Soziale Netzwerke Alle Freunde auf einen Klick

Eine gängige These: Das Internet macht Kontakte oberflächlich. Blödsinn! Wahre Freundschaften bleiben bestehen – und neue kommen im Netz hinzu. Von Christoph Koch

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat 600.000 Fans in seinem Profil

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat 600.000 Fans in seinem Profil

Da haben die Leute dann 300 Freunde – wer soll das denn glauben?, empören sich die Kritiker von Online-Netzwerken wie Facebook, Mein VZ oder MySpace. Das Internet zerstöre die wahre Freundschaft , behaupten Pessimisten wie der amerikanische Kulturkritiker William Deresiewicz. "Wir haben so viele Freunde im Internet, dass wir ein neues Wort für die echten brauchen", heißt es in der Werbekampagne einer Tageszeitung. Doch in Wirklichkeit sind das Internet und seine inzwischen 500 Millionen Menschen große Nation von Freunden namens Facebook nicht das Ende der Freundschaft – sondern eine Bereicherung. Mag sein, dass manch virtueller Austausch ("Tolles Foto!" / "Danke, hat Tina auf Sardinien gemacht.") trivial erscheint – aber ist diese angebliche Oberflächlichkeit wirklich so schlimm?

Tatsächlich liegt gerade in der Möglichkeit, mal unverbindlich und schnell, mal intensiv und direkt zu kommunizieren, ein großer Gewinn. Da ist die berufstätige Mutter, der noch weniger Zeit bleibt, seit sie die Fortbildung angefangen hat. Abends, wenn die Kleinen schlafen, schafft sie es zwar nicht mehr, mit ihren Freundinnen tanzen oder ins Kino zu gehen – aber ein paar Zeilen, Fotos und Neuigkeiten online auszutauschen, das geht leichter. Oder die alten Freunde, die vor Jahren eine WG teilten, nun in verschiedenen Städten wohnen und sich nur noch alle paar Jahre treffen. Wenn das geschieht, müssen sie sich nicht mehr mühsam auf den neuesten Stand bringen, sondern sind über das Leben des anderen durch Facebook-Updates so auf dem Laufenden, als würden sie sich viel öfter treffen. Und kommen so schneller zu den tatsächlich relevanten, persönlichen Themen.

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Der Streit "Internetfreundschaft" versus "echte Freundschaft" ist ohnehin albern. Wer glaubt, dass seine Mitmenschen ihren besten Freund nicht von einem Online-Profil unterscheiden können, ist mindestens so naiv, wie er es diesen Mitmenschen unterstellt. Jedem ist klar, dass die Tatsache, ob man jemanden um Hilfe bitten würde oder im Krankenhaus besucht, nicht im Geringsten davon abhängt, ob man auf Facebook befreundet ist oder nicht.

Die ganze angebliche Verwirrung um den Freundesbegriff, die durch die sozialen Netzwerke entstanden ist, ist nur eine scheinbare. Denn die Nuancen der unterschiedlichsten Freundschaftsmodelle waren stets feiner, als die Sprache sie vermitteln konnte. "Freund" konnte schon immer vieles bedeuten: vom Kindergartenfreund, den man seit Ewigkeiten kennt, aber mit dem man nicht mehr allzu viel zu tun hat, über den besten Freund, den man vielleicht noch gar nicht so lange kennt, aber dafür sehr gut, bis zu dem Kollegen, der eben mehr ist als nur das, weil man auch privat gerne Zeit miteinander verbringt. Von dem Wandel, den das Konzept Freundschaft im Lauf der Geschichte durchgemacht hat, gar nicht zu reden.

Diejenige tiefe Freundschaft, die man "im echten Leben" meist nur für eine Handvoll Menschen empfindet, entsteht aus miteinander verbrachter Zeit, gewachsener Loyalität und Ehrlichkeit. Aus Liebe, regelmäßigem Austausch, geteilter Freude und gemeinsamem Frust. Doch diese Form der Freundschaft ist nur eine von vielen – eine, die völlig unabhängig von Facebook existiert und vom Internet weder gefördert noch bedroht wird.

