Computer und Internet sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Jedenfalls nicht für die 72 Prozent oder umgerechnet 48,3 Millionen deutschen Bürger über 14 Jahren, die inzwischen online sind. Diese Zahlen nannte die Initiative D21im Juli in ihrer jährlichen Studie über Internetnutzung in Deutschland . Doch die digitale Spaltung der Bevölkerung ist noch längst nicht überwunden: Noch immer verfügen knapp 18 Millionen Menschen über keinen Zugang zum Internet.

"Digitale Außenseiter" nannte eine Umfrage der Initiative D21 im März die Bevölkerungsgruppe, die nicht oder kaum mit Computern arbeitet. Sie zeichnet sich durch hohes Alter, geringe formale Bildung und überdurchschnittlich hohe Arbeitslosigkeit aus. Viele Hartz-IV-Empfänger beispielsweise haben keinen eigenen Zugang in die digitale Welt, ihnen fehlt das Geld für einen Computer. Auch Bürger mit Migrationshintergrund gehören häufig dazu. Der Umfrage nach stellt diese Gruppe mit 35 Prozent den größten Anteil der Nichtnutzer.

Kein Wunder, dass die digitale Spaltung auch die Bundesregierung beschäftigt. So soll beispielsweise die Initiative "Internet Erfahren" den Bürgern den Weg in die Informationsgesellschaft vereinfachen. Auch in der Enquete-Kommission wird das Thema diskutiert. Doch die großen Erfolge bleiben noch aus. Zwar steigt die Zahl der Internetnutzer in Deutschland insgesamt, aber die ungleichmäßige Verteilung wird nur langsam geschlossen. Dazu tragen nicht die großen Initiativen, sondern immer häufiger kleine, oft ehrenamtlich geführte Projekte bei.

Eines dieser Projekte befindet sich in den Räumlichkeiten von agens e.V. im Berliner Bezirk Neukölln. Seit 1998 bietet der gemeinnützige Verein in Kooperation mit den Jobcentern Projekte an, um Medienkompetenz zu fördern.

Zum Beispiel mit der Schreibwerkstatt. Dort bekommen Bedürftige Hilfe zu Computern, Internet und allgemeinem Schriftverkehr. 1800 Kunden zählt das Projekt insgesamt. Etwa 400 davon kommen regelmäßig. Das Angebot ist inzwischen im Bezirk so bekannt, dass es keiner Werbung mehr bedarf, sagt Geschäftsführer Detlef Bischur.

York Kusterka kennt die Probleme. Er ist Ansprechpartner der Schreibwerkstatt und selbst Teilnehmer. "Nicht nur die Sprache stellt für viele ein Problem dar", sagt Kusterka, "Manche unserer Kunden sind seit über zwanzig Jahren arbeitslos und sollen plötzlich eine Onlinebewerbung schreiben – wie soll das gehen ohne Computer und entsprechende Kenntnisse?"

Die Frage ist berechtigt, und nicht nur die Jobsuche im Internet wird für viele zur Hürde. Immer mehr Behörden verlagern ihre Angebote ins Netz: Ob GEZ-Befreiung oder SCHUFA-Auskunft – wer nicht online ist, hat oft das Nachsehen.