"Micropayment" nennt Flattr seinen Service. Doch auch kleine Beträge rechnen sich auf Dauer © flattr

Stefan Niggemeier tut es. Sascha Lobo nicht. Zwei der bekanntesten deutschen Blogger sind sich uneins, wenn es ums "flattrn" geht.

Lobo würde es begrüßen, wenn freiwillige Bezahlmodelle wie Flattr Erfolg hätten, glaubt aber nicht daran: "Meine Einschätzung ist, dass mit Flattr drei Dutzend Blogs eine aus professioneller Sicht geringe Summe erwirtschaften werden, für den gesamten Rest der Blogs wird es sich kaum lohnen", schreibt Lobo auf seiner Website . Lobo ist überzeugt, dass Flattr nur dann eine Refinanzierungsmöglichkeit für die Content-Produzenten sein wird, "wenn Geld von außen zufließt und nicht im Innern umverteilt wird". Die Aussicht, dass eine Vielzahl kleinerer Blogs die wenigen größeren bezahlen, sei ihm nur mäßig sympathisch.

Sein Blogger-Kollege Stefan Niggemeier hat weniger Vorbehalte – immerhin konnte er im Juni bereits 350 Euro über Flattr generieren: "Ich finde es viel zu früh, da eine realistische Einschätzung abgeben zu können – Flattr ist noch nicht einmal aus der geschlossenen Beta-Phase heraus", sagt der Medienjournalist. "Der große Reiz an Flattr ist die Freiwilligkeit: Inhalte verschwinden nicht hinter einer Bezahlschranke, aber jeder, dem ein Beitrag etwas wert ist, kann diese Wertschätzung in der Form ausdrücken, in der er sie zum Beispiel auch am Kiosk ausdrückt: durch Geld."

Niggemeier hat den Eindruck, dass gerade unter treuen Bloglesern eine große Bereitschaft dazu herrsche. Ob es in der breiten Masse der Mediennutzer auch so sein wird, müsse sich zeigen. Derzeit sind etwa 20.000 User bei Flattr angemeldet.

Jörg Reschke, Mitgründer des Berliner Instituts für Kommunikation in sozialen Medien (Ikosom), glaubt: Letztendlich gehe es darum, eine entsprechende soziale Norm zu entwickeln. Nur so könnte eine kritische Masse von Internetnutzern dazu bewegt werden, freiwillig etwas für Netz-Inhalte zu zahlen.

Mitentscheidend wird das Verhalten der Verlage sein und wie schnell sie sich an den Programmen beteiligen. "Wenn in Deutschland eine große News- oder Sportseite Flattr oder Kachingle verwenden würde, könnten noch ganz andere Nutzer erreicht werden", sagt Reschke.

Bislang sind mit der Taz , dem Vorwärts-Verlag sowie dem Freitag drei kleinere Verlagshäuser mit ihren Online-Ausgaben mit von der Partie. Die Taz nahm im Juni immerhin um die 1000 Euro ein. Der Freitag dagegen musste sich mit rund 100 Euro begnügen. Chefredakteur Philip Grassmann ist trotzdem zufrieden: "Es geht uns nicht um die Summe, es geht um das Experiment. Flattr ist ein geniales Instrument, um zu gucken, was die Leser wirklich interessiert und wofür sie bereit sind zu zahlen." Als kleiner Verlag sei man flexibler als die großen Flaggschiffe. "Wir können mehr experimentieren und schneller reagieren." Wichtig sei aber, dass die Großen irgendwann nachzögen.