Transparenz : Gebt uns unsere Daten wieder

Zwei Drittel der Deutschen wünschen sich eine transparentere Regierung, die offener mit ihren Daten umgeht. Sie würden ihr nicht zuletzt mehr Vertrauen schenken.
Ein Open-Data-Aktivist formt mit den Händen ein "OG" - die Abkürzung für Open Government

Offene Daten, so das Postulat derjenigen, die sich mit dem barrierefreien Zugang zu staatlichen Informationen beschäftigen, führten zu mehr Vertrauen und besserer Regierungsarbeit. Einige Politiker haben das bereits verstanden. Anfang vergangenen Jahres verkündete US-Präsident Barack Obama, seine Regierung  werde künftig transparenter sein. Die dazugehörige Initiative nennt sich "Open Government" und zeichnet sich dadurch aus, dass sie den Bürgern Behördendaten frei zugänglich macht – zum Beispiel im Internet.

In Deutschland wird das Konzept seit März dieses Jahres in der Enquete-Kommission "Internet und digitale Gesellschaft" diskutiert. Wie groß das Interesse an offenen Daten in der Bevölkerung ist, zeigt eine aktuelle Umfrage der Gesellschaft für Sozialforschung forsa. Sie befragte im Auftrag des SAS Instituts 1018 Bürger über die Vor- und Nachteile von Open Data.

Die Ergebnisse dürften die Befürworter zunächst freuen: Insgesamt sprechen sich 68 Prozent der Befragten für eine regelmäßige Veröffentlichung amtlicher und nicht-personenbezogener Daten durch die Behörden aus. Nur 28 Prozent sind dagegen. Den größten Vorteil sehen die Befragten dabei im Informationsgewinn: 81 Prozent glauben, dass die Bürger dadurch einen besseren Einblick in die Politik erhalten könnten.

Zudem sind 76 Prozent der Meinung, dass Behörden effektiver arbeiten würden, wenn es mehr Transparenz gäbe. Und immerhin 73 Prozent glauben, die Ämter könnten dadurch besser kontrolliert werden.

Das alles sind Ergebnisse, die für das Modell sprechen, so viele Informationen wie möglich so leicht wie möglich zugänglich zu machen. Immerhin gibt es inzwischen diverse Beispiele aus dem Alltag , die die Vorteile belegen. Eines der interessantesten hierzulande ist "Frankfurt gestalten" . Das Projekt will nicht nur den Bürgern Informationen der Stadt zugänglich machen, es will einen Dialog. Auch von den Bürgern gesammelte Daten sollen im Gegenzug der Stadt nutzen. Etwa über Straßen, die dringend repariert werden müssen.

Doch obwohl offensichtlich viele Menschen an solchen Nutzen glauben, gibt es auch einige Befürchtungen im Zusammenhang mit Open Data. Die größten haben die Befragten, wenn es darum geht, was genau dort veröffentlicht werden soll: 69 Prozent fürchten beispielsweise, dass die Daten für Laien nur schwer verständlich seien. Vor allem Hauptschulabsolventen und Senioren sehen darin ein Problem. Gut die Hälfte glaubt zudem, dass die Bürger die Informationsflut nicht sinnvoll nutzen könnten.

Auch scheint das Konzept von Open Data viele noch zu verunsichern: 67 Prozent sind sich beispielsweise unklar darüber, welche Folgen die Veröffentlichung von Daten genau haben könnte. Vor allem die Gruppe der 18- bis 29-Jährigen äußerte Bedenken, dass die öffentlichen Daten auch negativ verwendet werden könnten.

Ein vergleichsweise kleines Problem ist dabei der Datenschutz selbst: Nur 16 Prozent sehen dort spontan eine Gefahr. Der niedrige Wert lässt sich möglicherweise dadurch erklären, dass in der Umfrage ausdrücklich von nicht-personenbezogenen Daten gesprochen wird.

 

Neben Vor- und Nachteilen wurde in der Studie auch danach gefragt, ob die Bürger die Daten im Falle einer Veröffentlichung denn tatsächlich aktiv nutzen würden. Hier fällt das Interesse schon geringer aus: Nur 31 Prozent der Befragten wollen die Daten auf jeden Fall auch einsehen. 38 Prozent beantworteten die Frage immerhin mit "wahrscheinlich", wobei das Interesse mit steigendem Alter der Befragten deutlich sinkt.

Der Bildungsgrad spielt ebenfalls eine Rolle: Knapp über die Hälfte der Befragten mit Abitur oder Studienabschluss will sich solche Daten wahrscheinlich anschauen. Bei den Befragten mit Hauptschulabschluss liegt der Wert mit 31 Prozent deutlich niedriger.

Dennoch zeigt die Umfrage, dass die Bürger ein grundlegendes Interesse haben, dass Ämter, Behörden und Organisationen Daten jedem ohne Bedingungen zugänglich machen. Denn darum geht es. Die Idee der Bewegung besagt, dass die Allgemeinheit mit ihren Steuern für die Erhebung und Sammlung bezahlt hat und daher auch davon profitieren sollte. Vor allem die jüngeren Befragten unterstützen den Gedanken, dass dies auch eine offenere Regierung mit sich bringen würde. Ja 71 Prozent der 18- bis 29-Jährigen sagt gar, dass durch eine solche Initiative ihr Vertrauen in die Regierung gestärkt würde.

