZEIT-Forum ist dagegen ein Musterbeispiel an Benutzerfreundlichkeit und Übersicht. Bei der SPD habe ich noch keines gefunden, beide angebliche Volksparteien haben nämlich keinen Link zu ihren Foren auf der Startseite (oder ich bin irgendwie mit Blindheit geschlagen?)

    Dafür wird man sofort von nervigster Parteiwerbung überrollt, von "Farbe bekennen" bis "Mitglied werden" steht sofort alles auf der Palette: aber nein Danke liebe "Volks"-Parteien, so nicht.

  3. könnte man das Netzt auch nennen.

  4. ...bekommt man für einen blöden Spruch
    schnell mal eine Wat´schn.

    Da ist es schon einfacher,
    im Netz deppert daherzuschreiben,
    oder in der Zeit :)

  5. "Zum ersten Mal entsteht im Netz eine Kampagne zu einer klassischen Politik-Personalie, und sie wächst mit der üblichen Netz-Geschwindigkeit – also sehr viel schneller als die bisherigen Verfahren der politischen Meinungsbildung."

    Ja, mit der solchen "Kampagnen" ganz eigenen Partizipationstiefe und Halbwertszeiten.
    Interessanter wäre gewesen, einmal nicht nur der willfährigen "Höher, weiter, schneller"-Zwang Tribut zu zollen, sondern zu überlegen, wodurch denn die Behäbigkeit der "bisherigen Verfahren" begründet wird.
    Nicht nur einfach schnell denken, sondern tief, Herr Biermann.

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    Ich muss Ihnen recht geben. Der große Wurf war dieser Beitrag sicherlich nicht. Müssten Sie jetzt nicht auf der La Paloma sein? Egal.

    Mich erinnerte diese „Kampagne“ irgendwie an Mandalas ausmalen durch Twitter.

    Sieht man es der Sicht der PR-Industrie ist der erste Kontakt gesetzt. Jemand der freiwillig "Ich mag X" schreibt, entdeckt X vermutlich überall wieder und informiert sich dann hoffentlich richtig.

    Die Wikipedia-Einträge und Zeitungs-Artikel (Google News …) zu Herrn Wulf und Herrn Gauck sind ja nicht weiter entfernt als eben auch dieses alberne Ausmal-Bild. Und das ist ja wieder gut – im politischen Sinne von Kai Biermanns etwas naiven Artikel.

    Ich muss Ihnen recht geben. Der große Wurf war dieser Beitrag sicherlich nicht. Müssten Sie jetzt nicht auf der La Paloma sein? Egal.

    Mich erinnerte diese „Kampagne“ irgendwie an Mandalas ausmalen durch Twitter.

    Sieht man es der Sicht der PR-Industrie ist der erste Kontakt gesetzt. Jemand der freiwillig "Ich mag X" schreibt, entdeckt X vermutlich überall wieder und informiert sich dann hoffentlich richtig.

    Die Wikipedia-Einträge und Zeitungs-Artikel (Google News …) zu Herrn Wulf und Herrn Gauck sind ja nicht weiter entfernt als eben auch dieses alberne Ausmal-Bild. Und das ist ja wieder gut – im politischen Sinne von Kai Biermanns etwas naiven Artikel.

  6. Klar, aber auch nur solange, wie die "Vernünftigen" bestimmen dürfen.

    Spätestens wenn man sich die Foren gewisser ISP/Mailanbieter mal zu Gemüte führt, dann dürfte diese Empfindung wohl schon leicht beschädigt sein.

  7. Ich sehe vor allem eine Gefahr in dem Personenhype des Internets. Die objektive Diskussion und Argumentation gerät aus dem Fokus.
    Christian Wulff wird trotz seiner politischen Erfahrung als Kandidat für ein politisches Amt einfach nicht ernsthaft diskutiert.
    Dabei sehe ich auch eine Mitschuld bei den Medien, die sich alle Samt auf Gauck als den besseren Kandidaten eingeschossen haben. Meiner Meinung nach wird Wulff damit eine faire Chance zur Pflichtausübung genommen.
    Der Hype im Internet zeigt vor allem das die einseitige Berichterstattung der Medien ihre Wirkung nicht verfehlt hat!

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    Ich finde, dass die Meinungsmache, der wir hier teilweise ausgesetzt sind ebenso erschreckend. Auf der anderen Seite muss man die so oft und überall geforderte differnzierte Debatte, vielleicht auch nicht nur im Falle Gauck vs Wulff, selbst hinterfragen. Die Wahl hat sehr wohl eine sachlich Aufdröselung gefunden und sehr wohl wurde auch in der Zeit umfassend berichtet und diskutiert. Schauen sie sich ruhig die bisherige Artikel und die Kommentare an, schauen sie auf Sueddeutsche.de oder SpiegelOnline.de. Die Richtung die nunmehr verfolgt wird und Ergebniss dieser Diskussionen und dient dazu die Unentschlossenen mitzuziehen - den Leuten, die keine Meinung dazu haben in die richtige Richtung zu lenken und das ist auch gut so.

