Suchmaschinen Googles Macht könnte schnell zerbrechen

Der Suchmaschinenkonzern beherrscht den Markt; niemand scheint ihm zu widerstehen. Doch die Kundenbindung im Netz ist dürftig und Googles Macht ständig in Gefahr.

Wie fragil ist Googles Macht? Hier spiegelt sich das Firmen-Emblem des Hauptquartiers in Peking in einem benachbarten Gebäude

Wie fragil ist Googles Macht? Hier spiegelt sich das Firmen-Emblem des Hauptquartiers in Peking in einem benachbarten Gebäude

Deutschland streitet über Street View . Die Aufregung ist riesig, und sie ist geprägt von großer Hilflosigkeit. Denn gleich, ob man in dem neuen Bilderdienst von Google nun eine  Bedrohung der Privatsphäre erkennt oder ihn als hilfreiche Dienstleistung zur besseren Orientierung versteht: Was Kritiker wie Befürworter eint, ist der Glaube daran, dass die Handlungen des Konzerns vielleicht zu beeinflussen, aber keinesfalls zu verhindern sind. Zu gewaltig ist die Macht des Riesen , der alleine mit seiner Suchmaschine 90 Prozent des deutschen Marktes abdeckt.

Doch Googles Position ist fragil. Sie könnte sich schnell ändern.

Denn warum ist die Suchmaschine so erfolgreich? Weil die Technologie überzeugt. Vor allem aber: Weil das Image stimmt. Der Leitspruch don’t be evil , die elegant-zurückgenommene Einstiegsseite, die unaufdringlichen Ergebnislisten. Alles ist hier ganz anders als die überbordenden Kataloge von Yahoo und Co und war lange Zeit nicht überformt vom Urbild des bösen Software-Giganten wie heute noch die Konkurrenzmaschine Bing aus dem Hause Microsoft.

Nur zeigt sich inzwischen, dass Google technisch gar nicht so viel besser ist als andere. Viktor Mayer-Schönberger hat die Probe gemacht. Er forscht an der Universität von Singapur. In drei Doppel-Blind-Studien in Österreich, Singapur und China hat er mit jeweils hundert Personen getestet, wie stark die Kundenbindung ist, die auf der Qualität der Suchalgorithmen beruht. Ergebnis: Sie ist höchst gering.

Mayer-Schönberger stellte seinen Probanden die Aufgabe, Antworten auf zehn leichte bis mittelschwere Suchfragen zu finden. Zur Auswahl standen Google, Bing, Ask sowie das chinesische Angebot Baidu. Die meisten Teilnehmer des Experiments (mit Ausnahme vieler Chinesen, die auf Baidu setzten) sprachen zuvor Google das höchste Vertrauen aus. Das Ergebnis ihrer Suchen war jedoch immer dasselbe: Alle Anbieter sind in etwa gleich gut, maßgebliche Unterschiede im Ergebnis waren nicht zu erkennen.

Was hält die Menschen dann noch bei Google? Mayer-Schönberger vermutet, dass es lediglich die Mutmaßung ist, die Suchmaschine liefere sehr gute Ergebnisse. Was bedeutet, dass das als so dominierend empfundene Modell Google so stark nicht ist. Denn der Wechsel zu einer anderen Suchmaschine kostet den Nutzer nichts. Die Ergebnisse dort sind genauso gut. Neu lernen muss man auch fast nichts, weil die Bedienung der Konkurrenzprodukte der von Google stark ähnelt.

Schon ein kleiner Imageschaden könnte also dazu führen, dass Nutzer in großem Stil abwandern. Beispiele für solche Entwicklungen hat das Netz einige anzubieten, etwa beim Sozialen Netzwerk MySpace . Das war einst Branchenkönig, ist heute jedoch im Ansehen weit hinter Facebook zurückgefallen.

