Digitale Spaltung Hilfe für digitale AußenseiterSeite 2/2

Die Behörden sehen das offensichtlich anders. So urteilte das Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen im Frühjahr, dass Hartz-IV Empfänger keinen grundsätzlichen Anspruch auf Computer haben. Die Begründung: Ein Haushalt lasse sich auch ohne einen PC führen.

Viele dürften also auch weiterhin auf die Hilfe der Neuköllner Schreibwerkstatt angewiesen sein. Die nicht nur Computer stellt: "Etwa 90 Prozent unserer Bewerbungen führen auch zu Vorstellungsgesprächen. Den Rest müssen die Kunden selbst meistern", sagt York Kusterka.

Eine andere Gruppe digitaler Außenseiter trifft sich in einer Senioren-Freizeitstätte im Prenzlauer Berg. Hier betreibt das Senioren-Internetcafe "Weltenbummler" einen seiner fünf Standorte in Berlin. Als Projekt des Humanistischen Verbandes Deutschlands bieten hier Ehrenamtliche mehrmals wöchentlich Internetkurse für ältere Menschen an. Auch dieser Service kommt gut an: Etwa 300 Teilnehmer besuchen die Kurse pro Jahr.

Der Wissensstand der Teilnehmer ist unterschiedlich: Einige hatten noch nie eine Maus in der Hand, andere kennen Computer zwar aus ihrem Arbeitsleben, aber nicht die Möglichkeiten, die beispielsweise das Internet mit sich bringt. In kleinen Gruppen und entspannter Atmosphäre werden die Senioren an die neuen Medien herangeführt.

Der erste Schritt in die digitale Welt sei dabei der Schwerste, sagt Heidi Kämpf, ehrenamtliche Dozentin im "Weltenbummler". So trauen sich viele Teilnehmer nicht, auch zu Hause alleine mit dem Computer zu arbeiten. Andere bekommen einfach nicht die nötige Unterstützung. Was fehlt ist auch hier der richtige und individuelle Zugang.

Dabei sind die Senioren durchaus interessiert: Immer mehr wissen, dass man das Internet nicht bloß als Kommunikations-, sondern auch als Informationskanal nutzen kann. Nach dem aktuellen (N)Onliner Atlas gab es in der Gruppe der 60- bis 69-Jährigen gar den größten Zuwachs an Internetnutzern im vergangenen Jahr. "Ich muss das jetzt lernen, schließlich möchte ich nichts verpassen", sagt eine Teilnehmerin des Kurses.

Um den digitalen Graben zu überbrücken bedarf es dieser kleinen Projekte, Dienstleistungen und Maßnahmen. Denn einen einheitlichen Weg in die digitale Gesellschaft gibt es nicht. Gerade Bedürftige, Geringverdiener und Bürger mit Migrationshintergrund müssen individuell an das Netz herangeführt werden. Nur so kann von dem "kulturellen Wandel durch das Internet", von dem Innenminister Thomas de Maizière vor einiger Zeit sprach , auch die gesamte Bevölkerung profitieren und der Graben dauerhaft geschlossen werden.

 
Leser-Kommentare
  1. Krass. Wer im Jahr 2010 kein Web nutzt, ist also ein digitaler Außenseiter. Und vor 15 Jahren war man ein Sonderling, wenn man online war. Nerd, Freak, sowas in der Richtung. Zeiten ändern sich.

  2. Vielleicht erinnert man sich noch an BTX. Zuerst kostenlos, auch staatlich gefördert - dann mit Gebühren - dann eingestellt.

    Die Pflicht zur Nutzung des Internets festigt, sogar staatlich unterstützt, diese Gelddruckmaschine für Großkonzerne.

    Die Computer sind doch nur Einmalkosten - das Ziel ist es doch, die Netznutzung (Leitungen) und Zugang zum Internet mit noch mehr Kosten zu belegen.

    Google hat doch schon begonnen. Einige Dienste verlangen schon 24h online.

    Diese "verordnete" Nutzung des Internets kostet heute schon, rechnet man fair alles zusammen (Strom für Computer, Router, Antivirus Programme etc. - DSL-Leitungen und Internetnutzung z.b. T-Online) ca. 100€/m.

