Transparenz Gebt uns unsere Daten wiederSeite 2/2
Neben Vor- und Nachteilen wurde in der Studie auch danach gefragt, ob die Bürger die Daten im Falle einer Veröffentlichung denn tatsächlich aktiv nutzen würden. Hier fällt das Interesse schon geringer aus: Nur 31 Prozent der Befragten wollen die Daten auf jeden Fall auch einsehen. 38 Prozent beantworteten die Frage immerhin mit "wahrscheinlich", wobei das Interesse mit steigendem Alter der Befragten deutlich sinkt.
Der Bildungsgrad spielt ebenfalls eine Rolle: Knapp über die Hälfte der Befragten mit Abitur oder Studienabschluss will sich solche Daten wahrscheinlich anschauen. Bei den Befragten mit Hauptschulabschluss liegt der Wert mit 31 Prozent deutlich niedriger.
Dennoch zeigt die Umfrage, dass die Bürger ein grundlegendes Interesse haben, dass Ämter, Behörden und Organisationen Daten jedem ohne Bedingungen zugänglich machen. Denn darum geht es. Die Idee der Bewegung besagt, dass die Allgemeinheit mit ihren Steuern für die Erhebung und Sammlung bezahlt hat und daher auch davon profitieren sollte. Vor allem die jüngeren Befragten unterstützen den Gedanken, dass dies auch eine offenere Regierung mit sich bringen würde. Ja 71 Prozent der 18- bis 29-Jährigen sagt gar, dass durch eine solche Initiative ihr Vertrauen in die Regierung gestärkt würde.
Ältere Bürger sind da skeptischer: Doch auch bei ihnen traut jeder zweite der Bewegung eine Veränderung der Politik zu.
Um die Möglichkeiten wirklich nutzen zu können, müsste die Veröffentlichung amtlicher Daten allerdings nicht nur als Gefälligkeit der Regierung, sondern als allgemeines Recht anerkannt werden. Davon ist man offenbar noch weit entfernt: Fünf Prozent aller Befragten immerhin äußerten von sich aus die Ansicht, dass Bürger generell ein Recht auf die Einsicht in Behördendaten hätten.
- Datum 18.08.2010 - 18:26 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Schlösse das auch Sitzungsprotokolle ein ? Gerade wenn sich Regierungsvertreter des Bundes und der Länder zu nächtlichen Sitzungen mit Wirtschafts- und Gewerkschaftsvertretern sowie "Experten" treffen, möchte ich zumindest gerne manchmal Mäuschen sein. Eigentlich spricht nichts dagegen. Von Sicherheitsrisiken kann bei einer Runde die z.B. eine Gesundheitsreform bespricht wohl kaum die Rede sein.
Schon lange weigern sich Politiker nach solchen Sitzungen durch Anwendung von "Politsprech" ihre Entscheidungen ausreichend zu begründen. Derartige Datensätze könnten da Einblicke in die Entscheidungsfindung liefern.
Ob und wieweit die Daten von Bürgern tatsächlich genutzt werden, ist zweitrangig und nur dann von Belang wenn dem ein immenser Kostenaufwand gegenüber stünde (was unwahrscheinlich ist).
Erst wenn die Daten frei und offen zugänglich sind, kann man überprüfen, wie die Öffentlichkeit sie tatsächlich zur Kontrolle der Politik und Verwaltung sowie zur Partizipation und durchaus auch zur konstruktiven Eigenbeteiligung an Verbesserungsprozessen nutzen.
Im übrigen dürfte es oftmals nur weniger motivierter Bürger brauchen, um einen Kontroll- oder Innovationsschritt auszulösen. Gibt man die Daten frei, befasst sich u.U. nur eine kleine Gruppe von Freizeit-Spezialisten mit einer Thematik, die darüber dann aber bloggen oder in anderen Foren berichten und einen Prozess mit letztlich großer Bürger-Beteiligung anstoßen kann. Da jeder Bürger sich in die Details einlesen kann, wird über den Status und die Ziele ein offener und höchst demokratischer Diskurs stattfinden.
