Wikileaks Wikileaks legt Spenden offen – ein wenig

Wikileaks gibt erstmals Einblicke in seine Spenden- und Finanzpolitik. Ein paar entscheidende Fragen lässt die Seite für Geheimnis-Verräter dabei noch offen.

Wikileaks Sprecher Julian Assange (links) und Daniel Schmitt auf dem 26c3 Kongress 2009

Wikileaks Sprecher Julian Assange (links) und Daniel Schmitt auf dem 26c3 Kongress 2009

"Wer wacht über die Wächter?", fragte Platon schon in seiner Politeia . Und antwortete gleich selbst: sie überwachen einander . Die Enthüllungs-Seite Wikileaks hat sich als Wächter im Netz hervorgetan. Sie hat seit 2006 mehr als eine Million Dokumente veröffentlicht, die eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren: Unter Verschluss gehaltene Verträge von Firmen, Banken und Regierungen, geheime Spendenlisten von rechtsradikalen Parteien, heikle Videos des Militärs. Doch immer stärker wird die mangelnde Transparenz im Hinblick auf ihre eigene Finanzierung kritisiert.

Die kritischen Stimmen wurden in den letzten Monaten wieder lauter, nachdem die Domain wikileaks.org sowie ein Teil des Archivs seit Beginn des Jahres nicht mehr erreichbar waren. Zudem hat die Seite in diesem Jahr erst knapp ein Dutzend Dokumente veröffentlicht. Im Vorjahr waren es noch über 8000.

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Gründer Julian Assange betonte indes auf der aktuellen TED Konferenz in Oxford, man sei "überwältigt vom Wachstum" der Organisation und hätte gar nicht genug Helfer, um das eingesandte Material zu überprüfen. Dabei beschäftigt Wikileaks nach eigenen Angaben fünf Vollzeitkräfte, knapp 40 ehrenamtliche Mitarbeiter und gut 800 zusätzliche Helfer.

Bereits im Dezember rief die Organisation aktiv zu Spenden auf. Mit Erfolg: Allein nach der Veröffentlichung des Collateral Damage Videos im April nahm Wikileaks binnen einer Woche geschätzte 150.000 Dollar an Spenden ein. Jetzt fragten sich einige, was genau mit dem vielen Geld passiert ist. Cryptome, eine andere Enthüllungs-Seite im Netz, beschuldigte Assange unter Berufung auf einen Insider gar, Spendengelder zu unterschlagen. Zudem widerspreche es dem Grundsatz politischer Unabhängigkeit, dass Wikileaks sich von der linken isländischen Movement-Partei unterstützen lasse. Wikileaks selbst bezeichnete die Anschuldigungen von Cryptome mittlerweile als "Desinformation".

Leser-Kommentare
  1. Wikileaks Geheimniskrämerei vorzuwerfen, das ist schon ein etwas seltsames Arrangement. Natürlich, sollten Spenden veruntreut werden, dann wäre dies ebenso verwerflich wie an anderer Stelle. Aber eben nur ebenso! Man müsste dann gegen die Verantwortlichen gerichtlich vorgehen.

    Die Institution wikileaks dagegen wäre kaum betroffen, auch und gerade wegen der ungeheuren Zahl nicht gebundener Helfer. Worin soll also die Kritik an ihr bestehen? Oder vielmehr: zu welchem Zweck wird eine solche lanciert? Bislang habe ich da noch kein Argument und keinen Hinweis erhalten.

    Es dürfte also wahrscheinlicher sein, dass es einigen Unternehmen und Staaten so gar nicht passt, dass es etwas wie wikileaks gibt - und man deshalb nach Gründen für seine Auflösung sucht.

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    • sane
    • 19.07.2010 um 19:33 Uhr

    Egal was man Wikileaks vorwirft, man kann immer versuchen sich mit "cui bono" versuchen herauszureden. Schon allein deshalb ist Transparenz in ihrem eigenen Interesse, ansonsten wird es untergehen, wenn wirklich mal was nicht ok ist, was bei ausreichend langer Zeitspanne der Fall sein wird.

