Apple möchte das Lesen im Internet künftig noch angenehmer gestalten. Deshalb bietet es in der neuesten Version seines Safari Browsers jetzt den Reader , der störende Werbung ausblendet. Bislang muss, wer so etwas wünscht, sich Werbeblocker selbst installieren. Das ist also ziemlich freundlich von Apple. Scheinbar.

Denn anders sieht das auf dem iPhone, dem iPod Touch und dem iPad aus. Dort findet Apple Werbung sinnvoll, zumindest, wenn der Besitzer eine der Apps genannten Mini-Anwendungen verwenden möchte oder sich der Werbetreibende entschieden hat, seine Anzeigen über iAd zu buchen. So heißt Apples neue Werbeplattform, die heute startete. 

Um das noch ein klein wenig deutlicher zu sagen: im freien Netz, in dem jeder werben und jeder Werbeblocker einsetzen kann, hat Apple kein Problem, letztere zu fördern. Schadet es doch vor allem der Konkurrenz. In der geschlossenen und allein von Apple kontrollierten Sphäre der Apps allerdings gibt es das nicht, dort ist Werbung selbstverständlich, denn allein Apple verdient an ihr. Auf mobilen Geräten funktioniert die Welt ein bisschen anders.

Was per se nichts Schlechtes sein muss. Die Erlöse helfen ja auch den Entwicklern, ihre Programme zu finanzieren. Doch nebenbei steckt Apple einen erklecklichen Teil vom Umsatz ein, 40 Prozent nämlich.

Das heißt: Während Apple mithilfe des Readers den Werbetreibenden das Geschäft verhagelt, bietet es ihnen praktischerweise sogleich die Lösung: Wer mit Apple auf der Werbe-Plattform iAd ins Geschäft kommt, ist selbstverständlich gefeit vor Filtern und Ad-Blockern und kann seine Anzeigen nach Lust und Laune in Apps und Seiten schalten. Diese Werbung kommt sogar personalisiert aufs Display, also je nach Ort und Surfgeschichte des Nutzers. Der kann diese Option zwar ausschalten, wenn er auf ein eigens dafür eingerichtete Seite geht. Die Werbung aber bleibt, da kann sich der Nutzer auf den Kopf stellen.

Denn es bringt Apple Geld: Wie die Financial Times berichtet , kam durch Unternehmen wie Nissan, Sears oder die Citigroup bereits in wenigen Wochen ein Werbebudget von 60 Millionen Dollar zusammen. Ein attraktives Zusatzgeschäft für den Applekonzern also, der den Kunden zuvor schon seine kostspieligen Geräte verkauft hat.

Das Thema mobile Werbung hat es in sich. Denn die Zahl der Besitzer von internetfähigen Handys wächst exponentiell. Wurden in der ersten Hälfte dieses Jahres weltweit rund 55 Millionen Smartphones verkauft, sollen es in vier Jahren schon 440 Millionen sein.