    Immer und ewig nach Diskussion zu schreien ist einfach nicht zielführend, denn es gibt immer den Moment wo man auch Flagge bekennen sollte und die Zeit zum handeln ist da - nicht immer nur reden und schwätzen: Einfach dann auch mal Butter bei die Fische und handeln!

    Wulff ist eben mehrheitlich wegdiskutiet und die Mehrheit ist bei Gauck - zu recht! Also bekennen wir Flagge und unterstützen ihn!

    Ein Gewinn für Gauck ist ebenso eine Niederlage für Merkel und genauso Westerwelle - Sein Sieg wird womöglich der Untergang von Schwarz-Gelb!

    • sane
    • 09.06.2010 um 11:13 Uhr

    schilleraner schrieb:
    > Christian Wulff wird trotz seiner politischen Erfahrung als Kandidat für ein politisches Amt einfach nicht ernsthaft diskutiert.

    Christian Wulff wird wegen seiner politischen Erfahrung als Kandidat für ein überparteiliches Amt einfach nicht ernsthaft diskutiert.

    Fix'd.

    Ich finde, dass die Meinungsmache, der wir hier teilweise ausgesetzt sind ebenso erschreckend. Auf der anderen Seite muss man die so oft und überall geforderte differnzierte Debatte, vielleicht auch nicht nur im Falle Gauck vs Wulff, selbst hinterfragen. Die Wahl hat sehr wohl eine sachlich Aufdröselung gefunden und sehr wohl wurde auch in der Zeit umfassend berichtet und diskutiert. Schauen sie sich ruhig die bisherige Artikel und die Kommentare an, schauen sie auf Sueddeutsche.de oder SpiegelOnline.de. Die Richtung die nunmehr verfolgt wird und Ergebniss dieser Diskussionen und dient dazu die Unentschlossenen mitzuziehen - den Leuten, die keine Meinung dazu haben in die richtige Richtung zu lenken und das ist auch gut so.

    Immer und ewig nach Diskussion zu schreien ist einfach nicht zielführend, denn es gibt immer den Moment wo man auch Flagge bekennen sollte und die Zeit zum handeln ist da - nicht immer nur reden und schwätzen: Einfach dann auch mal Butter bei die Fische und handeln!

    Wulff ist eben mehrheitlich wegdiskutiet und die Mehrheit ist bei Gauck - zu recht! Also bekennen wir Flagge und unterstützen ihn!

    Ein Gewinn für Gauck ist ebenso eine Niederlage für Merkel und genauso Westerwelle - Sein Sieg wird womöglich der Untergang von Schwarz-Gelb!

    • sane
    • 09.06.2010 um 11:13 Uhr

    schilleraner schrieb:
    > Christian Wulff wird trotz seiner politischen Erfahrung als Kandidat für ein politisches Amt einfach nicht ernsthaft diskutiert.

    Christian Wulff wird wegen seiner politischen Erfahrung als Kandidat für ein überparteiliches Amt einfach nicht ernsthaft diskutiert.

    Fix'd.

    • keox
    • 08.06.2010 um 20:12 Uhr

    "Immerhin leben wir in einer parlamentarischen Demokratie, in der es eben nicht darum geht, die Wünsche einer Mehrheit zu erfüllen, sondern darum, alle gesellschaftlichen Forderungen in Einklang zu bringen."

    Ich habe Ihren Einsatz gegen staatliche Übergriffe in´s Netz immer sehr geschätzt. Ich hoffe, Sie bleiben dabei.

    Schwierigkeiten habe ich allerdings mit oben dokumentiertem Politikverständnis, das sich nun so gar nicht mit der Realität deckt.

    Mit einem derart naiven Politikverständnis erübrigte sich eine Diskussion der möglicherweise 'neuen außerparlamentarischen Opposition', deren zaghaften Anfänge gerade zu verzeichnen sind.

    PS: Die Pro-Gauck Aktionen zeigen natürlich deutlich die Schwächen einer kritiklosen Kampagnenkultur, dennoch, der Parlamentarismus ist tot.

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    • LJA
    • 08.06.2010 um 22:44 Uhr

    nicht hoffen.