    • sane
    • 19.07.2010 um 19:33 Uhr

    Egal was man Wikileaks vorwirft, man kann immer versuchen sich mit "cui bono" versuchen herauszureden. Schon allein deshalb ist Transparenz in ihrem eigenen Interesse, ansonsten wird es untergehen, wenn wirklich mal was nicht ok ist, was bei ausreichend langer Zeitspanne der Fall sein wird.

  2. - zur Vermeidung eines Missverständnisses:

    Auch wenn wikileaks von irgend einer Seite für eigene Ideale unterstützt werden sollte, wikileaks also verdeckt parteiisch sein sollte, hätte ich kein Problem damit. Denn auch dann würde es die schmutzigen Geheimnisse (einer Seite) öffentlich machen und damit nach meinem Geschmack einen guten Dienst anbieten. Bestenfalls würde das entsprechende Gegenstück der anderen Seite noch fehlen ("Seiten" als Abstraktion).

    • sane
    • 19.07.2010 um 19:33 Uhr

    Egal was man Wikileaks vorwirft, man kann immer versuchen sich mit "cui bono" versuchen herauszureden. Schon allein deshalb ist Transparenz in ihrem eigenen Interesse, ansonsten wird es untergehen, wenn wirklich mal was nicht ok ist, was bei ausreichend langer Zeitspanne der Fall sein wird.

    Antwort auf "Verstehe ich das?"
  3. Den besagten Insider gibt es aber nur auf der Seite, die vor Wikileaks die erste Anlaufstelle für Whistleblower war (Cryptome.org), dessen Betreiber offenbar mit der Person Assange ein Problem hat und der mit dem Konzept Wikileaks nicht klarkommt.

    Ich will keine Partei für eine der beiden Seiten ergreifen, da ich beide Seiten für sinnvoll halte, sondern nur erwähnen, dass die Gerüchte nicht unbedingt unabhängigen Quellen entstammen.

    Man fragt auch nicht Exxon über die Versäumnisse von BP...

  4. Mit was kleinerem als der Politeia kann man ja nicht anfangen – interessanterweise fangen so viele WL-Kritken an.

    Aber statt dann dieses Dilemma und dem Umgang der WL-Leute damit zu untersuchen (wie kann man es besser machen?), wiederholt man FUD-Meldungen.

    Interessant ist auch, dass WL momentan am meisten mit der Klärung einer Sache beschäftigt ist, die dadurch entstanden ist, dass sich jemand *nicht* an die Prozeduren von WL gehalten hat …

    Mir persönlich ist Wikileaks lieber als DIE ZEIT. Oder das Ding, was dann kommt, wenn es Wikileaks eines Tages so nicht mehr geben sollte.

    Wenn der Staat den Whistleblower-Schutz und sein Recht auf Anonymität verbessern würde, müsste WL vielleicht auch nicht so intransparent handeln. Momentan versucht WL ja, gerade diesen Umstand in Island (über die Movement-Partei) zu verändern.

  5. @rakeller: Würden Sie weniger (keine) Abkürzungen verwenden und Deutsch schreiben, verstünde ich vielleicht auch Ihren Kommentar. Aber jedesmal bei Wikipedia oder "dict.leo.org" die Übersetzungen zu suchen ist mir doch...

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    Der Autor hat angefangen …

    Reality Planning LLC = Deutet auf Adrian Lamo hin, eine Person die hier im Artikel eigentlich keine Erwähnung findet. Was ungeheuerlich ist, denn durch diese kam Wikileaks erst in die jetzige Lage.
    Politeia = Altes Buch über Staat und Gerechtigkeit und eine der Quellen für „Wer bewacht die Wächter“?
    WL = Wikileaks
    FUD = Das Streuen von unbewiesenen Vermutungen, um das Image einer Marke/Person zu ruinieren.
    WP = Wikipedia
    Wau Holland Stiftung = Stiftung aus dem CCC-Umfeld
    Eris = Göttin der Zwietracht und des Streites.