Denn schon immer gab es neben den engen Freunden auch eine große Gruppe von Freunden, die man schätzt, mit denen man aber nicht zu jeder Zeit ein stundenlanges Gespräch führen möchte. "Früher haben manche Leute extra zu einem Zeitpunkt angerufen, zu dem sie wussten, der andere würde nicht zu Hause sein", sagt Charles Steinfield, Kommunikationswissenschaftler an der Michigan State University. "Sie wollten bewusst den Anrufbeantworter erreichen, um eine Information übermitteln zu können, ohne persönlich interagieren zu müssen." Steinfield ist einer von drei Autoren der Studie " The Benefits of Facebook 'Friends' ", die sich mit den Auswirkungen von sozialen Netzwerken auf Freundschaft und Wohlbefinden beschäftigt hat.

Leser-Kommentare
  1. 1. Zeit?

    Der ganze Social-Media wird meiner bescheidenen Meinung nach völlig überbewertet.

    "Normale" Jugendliche ab 20-25 (ausser Studenten mit Zeit) sowie erwachsenen Personen (mit entsprechendem Leben) können es sich von der Zeit überhaupt nicht mehr leisten stundenlang im Netz rumzuhängen...

    Ich weiß nicht wer diesen Hype ausgerufen hat aber real was mit der Wirklichkeit hat das wohl eher weniger zu tun.

    E-Mail ist heute viel "normaler" durch alle Altersklassen und Schichten.

    Ich kenne von meinen reichlichen Freunden und Bekannten nur 2-3 die sich via Facebook registriert haben. Und das auch wohl nur wegen des Jobs (Schauspieler/)- weil das wohl alle machen. Aktiv sind die aber da auch nicht. Die bekommen nur die Mails von dort weitergeleitet.

    Ich persönlich hab das nicht vor.
    Ich bin schon froh wenn ich alle beruflichen und privaten Mail am Tag abwickeln kann. Ich brauche nicht noch irgendwelche Chats...

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    [...]

    Das Problem fängt damit an, dass der Autor unreflektiert die Ergebnisse von Studien übernimmt, ohne sich damit auseinander zusetzen. [...] Nur kurz:
    1. Widersprüchliche udn inflationäre Verwendung von "Freund".Etymologisch udn semantisch keinerlei Berücksichtigung.
    2. Subjektive und im Ergebnis nicht fundierte Projektion der eigenen Vorstellungen vorab auf das Forschungsergebnis. [...]

    PS.: Da ich sehr selektiv in der Auswahl meiner Freude bin, kann/konnte unter Zugrundelegung meiner Auswahlparameter sowie Determinanten das Social Web mit hohem Überwiegen niemals diese Aufgabe erfüllen. Das stelle ich als absoluter "Internet-Nativ (aber nicht im geborenen Sinne) fest.Meine echten Freunde: & Personen. Der Rest interessiert mich weder real noch virtuell.

    Achten Sie bitte auf einen respektvollen Umgangston gegenüber dem Autor. Danke. Die Redaktion/sh

    [...]

    Das Problem fängt damit an, dass der Autor unreflektiert die Ergebnisse von Studien übernimmt, ohne sich damit auseinander zusetzen. [...] Nur kurz:
    1. Widersprüchliche udn inflationäre Verwendung von "Freund".Etymologisch udn semantisch keinerlei Berücksichtigung.
    2. Subjektive und im Ergebnis nicht fundierte Projektion der eigenen Vorstellungen vorab auf das Forschungsergebnis. [...]

    PS.: Da ich sehr selektiv in der Auswahl meiner Freude bin, kann/konnte unter Zugrundelegung meiner Auswahlparameter sowie Determinanten das Social Web mit hohem Überwiegen niemals diese Aufgabe erfüllen. Das stelle ich als absoluter "Internet-Nativ (aber nicht im geborenen Sinne) fest.Meine echten Freunde: & Personen. Der Rest interessiert mich weder real noch virtuell.

    Achten Sie bitte auf einen respektvollen Umgangston gegenüber dem Autor. Danke. Die Redaktion/sh

  2. guter artikel!

    -> heute beim frühstück - neben mir saß ein typ den ich irgendwie kannte.
    ich: ihr gesicht kommt mir bekannt vor. er: ich bin robin meyer-lucht. ich: ah, sie sind das, wir sind auf facebook befriendet. er, der zunächst distanzierte, öffnete sich. wir plauderten ein wenig, ich fotografierte ihn für mein blog http://nahportrait.blogsp... - und gingen unsere wege. durch die interaktion hat sich etwas geöffnet, und erweitert. bei der nächsten begegnung werden wir uns ein kleines stück näher sein ..