Hinzu kommt, dass nachwachsende Nutzer immer seltener Suchmaschinen brauchen, um sich das Netz zu erschließen. Die neuen sozialen Funktionen verändern ihr Verhalten. Sie folgen nicht mehr der Erfahrung: "Ich will wissen, also muss ich suchen." Die neue Maxime lautet vielmehr: "Was wichtig ist, wird mich schon erreichen."

Leser-Kommentare
  1. Ein sehr schöner Beitrag und vor allem einmal auch eine objektive Sichtweise auf das Internet. Auch wenn es viele nicht glauben, Google ist nun mal nur einer von vielen Suchmaschinen. Dass sie so populär ist, ist der aktiven Communityarbeit zu zuschreiben. Google war einer der Ersten und wenigen Unternehmen die begriffen haben, es ist wichtig zu zuhören und herauszufinden was die User wollen. Dies wurde in den letzten zehn Jahren perfekt umgesetzt.

    Sollte man von diesem Weg abweichen, kann es geschehen, dass Google in zehn Jahren keiner mehr kennt. Oder wer kann sich noch an die Suchmaschine „Fireball“ erinnern?

  2. Aber dabei muss ich sagen: Bei obskureren Thema, gerade aus dem wissenschaftlichen Bereich, weiß Google oft genau, was ich will, Bing bei der gleichen Suchanfrage nicht. Bzw. dem war so, vor ein paar Monaten. Möglich, dass sich seither bei Bing was getan hat.

    Was ich nie so ganz verstanden habe ist, wie Google Geld verdient. Google stellt ja wirklich viele, aufwändige Dienste bereit. Ich bin mir sicher, dass der finanzielle Aufwand, den Google betrieben hat, um alleine mir die Dienstleistungen zu liefern, die ich bisher von Google benutzt habe, einem dreistelligen Eurobetrag entspricht.

    Ich habe aber garantiert nicht genügend Werbung angeklickt, um das für Google zu kompensieren. Gibt es wirklich Menschen, die so viel Google-Werbung anklicken, dass Google im Mittel Geld verdient? Die meisten Werbeklicks dürften Google doch nur zweistellige Centbeträge einbringen? Hat jemand hierzu genauere Daten?

  3. ... die Abhängigkeiten der Wirtschaft und Gesellschaft von dem Internet wachsen.
    Das Internet hat bald das Wissensmonopole, und zusammen mit der gewohnten Zuverlässigkeit der Infrastruktur wird das ganze systemrelevant.
    Jeder ist auf Suchmaschinen angewiesen, und Chinesen wissen schon wie die Ergebnisse beeinflusst werden können.

  4. Könnte man nicht analog zu öffentlich-rechtlichem Radio und TV eine gebühren- oder steuerfinanzierte werbefreie Suchmaschine betreiben? Am besten auf europäischer Ebene. Das könnte ein starker Anker der Netzneutralität sein, wenn man politische Einflussnahme und Zensur ausschließt.

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    Das hat man schon mal versucht (Theseus, Quaero - Sie können ja danach googlen ...). Es ist den Weg aller IT-Projekte gegangen, die von europäischen Steuergeldern angeschoben werden.

    Sowas wird schon seit ein paar Jahren entwickelt:
    http://theseus-programm.de/
    Aber wie das bei staatlichen Projekten nunmal so ist, wird aus der anfänglich geplanten Suchmaschine jetzt eine eierlegende Wollmilchsau.

    Das war wohl auch mal als europäisches Gemeinschaftsprojekt geplant. Jetzt gibt es ein dt. und ein fr. Projekt:
    http://www.quaero.fr/

    An die Gründe für die Trennung kann ich mich nicht mehr erinnern.

    Das hat man schon mal versucht (Theseus, Quaero - Sie können ja danach googlen ...). Es ist den Weg aller IT-Projekte gegangen, die von europäischen Steuergeldern angeschoben werden.

    Sowas wird schon seit ein paar Jahren entwickelt:
    http://theseus-programm.de/
    Aber wie das bei staatlichen Projekten nunmal so ist, wird aus der anfänglich geplanten Suchmaschine jetzt eine eierlegende Wollmilchsau.