    Der Autor hat angefangen …

    Reality Planning LLC = Deutet auf Adrian Lamo hin, eine Person die hier im Artikel eigentlich keine Erwähnung findet. Was ungeheuerlich ist, denn durch diese kam Wikileaks erst in die jetzige Lage.
    Politeia = Altes Buch über Staat und Gerechtigkeit und eine der Quellen für „Wer bewacht die Wächter“?
    WL = Wikileaks
    FUD = Das Streuen von unbewiesenen Vermutungen, um das Image einer Marke/Person zu ruinieren.
    WP = Wikipedia
    Wau Holland Stiftung = Stiftung aus dem CCC-Umfeld
    Eris = Göttin der Zwietracht und des Streites.

  6. Der Autor hat angefangen …

    Reality Planning LLC = Deutet auf Adrian Lamo hin, eine Person die hier im Artikel eigentlich keine Erwähnung findet. Was ungeheuerlich ist, denn durch diese kam Wikileaks erst in die jetzige Lage.
    Politeia = Altes Buch über Staat und Gerechtigkeit und eine der Quellen für „Wer bewacht die Wächter“?
    WL = Wikileaks
    FUD = Das Streuen von unbewiesenen Vermutungen, um das Image einer Marke/Person zu ruinieren.
    WP = Wikipedia
    Wau Holland Stiftung = Stiftung aus dem CCC-Umfeld
    Eris = Göttin der Zwietracht und des Streites.

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    Ich konnte mir gerade ein Schmunzeln nicht verkneifen.

    Sehr schöne Legende, eine Kleinigkeit will ich noch ergänzen: FUD steht für Fear, Uncertainty and Doupt, also Furcht, Unsicherheit und Zweifel, die gestreut werden um das Ansehen einer Organisation oder Person zu beschädigen.

    Wer es am Beispiel sehen will muss nur den Artikel oben lesen :D

    Ich konnte mir gerade ein Schmunzeln nicht verkneifen.

    Sehr schöne Legende, eine Kleinigkeit will ich noch ergänzen: FUD steht für Fear, Uncertainty and Doupt, also Furcht, Unsicherheit und Zweifel, die gestreut werden um das Ansehen einer Organisation oder Person zu beschädigen.

    Wer es am Beispiel sehen will muss nur den Artikel oben lesen :D

    • -Ziet-
    • 20.07.2010 um 12:01 Uhr

    Zwei Sätze stoßen mir auf:
    1.] ZITAT: >> Wikileaks selbst bezeichnete die Anschuldigungen von Cryptome mittlerweile als "Desinformation" <<

    Müßte man sich nicht eigentlich über die Rolle von Cryptome unterhalten? - Gehört die Fachliche Auseinandersetzung zwischen 'Rivalen' wirklich öffentlich geführt? - Wie beteiligen sich eigentlich die Geheimdienste an dieser Diskussion (die eigentlich solche Organisationen sicher gern übernehmen, wo sie können)?

    2.] ZITAT: >> Nur wer sich selbst der Prämisse der Informationsfreiheit unterwirft, kann diese auch von anderen einfordern. <<

    ... behauptet der Zeit-Autor mal forsch. Wo ist diese Behauptung bewiesen? Wo ist das Thema konsequent zuendegedacht worden? Wo liegen die geschichtlichen Beweise vor?
    Meiner Meinung nach geht es eher um Vertrauen zwischen Leuten die sich kennen - diese Brücken zu sichern und Glieder abzusichern ist wichtig. Unabhängige handeln unabhängig. Je transparenter, desto mehr Leute können sich beteiligen. Lernen in Module zu denken.

    Mein 3. Punkt] wäre noch: inwieweit sind diese Art von Organisationen (CCC, WAU, WL, Cryptome, etc) schon unterwandert? Kann es darauf noch eine Antwort geben? Oder geht des den Geheimdiensten erst mal darum, mit Hilfe von Cryptome, eine Verunsicherung zu erzeugen, die WL das Wasser abgräbt und über Störungen anfällig für Infiltrationen macht (siehe : wie entert man einen gesicherten Server).

    4.] wo endet der amused alltag, wo beginnt die Paranoia?

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