Netzneutralität Google beendet angeblich Gleichbehandlung im NetzSeite 2/2

Gleichzeitig kann eine Unterscheidung der Daten nach kostet/umsonst nur erfolgen, wenn in die Leitung geschaut wird. Denn im Internet wird jede Verbindung in viele kleine Datenpakete aufgelöst, die mit einer Art Adressaufkleber versehen über verschiedene Wege zum Ziel reisen. Das heißt, dass einen Knotenpunkt in jeder Millisekunde viele verschiedene Pakete passieren. Um zu wissen, für welche davon Gebühren anfallen, braucht es ein Verfahren namens Deep Packet Inspection (DPI) , was so viel meint, wie "tief in das Datenpaket hineinschauen".

DPI ist nicht per se böse, wie jede technische Anwendung hat auch sie sinnvolle Seiten. So hilft das Verfahren beispielsweise beim Kampf gegen Spam. Trotzdem ist es für Kritiker ein Albtraum, dass Telcos künftig jeden Inhalt genau anschauen und diskriminieren können. Denn darum geht es. Ist erst einmal eine Methode installiert, um Inhalte zu unterscheiden und unterschiedlich zu behandeln, können die Kriterien der Sortierung sich schnell ändern. Beispielsweise nach politischen Gesichtspunkten. Und jeder Knoten im Netz würde so zu einem Ansatzpunkt für staatliche Überwachung der Inhalte.

Auch ist das Argument der Telekommunikationsfirmen nicht ganz sauber. Denn den Netzausbau zahlen nicht sie, sondern ihre Kunden, die sich bei ihnen einen Netzzugang kaufen. Dort wird bereits kassiert, mehr für schnellen Zugang, weniger für langsamere. Muss nun mit den Anbietern auch die andere Seite zahlen, werden diese ihre Kosten umlegen – auf die sogenannten Endkunden.

Es geht um sehr viel Geld und um die Frage, was wichtiger für das Netz ist, Sicherheit (der Infrastruktur) oder Freiheit (der Daten). Freiheit kostet nur, mit Sicherheit kann man verdienen. Von Verizon gibt es lediglich eine Erklärung, dass seit zehn Monaten mit Google über einen Kompromiss zur Netzneutralität verhandelt werde. Und dass man optimistisch sei, "einen Konsens zu finden, der ein offenes Internet erhält und die Investitionen und Entwicklungen finanziert, die es braucht, um dieses zu tragen".

Nachtrag: Ursprünglich haben wir in diesem Artikel geschrieben, dass Google keine Stellungnahme abgegeben hat. Inzwischen hat sich das geändert. Der Text wurde entsprechend aktualisiert.

 
Leser-Kommentare
  1. Nun wird also auch beim Internet mit der Unart begonnen, für alles mehrfach Geld zu verlangen. Nicht genug, dass man jeden Monat 40 Euro für DSL zahlt (und zwar die langsame Basisvariante der Telekom), nun sollen auch die Inhalte kostenpflichtig werden und zwar nicht, um für bessere Inhalte dann eben zahlen zu müssen, sondern für die Durchleitung, für die man schon gezahlt hat. Das Schlimme ist, dass eine nationale Behörde (die FCC) damit de facto durch die weitgehende Unbeschränktheit des Internets über einen internationalen Sachverhalt entscheiden darf. Danke, Google.

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    Ich bin bei der Telekom und habe für ca. 35 Euro im Monat 6000er DSL und eine Festnetzflatrate. Billiger geht nicht und wenn in der Kalkulation kein Cent mehr für "Sörwis" da ist darf sich der pfennigfuchsende Deutsche auch nicht über selbige "Sörwiswüste" beklagen, wie dann trotzdem stets der Fall. Nein, die Preise sind geradezu läppisch. Der einzige Grund warum Bandbreite so spottbillig geworden ist war die DotCom-Blase. Damals wurden für Unsummen Glasfasern rund um die Welt gelegt, die USA und Westeuropa geradezu damit überzogen. Die Rendite-Erwartungen konnten natürlich nicht erfüllt werden, die Firmen gingen pleite, die Leitungen blieben und konnten für ein Trinkgeld von neuen Betreibern übernommen werden. Noch heute sind viele Glasfaserleitungen aus dieser Zeit ungenutzt und warten wortwörtlich auf ihre "Erleuchtung". Spätestens wenn auch das Potential ausgeschöpft ist werden die Preise sich recht rasch multiplizieren und auch Themen wie Netzneutralität kommen zwangsläufig auf die Tagesordnung. Nicht zuletzt angesichts der Pfennigfuchserei der Kunden.

