Geheimdokumente US-Behörden suchen Wikileaks-Gründer Assange
Das US-Außenministerium will offensichtlich verhindern, dass geheimer Schriftverkehr an die Öffentlichkeit gelangt und lässt daher nach Wikileaks-Gründer Assange suchen.
© Ahmad Al-Rubaye/afp/Getty Images

Ein irakischer Junge schaut aus der Tür seines Hauses. Hier im Osten Bagdads fand im Juli 2007 der amerikanische Hubschrauberangriff statt, den das auf Wikileaks veröffentlichte Video dokumentiert
Wikileaks-Gründer Julian Assange hat nach eigenen Angaben ein "Verteidigungsteam" für einen Analysten des US-Armeegeheimdienstes angeheuert. Das geht aus einer E-Mail von Wikileaks-Gründer Julian Assange hervor, die das amerikanische Technikmagazin Wired veröffentlicht hat. Der Militärangehörige soll geheime Dokumente der US-Armee auf dem Portal Wikileaks veröffentlicht haben.
In der E-Mail fordert Assange den Computerexperten Adrian Lamo auf, ihm seine Kommunikation mit diesem Armeeangehörigen zur Verfügung zu stellen. Diese Dokumente würden für die Verteidigung benötigt, begründet Assange seine Forderung. Lamo solle sie über die verschlüsselte Wikileaks-Seite übermitteln. Ob diese Mail von Assange echt ist, ist allerdings unklar.
Der Armee-Angehörige hatte sich gegenüber Lamo damit gebrüstet, im Frühjahr 2010 geheime Dokumente auf Wikileaks veröffentlicht zu haben. Darunter befand sich auch das aufsehenerregende Video eines Hubschrauberangriffs im Irak, bei dem im Jahr 2007 mehrere Zivilisten und zwei Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters getötet wurden. Deutlich zu hören sind in dem Video die zynischen Kommentare von den Soldaten, die in dem angreifenden Helikopter sitzen. Des Weiteren will der 22-Jährige ein Dossier des Armeegeheimdienstes sowie eine große Zahl geheimer Dokumente des Außenministeriums an Wikileaks übertragen haben.
Computerexperte Lamo hatte die Veröffentlichung des Hubschraubervideos gutgeheißen. Die Veröffentlichung der Dokumente des Außenministeriums hielt er aber für falsch, da er befürchtete, dass diese die nationale Sicherheit sowie das Leben von US-Bürgern gefährden könnten. Deswegen informierte er die Behörden, die den Armeeangehörigen festnahmen.
Der Mann habe ihm gegenüber noch weitere geheime Informationen preisgegeben, sagte Lamo jetzt dem Branchendienst Cnet. Dabei handele es sich um Details zu den Ermittlungen wegen der Cyberattacken auf Google. Der Armeeangehörige habe ihm den Codenamen der Untersuchung sowie Einzelheiten der Ermittlungen verraten. Allerdings könne er keine Details nennen, ohne zu riskieren, selbst wegen Geheimnisverrats belangt zu werden.
Im Januar 2010 hatte Google bekannt gegeben, dass Angreifer sich über das Internet Zugang zu E-Mail-Konten chinesischer Dissidenten verschafft hatten. Ausgangspunkt der Angriffe soll China gewesen sein. Die Angelegenheit wuchs sich regelrecht zu einer internationalen Affäre aus, an deren Ende sich Google aus China zurückzog.
Lamo ist nach eigenen Angaben Ende vergangener Woche wegen seiner Kommunikation mit dem Beschuldigten von Beamten mehrerer Dienststellen, darunter auch vom Diplomatic Security Service, dem Geheimdienst des US-Außenministeriums, vernommen worden. Er habe ihnen einen Computer und eine Festplatte mit der Kommunikation zur Verfügung gestellt.
