Onlineportal FuturezoneORF soll Qualität sparen, nicht Geld

Verleger sehen den Österreichischen Rundfunk schon lange als Rivalen. Nun muss er Opfer bringen. Es sterben das Onlineportal Futurezone und der Qualitätsanspruch. von 

Auf der Streichliste: ORF-Futurezone (Foto der Webseite)

Auf der Streichliste: ORF-Futurezone  |  © Screenshot/Futurezone ORF/ZEIT ONLINE

Der österreichische Nationalrat will am Donnerstag eine Novelle des sogenannten ORF-Gesetzes ( Überblick hier , Regierungsvorlage hier ) verabschieden. Es gilt als sicher, dass das Parlament sie beschließt. Sie regelt unter anderem neu, was der staatliche österreichische Rundfunk künftig im Internet darf und was nicht.

Ähnliches ist auch in Deutschland bereits geschehen. Der sogenannte 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag hat unter anderem bewirkt, dass ARD und ZDF keine Spiele und ähnliche Dinge auf ihren Onlineseiten mehr anbieten dürfen. Die Öffentlich-Rechtlichen dürfen ihre Filme und Sendungen nur sieben Tage lang im Netz anbieten, ihr Online-Angebot mussten sie drastisch kürzen . Außerdem ist ihnen im Internet untersagt, Werbung zu schalten und Anzeigen zu verkaufen.

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Die Idee in Österreich ist dieselbe, allerdings hat sie etwas andere Auswirkungen. Für Kritik sorgt vor allem, dass im Rahmen der Änderungen die Qualität beschnitten wird und deswegen explizit auch Futurezone sterben soll, eine Nachrichtenseite, die sich mit Netzpolitik, Datenschutz und Bürgerrechten beschäftigt . Sie gilt im deutschsprachigen Raum als Institution und als das im Netz attraktivste und beste Angebot des ORF.

Es geht bei der gesamten Debatte, wie sollte es anders sein, ums Geld. Die Verleger – sowohl in Österreich als auch in Deutschland –, sehen in dem durch Gebühren finanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk eine Konkurrenz. Das war schon immer so, doch das Internet hat aus dem leisen Knurren ein heftiges Bellen gemacht: Wenn die Ressourcen knapp werden, beginnen die Kriege darum.

Allerdings sind auch die Verleger mit dem Gesetz nicht zufrieden. In einem Brief an die Abgeordneten der Nationalversammlung verweisen sie auf die üppige Gebührenausstattung des ORF mit mehr als "einer halben Milliarde Euro pro Jahr". Sie fordern, dem Gesetz nicht zuzustimmen, da es nicht einzusehen sei, dass der Sender noch mehr Gebühren und noch höhere Werbeerlöse einnehmen dürfe.

Das aber ist auch zu einfach. Der ORF muss sich im Gegensatz zur ARD und ZDF fast zur Hälfte aus Werbung finanzieren. Und er macht Verlust, da er schwerfällig und übergewichtig ist. Das aber verdankt er zu großen Teilen einem Problem, das in Österreich noch viel ausgeprägter ist als in Deutschland: Seit seinem Bestehen wird ihm nicht zu Unrecht vorgeworfen, ein Instrument der regierenden Parteien zu sein , mit dessen Hilfe sie ihre Meinung verbreiten. Dieses Mittels – auch als Quelle gut bezahlter Posten, weiße Elefanten genannt – will sich die Politik nicht berauben. Eine Kürzung der Einnahmen kam daher offensichtlich nicht in Frage.

Leserkommentare
  1. der Oeffentlich Rechtlichen Medienanstalten. Der tragische Tod übrigbleibender Demokratischer Strukturen in den Medien... So gewollt und durchgesetzt von den angeblich "freien Medien" die eben so frei nicht sind nur weil jeder Verleger diese konstant widerholt und dies schon seit es private Medien gibt. Aber dann, was wollen di denn auch anderes sagen? das man sich gerne in's tägliche redaktionelle geschäft einmischt? Geht ja wohl nicht weil diese Medien niemand mehr konsultieren würde. Also leben wir alle lieber in einer Illusion der Freiheit wärend wir gleichzeitig die letzten demokratischen Strukturen beerdigen. Die letzten Mitspracherechte die man noch in irgendeiner wenn auch ausgehöhlten Form hatte... Wie ignorant sind auch die privaten Medien wenn diese mit vorliebe möglichst kritische Artikel zu den Oeffentlich Rechtlichen verbreiten um nur die Chancen auf Profite zu erhöhen aber sonst nicht in der Lage sind ausreichend neutral zu informieren und Mitspracherechte gibt es auch keine... Bis auf ein paar Onlinemöglichkeiten mal abgesehen, doch die können noch immer nicht ein Leitmedium ersetzen. Es wäre tatsächlich von Vorteil für die Gesammtgesellschaftliche Entwicklung (nicht nur utner Neoliberalen Renditevorzeichen) wenn die staatlichen Medien hinsichtlich demokratischr Strukturen gestärkt werden und auch die finanzierung durch Gebühren ausgebaut wird. Es braucht eindeutig Alternativen zu den privaten Medien. Dringend und immer wieder.

  2. ORF, ARD, ZDR, BR, arte: Sie alle sind zu gut für ihre private, am Gesellschaftsdurchschnitt orientierte Konkurrenz. Intelligenz, menschliche Qualität und Moral hat in unserer Gesellschaft keinen Platz. Beim Individuum führt sie zur Ausgrenzung, beim Journalisten bestenfalls zum Verbot, schlimmstenfalls ins Gefängnis oder zur Hinrichtung.

    Natürlich muß das nerven wenn der Durchschnitt ständig daran erinnert wird wie durchschnittlich er ist und das Einzelne ganze Teams aufwiegen können. Das erfordert eine Menge Selbstbewusstsein, was dort ja nicht vorhanden sein kann. Selbst dieser Martenstein hat das in seinem Essay über das Bewerbungsgespräch verstanden.

    Man sollte das in der Schule noch deutlicher vermitteln als es ohnehin schon getan wird: Seid nicht zu gut, sondern gebt so vor zu sein wie der Rest. Vielleicht hätte das dem ORF geholfen.

  3. dass die kommerziellen Radios in Deutschland gescheitert sind wegen der bezahlten öff.recht. Konkurrenz. Dass die Radios auch noch klein gehalten werden, weil außer Dradio niemand bundesweit senden darf, ist ein weiterer Unsinn.

    • kmfdm
    • 22. Juni 2010 12:18 Uhr

    fällt mir eine nette analogie ein:
    Mein Ölfeld wird immer leerer also sprenge ich alle anderen Bohrungen die nicht mir gehören...

    Für mich fällt das nicht unter Medienfreiheit, öffentlich Rechtlich oder überhaupr unter Jornalismus sondern dann eher unter Terrorismus.

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