Soziale Netzwerke Alle Freunde auf einen Klick
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Mehr als 150 Freunde schaffen wir nicht

Die Ursprünge der "Dunbar Number" liegen gut 20 Jahre zurück. Der Anthropologe beschäftigte sich damals mit der Größe von Gruppen, in der verschiedene Affenarten zusammenleben. Dabei stellten er und sein Team fest, dass sich die Größe einer Gruppe proportional ansteigend zur Größe des sogenannten Neocortex des jeweiligen Affenhirns verhielt.

"Der Neocortex ist grob gesagt der Teil des Gehirns, der für das analytische Denken zuständig ist", sagt Dunbar, "und er ist bei Menschen größer als bei Affen. Ich rechnete also hoch, was die ideale Gruppengröße für den Menschen ist – und kam auf die 150." In der Folge suchte Dunbar in der Menschheitsgeschichte nach der Zahl und war selbst überrascht, wie oft er sie fand: Bei über 20 Stammesgesellschaften, von denen Statistiken existieren, liegt die durchschnittliche Größe eines Stammes bei 153. Vom alten Rom bis zur modernen US Army umfassen Kompanien – die kleinste unabhängige Einheit – rund 150 Mann. Nomadenvölker ziehen meist in Gruppen von ungefähr 150 durch die Wüste. Sogar die Kirchengemeinden der Amish spalten sich in zwei neue Gruppen auf, wenn sie eine Größe von ungefähr 150 erreichen.

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Doch woran liegt das? "Es ist zum einen unser Gehirn", erklärt Dunbar. "Bei 150 stoßen wir an eine Kapazitätsgrenze und können uns nicht mehr genau merken, wer die Leute sind, woher wir sie kennen, geschweige denn, was sie so alles tun, mögen und so weiter. Denn der zweite wichtige Faktor ist Zeit: Damit eine Freundschaft längere Zeit überdauert, müssen wir immer wieder Zeit miteinander verbringen, uns austauschen, erfahren, was bei dem anderen so los ist."

Aber wie wichtig ist es, ob solche Treffen online oder in echt stattfinden? Der Freundschaftsforscher sagt, das sei bei den Geschlechtern verschieden. "Frauen sind kommunikativere Wesen, sie sind gut darin, eine Freundschaft über längere Zeit am Leben zu erhalten, auch wenn sie nur miteinander telefonieren oder chatten oder Mails schreiben", sagt Dunbar. "Aber Männer müssen sich ab und zu treffen, sich betrinken und ihre Köpfe gegen Bäume schlagen, wenn ihre Freundschaft sich nicht in Luft auflösen soll."

Doch auch wenn Dunbar vermutlich recht hat, so besteht die Alternative oft nicht zwischen "Treffe ich meine Freunde real oder virtuell?", sondern zwischen "Treffe ich meine Freunde virtuell oder gar nicht?". Denn je individualisierter eine Gesellschaft wird, je unterschiedlicher die Tagesabläufe und je mobiler die Jobprofile, desto schwieriger wird der Stammtisch, das regelmäßige Tennismatch oder das gute Gespräch über einem Glas Wein. Ist also ein Abend auf Mein VZ oder Facebook besser als ein Abendessen, das man für eine Handvoll Freunde gekocht hat und gemeinsam mit ihnen in angeregter Unterhaltung genießt? Sicher nicht. Hat man jeden Abend Zeit für ein solches Luxusprogramm? Eben. Und statt allein vor dem Fernseher zu sitzen, sind ein paar Nachrichten, die man online mit Freunden austauscht, sicher nicht die schlechteste Alternative.

Das Vorurteil, Menschen mit einem großen virtuellen Freundeskreis seinen Sozialphobiker mit schlechter Haut, schlechter Frisur und schlechten Tischmanieren, die im "echten Leben" einfach keine Chance hätten, stimmt doppelt nicht: zum einen, weil mehrere Studien zeigen, dass Menschen, die online aufgeschlossen sind und viele Kontakte haben, auch in der Realität über einen größeren Freundeskreis verfügen. Zum Zweiten, weil selbst die im Internet geschlossenen Freundschaften sehr oft irgendwann in die Realität übertragen werden. Wer sich online über gemeinsame Interessen kennenlernt – und gemeinsame Interessen sind ein besserer Grundstein für Freundschaft als durch Zufall im selben Dorf geboren oder im selben Büro angeheuert worden zu sein –, will sich meist auch irgendwann von Angesicht zu Angesicht gegenübertreten. Fast immer stellt man dann fest, dass die andere Person in echt genauso lustig, klug oder interessant ist wie im Netz.