    Ich bin bei der Telekom und habe für ca. 35 Euro im Monat 6000er DSL und eine Festnetzflatrate. Billiger geht nicht und wenn in der Kalkulation kein Cent mehr für "Sörwis" da ist darf sich der pfennigfuchsende Deutsche auch nicht über selbige "Sörwiswüste" beklagen, wie dann trotzdem stets der Fall. Nein, die Preise sind geradezu läppisch. Der einzige Grund warum Bandbreite so spottbillig geworden ist war die DotCom-Blase. Damals wurden für Unsummen Glasfasern rund um die Welt gelegt, die USA und Westeuropa geradezu damit überzogen. Die Rendite-Erwartungen konnten natürlich nicht erfüllt werden, die Firmen gingen pleite, die Leitungen blieben und konnten für ein Trinkgeld von neuen Betreibern übernommen werden. Noch heute sind viele Glasfaserleitungen aus dieser Zeit ungenutzt und warten wortwörtlich auf ihre "Erleuchtung". Spätestens wenn auch das Potential ausgeschöpft ist werden die Preise sich recht rasch multiplizieren und auch Themen wie Netzneutralität kommen zwangsläufig auf die Tagesordnung. Nicht zuletzt angesichts der Pfennigfuchserei der Kunden.

    • ruero
    • 05.08.2010 um 18:08 Uhr

    SAUEREI!

  2. Google müßte doch mit am besten wissen, wie schnell sich Widerstand im Netz bildet… und als werbefinanziertes Unternehmen, ist Google nunmal durch User sehr verwundbar… wenn sich das also wirklich Alles bewahrheiten sollte, dann könnte die Community sich schnell gegen Google stellen und somit Druck ausüben… noch gibt es genug Alternativen, die nicht für Bandbreite zahlen und auf die man umschwenken könnte… dann müßte sich Google wohl üebrlegen, ob das ein kluger Schritt gewesen ist…
    Noch gilt im Netz: „Alle Macht dem User“. Das muß so bleiben!

  3. Ob das Verleger sind, die ihr Leistungsschutzgesetz durchbringen wollen, oder Netzbetreiber, die Geld sehen wollen. Es geht um Geld und das Internet ist ein ZUKUNFTSMARKT.

  4. Im Internet ist der beliebteste Content der am besten verfügbare. Ob das jetz videos oder Nachrichten sind. Irgendwann wird eben alles Google.

  5. mit dem Chinaproblem? Rein in die Kartoffeln und wieder raus aus diese. Heute Kämpfen für Meinungsfreiheit und.....,dann mal schnell umschwenken, weil Geld daran hängt.
    Sollte Google Geld von mir wollen ,dann wird es vom Rechner verbannt!

  6. ...ist ständige Wachsamkeit.

  7. Systeme sein welche eben diese Unarten kapitalistischer Gesellschaften, die starken gegen die schwachen auszuspielen und dies gleichzeitig als gerecht zu deklarieren, einschränken und regeln können.
    Wer mehr für Konsumgüter bezahlen will und kann soll dies tun, die Infrastruktur des Internet hat aber wesentlich vielfältigere Ansprüche zu bedienen als nur profane Profitmaximierung. Sofern wir dies wollen... das aber dürfte wiederum genauso undemokratisch mit der "Freiheit" der Märkte beantwortet werden wie dies bereits in vielen anderen sozialen Bereichen der Fall ist. Bezahlen dafür tun wir alle am Ende wenn mal die für alle zugänglichen Strukturen privatisiert wurden, doch gerade für Freiheit gibt es keinen Geldmässigen Gegenwert... Gerade auch die sich gerne als unabhängig bezeichnenden privaten Medien wandern auf einem schmalen Grad was die unabhängigkeit der Verbreiteten Information anbelangt. Die Ideologisch mehr und mehr besetzen und nun nicht mehr neutralen staatlichen Medien sind als ebenso zweifelhaft zu bezeichnen. Viele können dies wegen des Rendite und Profitzwanges bereits nicht mehr. Die Freiheit ist bereits einen leisen Tod gestorben und lebt gerade noch so von den letzen Illusionen.
    ..und, sich als modern und fortschrittlich deklarierende Nationen sollten sich gewisse Freiheiten leisten. Demokratisch legitimiert und das politische Spektrum berücksichtigend. Was sonst hebt diese von anderen nationen noch ab? Die Renditen der Bilanzen und mehr nicht?

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