    Das war wohl auch mal als europäisches Gemeinschaftsprojekt geplant. Jetzt gibt es ein dt. und ein fr. Projekt:
    http://www.quaero.fr/

    An die Gründe für die Trennung kann ich mich nicht mehr erinnern.

  5. Google macht tatsächlich ca. 95% der Profite durch Onlinewerbung, aber Google ist schon lange nicht mehr nur ein Suchmaschinenbetreiber. Dienste wie Google-Mail oder YouTube sorgen da schon sehr wohl für Kundenbindung und wer einmal bei einem Android-Smartphone gelandet ist, bei dem wird der Wechsel zu anderen Diensten gar nicht mehr so einfach sein. Und genau das ist ja Strategie bei Google: Den Nutzer mit so vielen kostenlosen Diensten bewerfen, bis er sämtliche persönlichen Daten dort liegen hat und sie so leicht nicht wieder herausbekommt.

    Und die meisten Nutzer werden ohnehin das benutzen, was andere benutzen oder was ihnen halt mit ihrem Computer/Browser/Smartphone in die Hand gelegt wird. Dass einfach so all die praktischen Google-Dienste von anderen verdrängt werden, sollte man auf jeden Fall nicht erwarten, zumal es anderen fast unmöglich sein dürfte, damit dann auch Geld zu verdienen. Ohne Google geht auf dem Online-Werbemarkt im großen Stil gar nichts mehr, spätestens seitdem sie AdMob gekauft haben IST Google dieser Markt.

    Google ist das Microsoft von morgen und wird aus den selben monopolartigen Gründen nicht so einfach verdrängbar sein. Bloß dass Google viel gefährlicher ist, weil Google anders als MS nicht nur die Hoheit über Dateiformate haben wird, sondern über die tatsächlichen persönlichen Daten unzähliger Menschen.

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    Wenn irgendwann Google und Facebook sich gegenseitig kaufen, dann könnte ein Konzern entstehen, der jeden kennt und weiß, was alle machen. - Prickelnde Vision! Ich möchte ihn besitzen.

    Wenn irgendwann Google und Facebook sich gegenseitig kaufen, dann könnte ein Konzern entstehen, der jeden kennt und weiß, was alle machen. - Prickelnde Vision! Ich möchte ihn besitzen.

  6. Eine alternative Suchmaschine, die ich seit ca. einem Jahr nutze und mit der ich sehr zufrieden bin ist ixquick (http://www.ixquick.com/deu/). Deren Hauptvorteil ist m.E., dass meine IP-Adresse nicht gespeichert wird und gleichzeitig einige verschiedene Suchmaschinen genutzt werden - ich bleibe dabei anonym, wobei
    die dabei erzielten Suchergebnisse für meine Zwecke allemal ausreichen.

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    ich habe meine 5 Standardsuchen getestet, und die Trefferquote ist bei ixquick aus meiner Sicht viel besser vom Ergebnis her.

    Die Ergebnisse erscheinen mir Ergebnisorientiert und nicht Einnahmeorientiert ermittelt zu werden.

    ich habe meine 5 Standardsuchen getestet, und die Trefferquote ist bei ixquick aus meiner Sicht viel besser vom Ergebnis her.

    Die Ergebnisse erscheinen mir Ergebnisorientiert und nicht Einnahmeorientiert ermittelt zu werden.

  7. Wenn irgendwann Google und Facebook sich gegenseitig kaufen, dann könnte ein Konzern entstehen, der jeden kennt und weiß, was alle machen. - Prickelnde Vision! Ich möchte ihn besitzen.

    Antwort auf "Naja..."
  8. Das hat man schon mal versucht (Theseus, Quaero - Sie können ja danach googlen ...). Es ist den Weg aller IT-Projekte gegangen, die von europäischen Steuergeldern angeschoben werden.

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