Bundespräsidentenwahl In den sozialen Netzwerken fiebern die Menschen mit

Viele Netzkampagnen haben Gauck gepusht, jetzt machten Blogs und Netzwerke die Wahl zu einem spannenden, sozialen Ereignis. Die Politik kann davon nur profitieren.

"Ich bin von der Idee Hr. Gauck als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten vorzuschlagen begeistert", schreibt der Gründer der Facebook-Seite "Gauck for president". Immerhin 14.606 Leuten gefällt das

"Ich bin von der Idee Hr. Gauck als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten vorzuschlagen begeistert", schreibt der Gründer der Facebook-Seite "Gauck for president". Immerhin 14.606 Leuten gefällt das

Da twittert ein Nutzer namens Ftranschel : " Vorhin dachte ich noch, doof, dass kein WM-Spiel ist. Was soll ich sagen, Politik ist zwischendurch auch ok..."

Bundespräsidentenwahl als Lückenbüßer für die WM-Pause. Man darf das als Kompliment begreifen. Zumal für eine Politik, die gerne mal mit dem Wort Verdrossenheit gekoppelt wird.

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Soziale Netzwerke und Liveblogs tragen nicht unerheblich dazu bei, dass die Bundespräsidentenwahl zu einem spannenden, sozialen Ereignis wurde. Zum einen erzeugen Echtzeit-Medien das Gefühl, besonders dicht am Geschehen zu sein. Und ob unter dem Hashtag #Gauck auf Twitter , oder auf der Facebook-Seite " Gauck for President " – wer immer mag, kann seine Bemerkungen spontan ins Netz absetzen und gespannt lesen, was andere dazu zu sagen haben. Das macht Spaß, ist sozial, kommunikativ und sowieso besser als allein vor dem Fernseher zu sitzen.

Und gesellschaftlich ist die Botschaft: "Politik kann Spaß machen" ohnehin Gold wert.

Wer die Wahl des Bundespräsidenten auf Twitter und Facebook verfolgt, bekommt zudem den Eindruck, dass sich hier eine ganz erstaunliche Bandbreite unterschiedlichster Menschen und Milieus beteiligt. Von den überprofessionellen und manchmal etwas peinlichen Politikertweets , ( EvaHoegl " Wir kennen das Ergebnis noch nicht! #genervt von gerüchten " zum Beispiel) über lateinische Sinnsprüche ("tertium non datur") bis hin zu einem etwas simpler gestrickten " Jonas Jakat : geil 2 wahlgang" variieren hier die Klangfarben. Auch das ein nicht zu unterschätzender, weil sozial verbindender Aspekt der Netzbeteiligung.

Die soziale Bedeutung ist also groß. Das heißt nicht, dass dem Netz deshalb schon politische Entscheidungsmacht zukäme, – auch wenn viele Netzkampagneros sich das so wünschen mögen. Die Wahlmänner sind ihnen natürlich nicht zu Gehorsam verpflichtet. Die Empörung darüber fällt überwiegend engagiert bis rührend aus, in seiner moralischen Überzeugung allerdings auch manchmal ein wenig besserwisserisch bis unangenehm.

Satzfetisch twittert: "Das Volk will ganz klar #Gauck. UND DAS #VOLK IS #CHEF!" Bitmuncher meint: "Das Volk will #Gauck die Regierung wählt #Wulff. Wetten? Wäre ja mal ganz was Neues, wenn die Volksvertreter das Volk vertreten würden."

Allerdings ist es um das Demokratie-Verständnis der meisten Sozialen Netzwerker nicht allzu schlecht bestellt. Ein fatalistisches Urteil wie von Ziegelei: "Ich habe es einmal gesagt und sage es wieder: Demokratie funktioniert einfach nicht", gehört da schon zu den Ausnahmen. Radikale Schlussfolgerungen bleiben bislang aus. Die Debatte kennzeichnet lediglich das bekannte, populäre Missverständnis: Dass mehr direkte Demokratie zwangsläufig zu besseren Ergebnissen führe. Idealtypisch dafür die Haltung der Piratenpartei: Bastianhaas etwa tippte: "#Gauck ist schon deshalb besser, weil ihn die eindeutige Mehrheit der Bürger will. Daher -> Direktwahl einführen."

