"Wer wacht über die Wächter?", fragte Platon schon in seiner Politeia . Und antwortete gleich selbst: sie überwachen einander . Die Enthüllungs-Seite Wikileaks hat sich als Wächter im Netz hervorgetan. Sie hat seit 2006 mehr als eine Million Dokumente veröffentlicht, die eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren: Unter Verschluss gehaltene Verträge von Firmen, Banken und Regierungen, geheime Spendenlisten von rechtsradikalen Parteien, heikle Videos des Militärs. Doch immer stärker wird die mangelnde Transparenz im Hinblick auf ihre eigene Finanzierung kritisiert.

Die kritischen Stimmen wurden in den letzten Monaten wieder lauter, nachdem die Domain wikileaks.org sowie ein Teil des Archivs seit Beginn des Jahres nicht mehr erreichbar waren. Zudem hat die Seite in diesem Jahr erst knapp ein Dutzend Dokumente veröffentlicht. Im Vorjahr waren es noch über 8000.

Gründer Julian Assange betonte indes auf der aktuellen TED Konferenz in Oxford, man sei "überwältigt vom Wachstum" der Organisation und hätte gar nicht genug Helfer, um das eingesandte Material zu überprüfen. Dabei beschäftigt Wikileaks nach eigenen Angaben fünf Vollzeitkräfte, knapp 40 ehrenamtliche Mitarbeiter und gut 800 zusätzliche Helfer.

Bereits im Dezember rief die Organisation aktiv zu Spenden auf. Mit Erfolg: Allein nach der Veröffentlichung des Collateral Damage Videos im April nahm Wikileaks binnen einer Woche geschätzte 150.000 Dollar an Spenden ein. Jetzt fragten sich einige, was genau mit dem vielen Geld passiert ist. Cryptome, eine andere Enthüllungs-Seite im Netz, beschuldigte Assange unter Berufung auf einen Insider gar, Spendengelder zu unterschlagen. Zudem widerspreche es dem Grundsatz politischer Unabhängigkeit, dass Wikileaks sich von der linken isländischen Movement-Partei unterstützen lasse. Wikileaks selbst bezeichnete die Anschuldigungen von Cryptome mittlerweile als "Desinformation".