Die Angst, wer zu viele Freunde habe, könne es mit den einzelnen nicht ernst meinen, ist in dieser Form eine urdeutsche. Den in Sachen Freundschaft entspannteren Amerikanern wird deshalb auch bei jeder Gelegenheit Oberflächlichkeit vorgeworfen und ebenso moralinsauer gewarnt: "Die laden dich dann zu sich nach Hause ein, meinen es aber im Grunde gar nicht ernst!"

Man möchte mit einer Szene aus der Cartoonserie "Die Simpsons" antworten, in der Barts Klassenkamerad Martin Prince angesichts eines vor Kindern überquellenden Swimmingpools ruft: "Mehr Freunde, mehr Verbündete, mehr von allem! Hängt, die, die von weniger reden!" Recht hat er. Eine halbe Milliarde Facebooknutzer sind seine Zeugen.

Der Autor, begeisterter Nutzer des Internets, hat vor kurzem über einen Monat darauf verzichtet, online zu gehen. Von seinem Selbstversuch berichtet er in „Ich bin dann mal offline“ (Blanvalet Verlag).

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Zeit?

    Der ganze Social-Media wird meiner bescheidenen Meinung nach völlig überbewertet.

    "Normale" Jugendliche ab 20-25 (ausser Studenten mit Zeit) sowie erwachsenen Personen (mit entsprechendem Leben) können es sich von der Zeit überhaupt nicht mehr leisten stundenlang im Netz rumzuhängen...

    Ich weiß nicht wer diesen Hype ausgerufen hat aber real was mit der Wirklichkeit hat das wohl eher weniger zu tun.

    E-Mail ist heute viel "normaler" durch alle Altersklassen und Schichten.

    Ich kenne von meinen reichlichen Freunden und Bekannten nur 2-3 die sich via Facebook registriert haben. Und das auch wohl nur wegen des Jobs (Schauspieler/)- weil das wohl alle machen. Aktiv sind die aber da auch nicht. Die bekommen nur die Mails von dort weitergeleitet.

    Ich persönlich hab das nicht vor.
    Ich bin schon froh wenn ich alle beruflichen und privaten Mail am Tag abwickeln kann. Ich brauche nicht noch irgendwelche Chats...

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    [...]

    Das Problem fängt damit an, dass der Autor unreflektiert die Ergebnisse von Studien übernimmt, ohne sich damit auseinander zusetzen. [...] Nur kurz:
    1. Widersprüchliche udn inflationäre Verwendung von "Freund".Etymologisch udn semantisch keinerlei Berücksichtigung.
    2. Subjektive und im Ergebnis nicht fundierte Projektion der eigenen Vorstellungen vorab auf das Forschungsergebnis. [...]

    PS.: Da ich sehr selektiv in der Auswahl meiner Freude bin, kann/konnte unter Zugrundelegung meiner Auswahlparameter sowie Determinanten das Social Web mit hohem Überwiegen niemals diese Aufgabe erfüllen. Das stelle ich als absoluter "Internet-Nativ (aber nicht im geborenen Sinne) fest.Meine echten Freunde: & Personen. Der Rest interessiert mich weder real noch virtuell.

    Achten Sie bitte auf einen respektvollen Umgangston gegenüber dem Autor. Danke. Die Redaktion/sh

    [...]

    Das Problem fängt damit an, dass der Autor unreflektiert die Ergebnisse von Studien übernimmt, ohne sich damit auseinander zusetzen. [...] Nur kurz:
    1. Widersprüchliche udn inflationäre Verwendung von "Freund".Etymologisch udn semantisch keinerlei Berücksichtigung.
    2. Subjektive und im Ergebnis nicht fundierte Projektion der eigenen Vorstellungen vorab auf das Forschungsergebnis. [...]

    PS.: Da ich sehr selektiv in der Auswahl meiner Freude bin, kann/konnte unter Zugrundelegung meiner Auswahlparameter sowie Determinanten das Social Web mit hohem Überwiegen niemals diese Aufgabe erfüllen. Das stelle ich als absoluter "Internet-Nativ (aber nicht im geborenen Sinne) fest.Meine echten Freunde: & Personen. Der Rest interessiert mich weder real noch virtuell.

    Achten Sie bitte auf einen respektvollen Umgangston gegenüber dem Autor. Danke. Die Redaktion/sh

  2. guter artikel!