    Ja, da werden tatsächlich Bürger ausgerenzt - und deren Anzahl wird steigen

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Z.B. 6 Stunden online täglich:
    Netbook 300 €, verteilt auf 36 Monate a 30 Tage: 0,83 ct pro Tag
    Strom für 6 Stunden Netbookbetrieb : 2 ct
    Virensoftware: kostenlos
    Router : Gibts mit der flatrate vom Provider
    Flatrate 20 € /Monat : 66 ct pro Tag
    =========================
    Tageskosten: 1,51 €
    im Monat 45,30 €

    Z.B. 6 Stunden online täglich:
    Netbook 300 €, verteilt auf 36 Monate a 30 Tage: 0,83 ct pro Tag
    Strom für 6 Stunden Netbookbetrieb : 2 ct
    Virensoftware: kostenlos
    Router : Gibts mit der flatrate vom Provider
    Flatrate 20 € /Monat : 66 ct pro Tag
    =========================
    Tageskosten: 1,51 €
    im Monat 45,30 €

    • 42317
    • 23.08.2010 um 11:50 Uhr

    Mitte der Neunziger sagte der EDV-Experte meiner Universität während einer Besprechung des Präsidiums: "Dieses Internet ist nur eine vorübergehende Modeerscheinung. Wir müssen uns damit nicht groß auseinandersetzen."

  3. Z.B. 6 Stunden online täglich:
    Netbook 300 €, verteilt auf 36 Monate a 30 Tage: 0,83 ct pro Tag
    Strom für 6 Stunden Netbookbetrieb : 2 ct
    Virensoftware: kostenlos
    Router : Gibts mit der flatrate vom Provider
    Flatrate 20 € /Monat : 66 ct pro Tag
    =========================
    Tageskosten: 1,51 €
    im Monat 45,30 €

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Netbook 300€ verteilt auf 36 Monate: 0,28€
    Netbook 300€ verteilt auf 12 Monate: 0,83€

    Aber wenigstens der Titel passt.

    Netbook 300€ verteilt auf 36 Monate: 0,28€
    Netbook 300€ verteilt auf 12 Monate: 0,83€

    Aber wenigstens der Titel passt.

  4. Netbook 300€ verteilt auf 36 Monate: 0,28€
    Netbook 300€ verteilt auf 12 Monate: 0,83€

    Aber wenigstens der Titel passt.

    Antwort auf "Kopfrechnen: Schwach"
    • Mari o
    • 23.08.2010 um 13:35 Uhr

    DIE ZEIT kostet 3,80 in der Woche.
    Schon die können sich die angesprochene Zielgruppe kaum leisten.
    Geschweige den Kauf eines brand new Laptops.
    und dass ... ach und und und Der gemeine ZEIT-Leser hat noch nicht mal von seiner Ahnungslosigkeit eine Ahnung was das Thema Geldlosigkeit betrifft.
    aber der Artikel ist o.k.

  5. 8. ~ 1030

    Der eigentliche Graben wird im Artikel angesprochen, aber dann nicht weiter untersucht. Er ist in diesem Punkt einmal wieder die Langsamkeit staatlicher Einrichtungen. Warum müssen einmal wieder kleinere Initiativen einspringen, gestützt durch Spenden oder ehrenamtlich Tätige? Man erinnere sich exemplarisch an Worte aus der Politik über die Notwendigkeit von Bildung, einem Informationszeitalter oder flächendeckenden Breitbandzugang. Noch deutlicher wird der Graben bei solchen Setzungen wie dem Urteil des nordrhein-westfälischen Sozialgerichts. Dieses war in diesem Fall sogar noch einigermaßen vorsichtig, da es nichts ausschloss. Aber die Begründung, dass ein Haushalt auch ohne PC zu führen wäre, zeigt doch die Rückständigkeit auf, die hier zu einem logischen Graben mutiert, weil gerade von den Arbeitslosen Weiterbildung und permanente Bewerbungen erwartet wird - und das Internet hier eben mehr und mehr eine feste, bald wohl ausschließliche Größe ist.

    Auch bei älteren Menschen oder chronisch Kranken, weitere typische Kandidaten für das SGB II, gilt Ähnliches. Ämter bieten online-Dienste an, die gerade für jene eine Erleichterung wären, aber von jenen gerade nicht genutzt werden können. Ganz zu schweigen von den Kindern aus armen Familien, denen gleich Mittel UND Vorbild fehlen.

    Ich sehe da keine einfache Lösung. Und die Politik wohl auch nicht, weswegen sie wegschaut und es einmal wieder nicht-staatlichen Initiativen überlässt.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service