Die Debatten in sozialen Netzwerken prägen generell eher einfache Feindbilder (in diesem Fall heißt das Christian Wulff) und ein generalisiertes Misstrauen gegenüber Eliten und der etablierten Politik.

Aber auch die Linken bekommen ihr Fett ab. Tamar Klompas etwa schreibt auf Facebook : "Habt ihr gehört, was die Linke jetzt sagt? "Wir stimmen im 3. Wahlgang mit SPD und Grünen, wenn sie einen anderen Kandidaten ins Rennen schicken." Das ist doch ohne Worte!"Knuddelkruemel findet: " jeah, #demokratie scheint doch noch zu leben! weiter so! jetzt die irre #linke raus schmeißen und für #gauck stimmen!"  

Fast genauso groß ist derweil das Interesse für die permanent in der Retweet-Schlaufe landenden Fragen an die beiden Kandidaten, welchen Kinofilm sie denn als letztes gesehen haben. Das ist für die Twitterer eben auch eine relevante Form, sich mit Wulff und Gauck auseinanderzusetzen.

Und wie steht es um die gefürchteten Geheimnisverräter ? Abgesehen von ein paar Falschmeldungen und schlechten Scherzen gibt es da bislang keine großen Klagen zu vermelden. Dafür ist sich das Netz inzwischen seiner eigenen Bedeutung als Echtzeit-Medium mehr als bewusst, oder, wie Schubladenschaf fragt: "Ob die ARD bald meldet, dass Twitter meldet, dass die ARD meldet, was twitter meldet?"

 
Leser-Kommentare
  1. Hallo Zeit Redakteure,
    der Link bei
    " oder, wie Schubladenschaf fragt:"
    ist der Link nicht "http://www.twiiter.com/schubladenschaf"
    (denn das ist die falsche Seite),
    sondern Twitter, also http://www.twitter.com/sc...
    Die falsch angegebene Seite wird von Web Of Trust als "Diese Seite hat einen schlechten Ruf." eingestuft.

  2. Die Debatte kennzeichnet lediglich das bekannte, populäre Missverständnis: Dass mehr direkte Demokratie zwangsläufig zu besseren Ergebnissen führe.

    Welch elitäre Arroganz: Ab in die Ecke: schämen
    Und vor allem darüber nachdenken! Habe ich das Wort Demokratie verstanden.

  3. Wenn Internetjunkies, Flashmobs und Piraten für direkte Demokratie stehen, dann kann ich nur noch schreien: Hilfe !

    Der Beginn der Dummokratie und das Ende der Demokratie.

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    die haben wir jetzt, oder wäre Ihnen Filzokratie, Scheindemokratie, Eliten-Verschwörungsstaat, oder mediengdestützer Volksverdummungsstaat, Elitärer Selbstbedienungsladen usw. lieber?

    ...Analyse.

    Da merkt man doch gleich, da schreibt einer, der nicht zur "Dummokratie" gehört, nein, hier äußert sich ein ehrlicher Demokrat der alten Schule, der noch nachdenkt, bevor er sich was von sich gibt.

    die haben wir jetzt, oder wäre Ihnen Filzokratie, Scheindemokratie, Eliten-Verschwörungsstaat, oder mediengdestützer Volksverdummungsstaat, Elitärer Selbstbedienungsladen usw. lieber?

    ...Analyse.

    Da merkt man doch gleich, da schreibt einer, der nicht zur "Dummokratie" gehört, nein, hier äußert sich ein ehrlicher Demokrat der alten Schule, der noch nachdenkt, bevor er sich was von sich gibt.

  4. kann mitunter den Nachteil mit sich tragen 2 Unterschiedliche Regierungen gleichzeitig zu haben.
    So könnte ein der Bundesregierung oppositionärer Bundespräsident sozusagen die Demokratie Lahmlegen, indem er Gesetze nicht unterschreibt oder diese verzögert.
    Im Falle großer Inhaltlicher Differenzen, würde die Direktwahl des Bundespräsidenten, deutlich größeres Konfliktpotential bieten, als es in diesem Falle ohnehin der Fall gewesen wäre.