Ältere Bürger sind da skeptischer: Doch auch bei ihnen traut jeder zweite der Bewegung eine Veränderung der Politik zu.

Um die Möglichkeiten wirklich nutzen zu können, müsste die Veröffentlichung amtlicher Daten allerdings nicht nur als Gefälligkeit der Regierung, sondern als allgemeines Recht anerkannt werden. Davon ist man offenbar noch weit entfernt: Fünf Prozent aller Befragten immerhin äußerten von sich aus die Ansicht, dass Bürger generell ein Recht auf die Einsicht in Behördendaten hätten.

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Kommentare

13 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Sitzungsprotokolle

Schlösse das auch Sitzungsprotokolle ein ? Gerade wenn sich Regierungsvertreter des Bundes und der Länder zu nächtlichen Sitzungen mit Wirtschafts- und Gewerkschaftsvertretern sowie "Experten" treffen, möchte ich zumindest gerne manchmal Mäuschen sein. Eigentlich spricht nichts dagegen. Von Sicherheitsrisiken kann bei einer Runde die z.B. eine Gesundheitsreform bespricht wohl kaum die Rede sein.
Schon lange weigern sich Politiker nach solchen Sitzungen durch Anwendung von "Politsprech" ihre Entscheidungen ausreichend zu begründen. Derartige Datensätze könnten da Einblicke in die Entscheidungsfindung liefern.
Ob und wieweit die Daten von Bürgern tatsächlich genutzt werden, ist zweitrangig und nur dann von Belang wenn dem ein immenser Kostenaufwand gegenüber stünde (was unwahrscheinlich ist).

Der Geschmack kommt beim Essen

Erst wenn die Daten frei und offen zugänglich sind, kann man überprüfen, wie die Öffentlichkeit sie tatsächlich zur Kontrolle der Politik und Verwaltung sowie zur Partizipation und durchaus auch zur konstruktiven Eigenbeteiligung an Verbesserungsprozessen nutzen.

Im übrigen dürfte es oftmals nur weniger motivierter Bürger brauchen, um einen Kontroll- oder Innovationsschritt auszulösen. Gibt man die Daten frei, befasst sich u.U. nur eine kleine Gruppe von Freizeit-Spezialisten mit einer Thematik, die darüber dann aber bloggen oder in anderen Foren berichten und einen Prozess mit letztlich großer Bürger-Beteiligung anstoßen kann. Da jeder Bürger sich in die Details einlesen kann, wird über den Status und die Ziele ein offener und höchst demokratischer Diskurs stattfinden.

Auch wenn sich bei Abstimmungen nach solchen Diskursen nur eine Seite durchsetzen kann, ist das die Spielwiese der Demokratie der Zukunft. Immer weniger Menschen werden zukünftig akzeptieren, dass es keine Feedback-Schleife in den Verwaltungsapparat gibt, der über die Randbedingungen ihres Lebens
wacht und entscheidet.

Das Zauberwort heißt konstruktive Partizipation und das geht nur mit einer gut informierten und wachen Bevölkerung, die einen ungehinderten Zugriff auf eine maximal mögliche Datenbasis erhält. Erst wenn die Daten offen sind, kann sich eine Dynamik entwickeln, wie die Öffentlichkeit tatsächlich mit den Daten umgeht. Umfragen im Vorfeld sind da höchst statisch und synthetisch.

Y.S.

Es würde schon reichen...

...wenn der Staat NUR noch dann mit Unternehmen Verträge schleißt, wenn sich diese VERPFLICHTEN, einer Öffentlichkeit dieser Verträge zuzustimmen.

Ich sage nur
- Mautverträge
- v. d. Leyens unsägliche Providerverträge

und als Krönung, das unterirdische Verhalten der Stadt Duisburg, die Basisdaten ihres Gefälligkeitsgutachtens zum Unglück auf der Loveparade mit dem Argument des Urheberrechts sperren zu lassen.

Abstraktion

Ich weiß, das ist jetzt arg vereinfacht, aber prinzipiell gilt doch: Information = Macht. In absolutistischen Zeiten bündelte sich alle Information in der Spitze des pyramidal aufgebauten Staates und damit auch alle Macht. Ein weiter Sprung in die Neuzeit brachte uns Interessenvertreter, z.B. Gewerkschaften. Also Personen, deren Aufgabe darin lag, Informationen zu beschaffen, Meinungen zu bilden, Informationen zu selektieren und aufzubereiten. Dieses Prinzip gilt noch heute und ist abhängig von dem Vertrauen, welches diesen Vertretern entgegegebracht wird. Ist dieses Vertrauensverhältnis jedoch gestört, müssen andere Wege der Informationsdistribution gefunden werden. Das Internet bildet dazu die idealen Voraussetzungen, Transparenz zu schaffen und Entscheidungsprozesse, die uns alle angehen offen zu legen.

PS: ich werd mir Ihren Buchvorschlag trotzdem ansehen...