Onlineportal FuturezoneORF soll Qualität sparen, nicht GeldSeite 2/2

Lieber nimmt man Einschränkungen bei der Qualität hin. So ist dem ORF praktisch lokale Berichterstattung verboten (Lokalisierung gilt als eines der wenigen Felder, mit denen sich auf absehbare Zeit im Netz Geld verdienen lässt). Nur auf Ebene der Bundesländer darf der Sender Strukturen unterhalten, doch dürfen die nicht mehr als 80 Beiträge pro Woche und Bundesland absetzen. Außerdem will das Gesetz verankern, dass Berichterstattung "nicht vertiefend" sein dürfe. Grundsätzlich ist im Netz nur noch gestattet, was "sendungsbegleitend" ist, eigenständige Angebote wie Futurezone gehören nicht dazu.

Wie bei deutschen Sendern sollen außerdem Sendungen künftig nur noch sieben Tage lang im Netz verfügbar sein. Das bunte Drumherum wurde ausgeschlossen – etwa Spiele, Kleinanzeigen oder SMS-Dienste. Sogar ein Verbot von Nutzerforen war in der Diskussion. Beschlossen wird nun, dass es sie weiter geben darf, allerdings nur, wenn die Beiträge dort allein von registrierten Nutzern geschrieben werden, die Namen und Adresse hinterlegt haben.

Auch auf soziale Netzwerke dürfen die Netz-Angebote nicht mehr verlinken, was zeigt, wie hilflos die dahinter stehende Strategie ist. Dienste wie Twitter oder Facebook sind längst wesentlich für die Verbreitung von Inhalten. Es ist nachvollziehbar, dass Verleger den ORF davon abklemmen wollen. Das aber wird kaum verhindern, dass andere dann das Verlinken für den ORF übernehmen – Leser eben. Denn das Netz ist wie ein Sieb, wird ein Loch zugehalten, quellen die Beiträge eben aus einem anderen heraus. Nicht die Art der Kanäle bestimmt über die Verbreitung, sondern die Qualität des Inhalts.

Da die Verlage das erkannt haben, versuchen sie dort Kürzungen durchzusetzen. Als Gegenleistung darf der ORF im Netz weiter Anzeigen verkaufen und die Erlöse daraus in den kommenden Jahren sogar leicht steigern. Für die Jahre bis 2013 dürfen die Werbeinnahmen so hoch sein wie drei Prozent der Einnahmen durch Gebühren. Ab 2013 steigt der zugelassene Wert auf vier Prozent, ab 2016 auf fünf Prozent, was einem Zuwachs von mehreren Millionen Euro pro Jahr entspricht.

Fans von Futurezone sprechen deshalb auch von einem "Bauernopfer" , das den Verlegern gebracht worden sei.

Selbst dieses aber ist im Netz unter Umständen nicht leicht zu erbringen. So hat sich bereits eine Facebookgruppe mit 1200 Mitgliedern gegründet , die Futurezone als Genossenschaft weiter betreiben will.

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Leserkommentare
  1. der Oeffentlich Rechtlichen Medienanstalten. Der tragische Tod übrigbleibender Demokratischer Strukturen in den Medien... So gewollt und durchgesetzt von den angeblich "freien Medien" die eben so frei nicht sind nur weil jeder Verleger diese konstant widerholt und dies schon seit es private Medien gibt. Aber dann, was wollen di denn auch anderes sagen? das man sich gerne in's tägliche redaktionelle geschäft einmischt? Geht ja wohl nicht weil diese Medien niemand mehr konsultieren würde. Also leben wir alle lieber in einer Illusion der Freiheit wärend wir gleichzeitig die letzten demokratischen Strukturen beerdigen. Die letzten Mitspracherechte die man noch in irgendeiner wenn auch ausgehöhlten Form hatte... Wie ignorant sind auch die privaten Medien wenn diese mit vorliebe möglichst kritische Artikel zu den Oeffentlich Rechtlichen verbreiten um nur die Chancen auf Profite zu erhöhen aber sonst nicht in der Lage sind ausreichend neutral zu informieren und Mitspracherechte gibt es auch keine... Bis auf ein paar Onlinemöglichkeiten mal abgesehen, doch die können noch immer nicht ein Leitmedium ersetzen. Es wäre tatsächlich von Vorteil für die Gesammtgesellschaftliche Entwicklung (nicht nur utner Neoliberalen Renditevorzeichen) wenn die staatlichen Medien hinsichtlich demokratischr Strukturen gestärkt werden und auch die finanzierung durch Gebühren ausgebaut wird. Es braucht eindeutig Alternativen zu den privaten Medien. Dringend und immer wieder.

  2. ORF, ARD, ZDR, BR, arte: Sie alle sind zu gut für ihre private, am Gesellschaftsdurchschnitt orientierte Konkurrenz. Intelligenz, menschliche Qualität und Moral hat in unserer Gesellschaft keinen Platz. Beim Individuum führt sie zur Ausgrenzung, beim Journalisten bestenfalls zum Verbot, schlimmstenfalls ins Gefängnis oder zur Hinrichtung.

    Natürlich muß das nerven wenn der Durchschnitt ständig daran erinnert wird wie durchschnittlich er ist und das Einzelne ganze Teams aufwiegen können. Das erfordert eine Menge Selbstbewusstsein, was dort ja nicht vorhanden sein kann. Selbst dieser Martenstein hat das in seinem Essay über das Bewerbungsgespräch verstanden.

    Man sollte das in der Schule noch deutlicher vermitteln als es ohnehin schon getan wird: Seid nicht zu gut, sondern gebt so vor zu sein wie der Rest. Vielleicht hätte das dem ORF geholfen.

  3. dass die kommerziellen Radios in Deutschland gescheitert sind wegen der bezahlten öff.recht. Konkurrenz. Dass die Radios auch noch klein gehalten werden, weil außer Dradio niemand bundesweit senden darf, ist ein weiterer Unsinn.

    • kmfdm
    • 22. Juni 2010 12:18 Uhr

    fällt mir eine nette analogie ein:
    Mein Ölfeld wird immer leerer also sprenge ich alle anderen Bohrungen die nicht mir gehören...

    Für mich fällt das nicht unter Medienfreiheit, öffentlich Rechtlich oder überhaupr unter Jornalismus sondern dann eher unter Terrorismus.

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  • Schlagworte ARD | ZDF | Anzeige | Berichterstattung | Datenschutz | Facebook
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