    Dies bedeutet nicht, dass diese Direktwahl generell schlechter ist, als das jetzige System- doch es hat auch den oben erwähnten Nachteil- zumindest mit der aktuellen Verfassung, wo es beispielsweise schwierig ist den Bundespräsidenten abzusetzen (wie durch eine Anklage beim Bundesverfassungsgericht).

    Ein weitere Nachteil ist möglicherweise die Sicht aus dem Ausland, wo es sich als problematisch erweisen könnte, wenn die Außenpolitische Position des repräsentativen Staatsoberhaupts der BRD sich stark mit der des Außenministers unterscheidet.

    Allerdings überwiegen trotzdem die Vorteile einer Direktwahl, jedoch müssen deren Nachteile jederzeit im Auge behalten werden.

  5. die haben wir jetzt, oder wäre Ihnen Filzokratie, Scheindemokratie, Eliten-Verschwörungsstaat, oder mediengdestützer Volksverdummungsstaat, Elitärer Selbstbedienungsladen usw. lieber?

  6. ...Analyse.

    Da merkt man doch gleich, da schreibt einer, der nicht zur "Dummokratie" gehört, nein, hier äußert sich ein ehrlicher Demokrat der alten Schule, der noch nachdenkt, bevor er sich was von sich gibt.

  7. Wei in Hessen bei Koch, wie in Weimar. Widerlich.

    Gauck hatte recht: Die LINKE ist politikunfähig, das sie immer nur der Mehrheitsbeschaffer für den rechten Rand ist.

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    Die Mitte schafft die Mehrheiten für den rechten Rand, indem sie diesen als "kleineres Übel" zu hofieren pflegt.

    Wer ist denn z.B. Frau Ypsilanti in den Rücken gefallen, als sie Koch abwählen wollte? Die Linke sicher nicht.

    Was man den Linken "vorwerfen" kann, ist, daß sie Politik mit Prinzipien macht. Doch genau dafür werden sie gewählt.

    Die Mitte hingegen hat nur ein Prinzip: Immer das Gegenteil von dem zu wollen, was die Linken wollen, selbst wenn man es kurz zuvor noch selbst gewollt hat. Sowas heißt dann "politikfähig". Für mich heißt das: unwählbar.

    • HLWT
    • 01.07.2010 um 6:22 Uhr

    Die LINKE hat alles richtig gemacht! Ich werde sie weiter wählen trotz des Wutgeheuls von Schulz und Thierse. Gut das mir der egozentrische Spalter Gauck erspart bleibt, so daß mich nicht täglich ärgern muß, dieser Heuchler!!!!!

    Die Mitte schafft die Mehrheiten für den rechten Rand, indem sie diesen als "kleineres Übel" zu hofieren pflegt.

    Wer ist denn z.B. Frau Ypsilanti in den Rücken gefallen, als sie Koch abwählen wollte? Die Linke sicher nicht.

    Was man den Linken "vorwerfen" kann, ist, daß sie Politik mit Prinzipien macht. Doch genau dafür werden sie gewählt.

    Die Mitte hingegen hat nur ein Prinzip: Immer das Gegenteil von dem zu wollen, was die Linken wollen, selbst wenn man es kurz zuvor noch selbst gewollt hat. Sowas heißt dann "politikfähig". Für mich heißt das: unwählbar.

    • HLWT
    • 01.07.2010 um 6:22 Uhr

    Die LINKE hat alles richtig gemacht! Ich werde sie weiter wählen trotz des Wutgeheuls von Schulz und Thierse. Gut das mir der egozentrische Spalter Gauck erspart bleibt, so daß mich nicht täglich ärgern muß, dieser Heuchler!!!!!

  8. Die Mitte schafft die Mehrheiten für den rechten Rand, indem sie diesen als "kleineres Übel" zu hofieren pflegt.

    Wer ist denn z.B. Frau Ypsilanti in den Rücken gefallen, als sie Koch abwählen wollte? Die Linke sicher nicht.

    Was man den Linken "vorwerfen" kann, ist, daß sie Politik mit Prinzipien macht. Doch genau dafür werden sie gewählt.

    Die Mitte hingegen hat nur ein Prinzip: Immer das Gegenteil von dem zu wollen, was die Linken wollen, selbst wenn man es kurz zuvor noch selbst gewollt hat. Sowas heißt dann "politikfähig". Für mich heißt das: unwählbar.

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