Digitale Spaltung Hilfe für digitale Außenseiter

Inzwischen sind 72 Prozent der Deutschen online. Doch der digitale Graben besteht weiter, auch wegen ignoranter Behörden. Kleine Projekte helfen, ihn zu überwinden.

Computer und Internet sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Jedenfalls nicht für die 72 Prozent oder umgerechnet 48,3 Millionen deutschen Bürger über 14 Jahren, die inzwischen online sind. Diese Zahlen nannte die Initiative D21im Juli in ihrer jährlichen Studie über Internetnutzung in Deutschland . Doch die digitale Spaltung der Bevölkerung ist noch längst nicht überwunden: Noch immer verfügen knapp 18 Millionen Menschen über keinen Zugang zum Internet.

"Digitale Außenseiter" nannte eine Umfrage der Initiative D21 im März die Bevölkerungsgruppe, die nicht oder kaum mit Computern arbeitet. Sie zeichnet sich durch hohes Alter, geringe formale Bildung und überdurchschnittlich hohe Arbeitslosigkeit aus. Viele Hartz-IV-Empfänger beispielsweise haben keinen eigenen Zugang in die digitale Welt, ihnen fehlt das Geld für einen Computer. Auch Bürger mit Migrationshintergrund gehören häufig dazu. Der Umfrage nach stellt diese Gruppe mit 35 Prozent den größten Anteil der Nichtnutzer.

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Kein Wunder, dass die digitale Spaltung auch die Bundesregierung beschäftigt. So soll beispielsweise die Initiative "Internet Erfahren" den Bürgern den Weg in die Informationsgesellschaft vereinfachen. Auch in der Enquete-Kommission wird das Thema diskutiert. Doch die großen Erfolge bleiben noch aus. Zwar steigt die Zahl der Internetnutzer in Deutschland insgesamt, aber die ungleichmäßige Verteilung wird nur langsam geschlossen. Dazu tragen nicht die großen Initiativen, sondern immer häufiger kleine, oft ehrenamtlich geführte Projekte bei.

Eines dieser Projekte befindet sich in den Räumlichkeiten von agens e.V. im Berliner Bezirk Neukölln. Seit 1998 bietet der gemeinnützige Verein in Kooperation mit den Jobcentern Projekte an, um Medienkompetenz zu fördern.

Zum Beispiel mit der Schreibwerkstatt. Dort bekommen Bedürftige Hilfe zu Computern, Internet und allgemeinem Schriftverkehr. 1800 Kunden zählt das Projekt insgesamt. Etwa 400 davon kommen regelmäßig. Das Angebot ist inzwischen im Bezirk so bekannt, dass es keiner Werbung mehr bedarf, sagt Geschäftsführer Detlef Bischur.

York Kusterka kennt die Probleme. Er ist Ansprechpartner der Schreibwerkstatt und selbst Teilnehmer. "Nicht nur die Sprache stellt für viele ein Problem dar", sagt Kusterka, "Manche unserer Kunden sind seit über zwanzig Jahren arbeitslos und sollen plötzlich eine Onlinebewerbung schreiben – wie soll das gehen ohne Computer und entsprechende Kenntnisse?"

Die Frage ist berechtigt, und nicht nur die Jobsuche im Internet wird für viele zur Hürde. Immer mehr Behörden verlagern ihre Angebote ins Netz: Ob GEZ-Befreiung oder SCHUFA-Auskunft – wer nicht online ist, hat oft das Nachsehen. 

Leser-Kommentare
  1. Krass. Wer im Jahr 2010 kein Web nutzt, ist also ein digitaler Außenseiter. Und vor 15 Jahren war man ein Sonderling, wenn man online war. Nerd, Freak, sowas in der Richtung. Zeiten ändern sich.

  2. Vielleicht erinnert man sich noch an BTX. Zuerst kostenlos, auch staatlich gefördert - dann mit Gebühren - dann eingestellt.

    Die Pflicht zur Nutzung des Internets festigt, sogar staatlich unterstützt, diese Gelddruckmaschine für Großkonzerne.

    Die Computer sind doch nur Einmalkosten - das Ziel ist es doch, die Netznutzung (Leitungen) und Zugang zum Internet mit noch mehr Kosten zu belegen.

    Google hat doch schon begonnen. Einige Dienste verlangen schon 24h online.

    Diese "verordnete" Nutzung des Internets kostet heute schon, rechnet man fair alles zusammen (Strom für Computer, Router, Antivirus Programme etc. - DSL-Leitungen und Internetnutzung z.b. T-Online) ca. 100€/m.

    Ja, da werden tatsächlich Bürger ausgerenzt - und deren Anzahl wird steigen

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    Flatrate 20 € /Monat : 66 ct pro Tag
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    Tageskosten: 1,51 €
    im Monat 45,30 €

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    • 42317
    • 23.08.2010 um 11:50 Uhr

    Mitte der Neunziger sagte der EDV-Experte meiner Universität während einer Besprechung des Präsidiums: "Dieses Internet ist nur eine vorübergehende Modeerscheinung. Wir müssen uns damit nicht groß auseinandersetzen."

  3. Z.B. 6 Stunden online täglich:
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    Netbook 300€ verteilt auf 36 Monate: 0,28€
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    Aber wenigstens der Titel passt.

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    Aber wenigstens der Titel passt.

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    Antwort auf "Kopfrechnen: Schwach"
    • Mari o
    • 23.08.2010 um 13:35 Uhr

    DIE ZEIT kostet 3,80 in der Woche.
    Schon die können sich die angesprochene Zielgruppe kaum leisten.
    Geschweige den Kauf eines brand new Laptops.
    und dass ... ach und und und Der gemeine ZEIT-Leser hat noch nicht mal von seiner Ahnungslosigkeit eine Ahnung was das Thema Geldlosigkeit betrifft.
    aber der Artikel ist o.k.

  5. 8. ~ 1030

    Der eigentliche Graben wird im Artikel angesprochen, aber dann nicht weiter untersucht. Er ist in diesem Punkt einmal wieder die Langsamkeit staatlicher Einrichtungen. Warum müssen einmal wieder kleinere Initiativen einspringen, gestützt durch Spenden oder ehrenamtlich Tätige? Man erinnere sich exemplarisch an Worte aus der Politik über die Notwendigkeit von Bildung, einem Informationszeitalter oder flächendeckenden Breitbandzugang. Noch deutlicher wird der Graben bei solchen Setzungen wie dem Urteil des nordrhein-westfälischen Sozialgerichts. Dieses war in diesem Fall sogar noch einigermaßen vorsichtig, da es nichts ausschloss. Aber die Begründung, dass ein Haushalt auch ohne PC zu führen wäre, zeigt doch die Rückständigkeit auf, die hier zu einem logischen Graben mutiert, weil gerade von den Arbeitslosen Weiterbildung und permanente Bewerbungen erwartet wird - und das Internet hier eben mehr und mehr eine feste, bald wohl ausschließliche Größe ist.

    Auch bei älteren Menschen oder chronisch Kranken, weitere typische Kandidaten für das SGB II, gilt Ähnliches. Ämter bieten online-Dienste an, die gerade für jene eine Erleichterung wären, aber von jenen gerade nicht genutzt werden können. Ganz zu schweigen von den Kindern aus armen Familien, denen gleich Mittel UND Vorbild fehlen.

    Ich sehe da keine einfache Lösung. Und die Politik wohl auch nicht, weswegen sie wegschaut und es einmal wieder nicht-staatlichen Initiativen überlässt.

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