    -> heute beim frühstück - neben mir saß ein typ den ich irgendwie kannte.
    ich: ihr gesicht kommt mir bekannt vor. er: ich bin robin meyer-lucht. ich: ah, sie sind das, wir sind auf facebook befriendet. er, der zunächst distanzierte, öffnete sich. wir plauderten ein wenig, ich fotografierte ihn für mein blog http://nahportrait.blogsp... - und gingen unsere wege. durch die interaktion hat sich etwas geöffnet, und erweitert. bei der nächsten begegnung werden wir uns ein kleines stück näher sein ..

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    Natürlich ist das ganz wichtig für die Leute die sich im realen Leben wie im Cafe/Bar/Bahn/Wald und Flur.... mit dem Laptop aufhalten.

    Ist klar. Na ja sein Leben soll jeder machen wie er will.

    Natürlich ist das ganz wichtig für die Leute die sich im realen Leben wie im Cafe/Bar/Bahn/Wald und Flur.... mit dem Laptop aufhalten.

    Ist klar. Na ja sein Leben soll jeder machen wie er will.

  3. Natürlich ist das ganz wichtig für die Leute die sich im realen Leben wie im Cafe/Bar/Bahn/Wald und Flur.... mit dem Laptop aufhalten.

    Ist klar. Na ja sein Leben soll jeder machen wie er will.

    Antwort auf "friends und andere"
  4. Ich bin immer wieder beeindruckt wie skeptisch wir Deutschen sind. Schön, dass es noch Leute gibt, die einen klaren und optimistischen Blick auf die Welt haben. Kurz: Facebook ist einfach toll.
    Vielleicht sollten wir auch noch über folgende Themen mal positiv, optimistisch berichten. Hier sind die Titel von einigen ZEIT Artikeln, die noch geschrieben werden müssen.

    - Stuttgart 21: Eine verrückte Stadt, die sich dagegen wehrt einen der modernsten Bahnhöfe der Welt zu bekommen
    - Google StreetView: Wie die Möglichkeit die Welt vom Sofa zu erkunden von Bedenkenträgern zerstört wird.
    - Armut in Deutschland: Wie ein relativer Armutsbegriff ein reiches Land zu Bettlern macht.
    - Chancen in Deutschland: Davon, dass man mit Fleiß und Können immer noch reich werden kann.

  5. Der Tenor des gesamten Artikels ist erst einmal vollkommen richtig. Nichts spricht dafür, dass allein die Möglichkeiten von Social Media die Authentizität von Beziehungen desavouieren. Die Frage aus meiner Sicht wäre vielmehr, inwieweit Organisation und Sprachstandards der Plattformen selbst die Interaktion banalisieren. Restlos zufrieden zumindest scheinen die Wenigsten auf Facebook & Co.

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    Entfernt. Bitte achten Sie auf einen respektvollen Umgangston. Danke. Die Redaktion/sh

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  6. [...]

    Das Problem fängt damit an, dass der Autor unreflektiert die Ergebnisse von Studien übernimmt, ohne sich damit auseinander zusetzen. [...] Nur kurz:
    1. Widersprüchliche udn inflationäre Verwendung von "Freund".Etymologisch udn semantisch keinerlei Berücksichtigung.
    2. Subjektive und im Ergebnis nicht fundierte Projektion der eigenen Vorstellungen vorab auf das Forschungsergebnis. [...]

    PS.: Da ich sehr selektiv in der Auswahl meiner Freude bin, kann/konnte unter Zugrundelegung meiner Auswahlparameter sowie Determinanten das Social Web mit hohem Überwiegen niemals diese Aufgabe erfüllen. Das stelle ich als absoluter "Internet-Nativ (aber nicht im geborenen Sinne) fest.Meine echten Freunde: & Personen. Der Rest interessiert mich weder real noch virtuell.

    Achten Sie bitte auf einen respektvollen Umgangston gegenüber dem Autor. Danke. Die Redaktion/sh

    Antwort auf "Zeit?"
  7. Entfernt. Bitte achten Sie auf einen respektvollen Umgangston. Danke. Die Redaktion/sh

  8. Der "Austausch", den der Autor im ersten Absatz zitiert ("Tolles Foto!" / "Danke, hat Tina auf Sardinien gemacht.") mag trivial erscheinen - doch im normalen Alltagsleben sagen wir solche Dinge doch auch. Dass solche Dinge, bei Facebook niedergeschrieben, Kritiker als oberflächlich abstempeln, liegt doch nur daran, dass es eben schriftlich fixiert wurde. Dahinter steckt die Vorstellung, dass Niedergeschriebenes nicht oberflächlich zu sein habe. Als ob im Land der Dichter und Denker nur Hochtrabendes in Buchstaben gegossen und Triviales nur mündlich kommuniziert werden dürfte.

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