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    Natürlich ist das ganz wichtig für die Leute die sich im realen Leben wie im Cafe/Bar/Bahn/Wald und Flur.... mit dem Laptop aufhalten.

    Ist klar. Na ja sein Leben soll jeder machen wie er will.

    Natürlich ist das ganz wichtig für die Leute die sich im realen Leben wie im Cafe/Bar/Bahn/Wald und Flur.... mit dem Laptop aufhalten.

    Ist klar. Na ja sein Leben soll jeder machen wie er will.

  3. Natürlich ist das ganz wichtig für die Leute die sich im realen Leben wie im Cafe/Bar/Bahn/Wald und Flur.... mit dem Laptop aufhalten.

    Ist klar. Na ja sein Leben soll jeder machen wie er will.

    Antwort auf "friends und andere"
  4. Ich bin immer wieder beeindruckt wie skeptisch wir Deutschen sind. Schön, dass es noch Leute gibt, die einen klaren und optimistischen Blick auf die Welt haben. Kurz: Facebook ist einfach toll.
    Vielleicht sollten wir auch noch über folgende Themen mal positiv, optimistisch berichten. Hier sind die Titel von einigen ZEIT Artikeln, die noch geschrieben werden müssen.

    - Stuttgart 21: Eine verrückte Stadt, die sich dagegen wehrt einen der modernsten Bahnhöfe der Welt zu bekommen
    - Google StreetView: Wie die Möglichkeit die Welt vom Sofa zu erkunden von Bedenkenträgern zerstört wird.
    - Armut in Deutschland: Wie ein relativer Armutsbegriff ein reiches Land zu Bettlern macht.
    - Chancen in Deutschland: Davon, dass man mit Fleiß und Können immer noch reich werden kann.

  5. Der Tenor des gesamten Artikels ist erst einmal vollkommen richtig. Nichts spricht dafür, dass allein die Möglichkeiten von Social Media die Authentizität von Beziehungen desavouieren. Die Frage aus meiner Sicht wäre vielmehr, inwieweit Organisation und Sprachstandards der Plattformen selbst die Interaktion banalisieren. Restlos zufrieden zumindest scheinen die Wenigsten auf Facebook & Co.

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    Entfernt. Bitte achten Sie auf einen respektvollen Umgangston. Danke. Die Redaktion/sh

    Entfernt. Bitte achten Sie auf einen respektvollen Umgangston. Danke. Die Redaktion/sh

  6. [...]

    Das Problem fängt damit an, dass der Autor unreflektiert die Ergebnisse von Studien übernimmt, ohne sich damit auseinander zusetzen. [...] Nur kurz:
    1. Widersprüchliche udn inflationäre Verwendung von "Freund".Etymologisch udn semantisch keinerlei Berücksichtigung.
    2. Subjektive und im Ergebnis nicht fundierte Projektion der eigenen Vorstellungen vorab auf das Forschungsergebnis. [...]

    PS.: Da ich sehr selektiv in der Auswahl meiner Freude bin, kann/konnte unter Zugrundelegung meiner Auswahlparameter sowie Determinanten das Social Web mit hohem Überwiegen niemals diese Aufgabe erfüllen. Das stelle ich als absoluter "Internet-Nativ (aber nicht im geborenen Sinne) fest.Meine echten Freunde: & Personen. Der Rest interessiert mich weder real noch virtuell.

    Achten Sie bitte auf einen respektvollen Umgangston gegenüber dem Autor. Danke. Die Redaktion/sh

    Antwort auf "Zeit?"
  7. Entfernt. Bitte achten Sie auf einen respektvollen Umgangston. Danke. Die Redaktion/sh

  8. Der "Austausch", den der Autor im ersten Absatz zitiert ("Tolles Foto!" / "Danke, hat Tina auf Sardinien gemacht.") mag trivial erscheinen - doch im normalen Alltagsleben sagen wir solche Dinge doch auch. Dass solche Dinge, bei Facebook niedergeschrieben, Kritiker als oberflächlich abstempeln, liegt doch nur daran, dass es eben schriftlich fixiert wurde. Dahinter steckt die Vorstellung, dass Niedergeschriebenes nicht oberflächlich zu sein habe. Als ob im Land der Dichter und Denker nur Hochtrabendes in Buchstaben gegossen und Triviales nur mündlich kommuniziert werden dürfte.

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