    Parlamentarismus, bzw. Politik als ganzes, ist mehr als nur die Rosinenpickerei, die sich in gerade aktuellen Tagesthemen erschöpft. Sie besteht auch aus so uncoolen Sachen wie Subventionen für die Steinkohleförderung, Maßnahmen für den Küstenschutz, oder Beförderungsmöglichkeiten für Botschaftsbedienstete im Ausland, wenn man die Bundesebene nimmt. Aus der Frage, wie der Denkmalschutz oder die Aufstellung von Flächennutzungsplänen geregelt werden soll, auf Landesebene. Ebenso dazu zählen der Zustand der Abwassersysteme, sowie die Frage, ob die knappen Mittel lieber für die Sanierung von Schulen, Krankenhäusern oder Feuerwachen ausgegeben werden sollen, auf kommunaler Ebene.
    Alle diese Fragen werden viele der Mygauck-Aktivisten vermutlich nicht sonderlich interessieren. Dennoch müssen sie, und viele andere, geklärt und parlamentarisch überwacht werden, wenn Deutschland nicht endgültig zu einer Verwaltungsdiktatur verkommen soll.
    Das dies nicht passiert, ist nicht zuletzt auch den zehntausenden von Abgeordneten in Parlamenten aller Ebenen zu verdanken, die ihre Aufgabe zu einem Großteil ehren- oder nebenamtlich versehen.
    Es stimmt, dass politische Leben ist nicht immer so interessant oder glamourös wie die Wahl eines Bundespräsidenten. Aber naiv ist in diesem Falle lediglich ihr Politikverständnis. Falls unser Parlamentarismus tot wäre, so wäre es auch unsere Demokratie. Sie ist es nicht.

    ... der Parlamentarismus (zumindest der deutscher Prägung) liegt im Todeskampf und das ist auch richtig so, denn er ist so ziemlich alles, nur nicht demokratisch.

    Ich schätze Herr Biermann hat bewußt geschrieben "die Wünsche ... erfüllen", das impliziert nämlich, dass die demokratische Mehrheit nichts weiter will als sich auf Kosten aller anderer bedienen zu lassen. Dem muss ein sehr eingeschränktes und undemokratisches Menschenbild zugrunde liegen.

    Mit der Realität deckt es sich schon gar nicht, wer sich die Politik der letzten Jahrzehnte anschaut, muss depremiert erkennen, dass da überwiegend die Wünsche einer kleinen aber mächtigen Minderheit bedient wurden, das aktuelle Sparprogramm beweist das mal wieder. Und dies im angeblich so überlegenen und ausgleichenden Parlamentarismus. Da wäre das schlichte Bedienen der Mehrheitswünsche vermutlich sogar besser gewesen...

    • LJA
    • 08.06.2010 um 22:44 Uhr

    nicht hoffen.

    Parlamentarismus, bzw. Politik als ganzes, ist mehr als nur die Rosinenpickerei, die sich in gerade aktuellen Tagesthemen erschöpft. Sie besteht auch aus so uncoolen Sachen wie Subventionen für die Steinkohleförderung, Maßnahmen für den Küstenschutz, oder Beförderungsmöglichkeiten für Botschaftsbedienstete im Ausland, wenn man die Bundesebene nimmt. Aus der Frage, wie der Denkmalschutz oder die Aufstellung von Flächennutzungsplänen geregelt werden soll, auf Landesebene. Ebenso dazu zählen der Zustand der Abwassersysteme, sowie die Frage, ob die knappen Mittel lieber für die Sanierung von Schulen, Krankenhäusern oder Feuerwachen ausgegeben werden sollen, auf kommunaler Ebene.
    Alle diese Fragen werden viele der Mygauck-Aktivisten vermutlich nicht sonderlich interessieren. Dennoch müssen sie, und viele andere, geklärt und parlamentarisch überwacht werden, wenn Deutschland nicht endgültig zu einer Verwaltungsdiktatur verkommen soll.
    Das dies nicht passiert, ist nicht zuletzt auch den zehntausenden von Abgeordneten in Parlamenten aller Ebenen zu verdanken, die ihre Aufgabe zu einem Großteil ehren- oder nebenamtlich versehen.
    Es stimmt, dass politische Leben ist nicht immer so interessant oder glamourös wie die Wahl eines Bundespräsidenten. Aber naiv ist in diesem Falle lediglich ihr Politikverständnis. Falls unser Parlamentarismus tot wäre, so wäre es auch unsere Demokratie. Sie ist es nicht.

    ... der Parlamentarismus (zumindest der deutscher Prägung) liegt im Todeskampf und das ist auch richtig so, denn er ist so ziemlich alles, nur nicht demokratisch.

    Ich schätze Herr Biermann hat bewußt geschrieben "die Wünsche ... erfüllen", das impliziert nämlich, dass die demokratische Mehrheit nichts weiter will als sich auf Kosten aller anderer bedienen zu lassen. Dem muss ein sehr eingeschränktes und undemokratisches Menschenbild zugrunde liegen.

    Mit der Realität deckt es sich schon gar nicht, wer sich die Politik der letzten Jahrzehnte anschaut, muss depremiert erkennen, dass da überwiegend die Wünsche einer kleinen aber mächtigen Minderheit bedient wurden, das aktuelle Sparprogramm beweist das mal wieder. Und dies im angeblich so überlegenen und ausgleichenden Parlamentarismus. Da wäre das schlichte Bedienen der Mehrheitswünsche vermutlich sogar besser gewesen...

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