Das amerikanische Außenministerium hat inzwischen bestätigt, dass Dokumente weitergegeben wurden. "Es hat da... nun, so eine Art Bericht gegeben, über eine sehr große Anzahl von Dokumenten oder Seiten. Natürlich versuchen wir herauszufinden, was genau da weitergegeben wurde", druckste Philip Crowley, Sprecher des US-Außenministeriums, auf einer Pressekonferenz am vergangenen Freitag herum. Das Ministerium nehme das ernst. Der Diplomatic Security Service prüfe derzeit den Schaden, im Zuge der Ermittlungen würden die Datenträger analysiert.
Assange soll inzwischen selbst zum Ziel der Ermittlungen geworden sein, berichtet die australische Tageszeitung Sydney Morning Herald. Die US-Behörden suchten nach dem Wikileaks-Gründer, um die Veröffentlichung der Dokumente des Außenministeriums zu verhindern. Assange scheint jedoch untergetaucht zu sein: Er sei am Freitag nicht auf einer Konferenz in Las Vegas erschienen, wo er eine Rede halten sollte, berichtet die Zeitung.
(Der Text erschien zuerst auf Golem.de)
- Datum 15.06.2010 - 11:24 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 12
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keiner : )
dass niemand sich fürchten müsse, der nichts zu verbergen habe?
Gilt in beiden Richtungen...
Er wusste genau was er tat als er großmäulig den Wikileaks "Chef" raushängen ließ. Unnötig wie selbstsüchtig und nicht ohne Konsequenzen.
Die Guten sind die Bösen und die Bösen sind die Guten.
*ganz schön verwirrend*
entfernt.
Bitte achten Sie auf eine sachliche Wortwahl und vermeiden Sie Vergleiche, die als unangemessen empfunden werden könnten. Danke. Die Redaktion/km
...auf die USA zu schimpfen, während Politik auch hier immer öfter in geheimen Ausschüssen und Hinterkämmerchen gemacht wird.
So ein Verhalten ist hier wie dort einer Demokratie nicht würdig!
Ich fordere daher Transparenz in allen öffentlichen Entscheidungen und ein Ende der Hinterzimmerdemokratie! Denn wie Lynchmops schon schrieb, wer nichts zu verbergen hat, der hat auch nichts zu befürchten und das gilt für gewählte Vertreter ja wohl noch mehr als für Privatpersonen!
Auf welcher Grundlage soll man seine Wahl denn sonst treffen?!?!
"Bitte achten Sie auf eine sachliche Wortwahl und vermeiden Sie Vergleiche, die als unangemessen empfunden werden könnten. Danke. Die Redaktion/km"
Wenn sich die Medien zudem zum Handlanger jener Politik machen, dann braucht man wohl nicht mehr darüber spekulieren, wie weit der Demokratieverlust vorangeschritten ist - er ist praktisch vollzogen. Bezeichnend ist dabei, dass bereits das Benennen tatsächlich begangener Verbrechen zensiert, wird wenn es als 'unangemessen' empfunden werden kann ... wohlgemerkt: 'unangemessen' ist dabei nicht das Verbrechen selbst, sondern es beim Namen zu nennen.
Und, werte Moderation, die Massenmorde an den amerikanischen Ureinwohnern, die Sklaverei, die Apartheit und die brutale Niederschlagung von Protesten der Afroamerikaner sind tatsächlich geschehen. Ich verstehe ja, dass zumindest einer Ihrer Herausgeber als echter Vasall der Amerikaner davon unangenehm berührt ist, aber in einer Demokratie muss er damit wohl leben ... WENN wir denn eine solche haben und sich die ZEIT ihrer Aufgabe als informative 'Vierte Säule' erkennt und wahrnehmen will.
Ansonsten dürfen Sie gern aufzeigen, welche meiner Formulierungen denn unsachlich war - ich bin schliesslich stets bereit, dazuzulernen. Allerdings nehmen Sie es mir bitte nicht übel, dass ich, sollten Sie entsprechendes nicht aufzeigen können, Ihre Zensur als Diffamierung betrachte.
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