Auch wenn sich bei Abstimmungen nach solchen Diskursen nur eine Seite durchsetzen kann, ist das die Spielwiese der Demokratie der Zukunft. Immer weniger Menschen werden zukünftig akzeptieren, dass es keine Feedback-Schleife in den Verwaltungsapparat gibt, der über die Randbedingungen ihres Lebens
wacht und entscheidet.
Das Zauberwort heißt konstruktive Partizipation und das geht nur mit einer gut informierten und wachen Bevölkerung, die einen ungehinderten Zugriff auf eine maximal mögliche Datenbasis erhält. Erst wenn die Daten offen sind, kann sich eine Dynamik entwickeln, wie die Öffentlichkeit tatsächlich mit den Daten umgeht. Umfragen im Vorfeld sind da höchst statisch und synthetisch.
Y.S.
...wenn der Staat NUR noch dann mit Unternehmen Verträge schleißt, wenn sich diese VERPFLICHTEN, einer Öffentlichkeit dieser Verträge zuzustimmen.
Ich sage nur
- Mautverträge
- v. d. Leyens unsägliche Providerverträge
und als Krönung, das unterirdische Verhalten der Stadt Duisburg, die Basisdaten ihres Gefälligkeitsgutachtens zum Unglück auf der Loveparade mit dem Argument des Urheberrechts sperren zu lassen.
Und jeder, der jetzt gleich mit der völlig unreflektieren Meinung ankommt: "Aber die Masse ist doch dumm!" - sei ganz herzlich "The Wisdom of crowds" ans Herz gelegt.
"Masse und Macht". Sehr sensibles Antidot von Elias Canetti.
Ich weiß, das ist jetzt arg vereinfacht, aber prinzipiell gilt doch: Information = Macht. In absolutistischen Zeiten bündelte sich alle Information in der Spitze des pyramidal aufgebauten Staates und damit auch alle Macht. Ein weiter Sprung in die Neuzeit brachte uns Interessenvertreter, z.B. Gewerkschaften. Also Personen, deren Aufgabe darin lag, Informationen zu beschaffen, Meinungen zu bilden, Informationen zu selektieren und aufzubereiten. Dieses Prinzip gilt noch heute und ist abhängig von dem Vertrauen, welches diesen Vertretern entgegegebracht wird. Ist dieses Vertrauensverhältnis jedoch gestört, müssen andere Wege der Informationsdistribution gefunden werden. Das Internet bildet dazu die idealen Voraussetzungen, Transparenz zu schaffen und Entscheidungsprozesse, die uns alle angehen offen zu legen.
PS: ich werd mir Ihren Buchvorschlag trotzdem ansehen...
"Masse und Macht". Sehr sensibles Antidot von Elias Canetti.
Ich weiß, das ist jetzt arg vereinfacht, aber prinzipiell gilt doch: Information = Macht. In absolutistischen Zeiten bündelte sich alle Information in der Spitze des pyramidal aufgebauten Staates und damit auch alle Macht. Ein weiter Sprung in die Neuzeit brachte uns Interessenvertreter, z.B. Gewerkschaften. Also Personen, deren Aufgabe darin lag, Informationen zu beschaffen, Meinungen zu bilden, Informationen zu selektieren und aufzubereiten. Dieses Prinzip gilt noch heute und ist abhängig von dem Vertrauen, welches diesen Vertretern entgegegebracht wird. Ist dieses Vertrauensverhältnis jedoch gestört, müssen andere Wege der Informationsdistribution gefunden werden. Das Internet bildet dazu die idealen Voraussetzungen, Transparenz zu schaffen und Entscheidungsprozesse, die uns alle angehen offen zu legen.
PS: ich werd mir Ihren Buchvorschlag trotzdem ansehen...
Einige, wenn auch aufwändige, Möglichkeiten der Information bestehen schon durch die Informationsfreiheitsgesetze. Und wenn wirklich jeder einzelne Verwaltungsfurz online ist, wird auch dem letzten Datenritter aufgehen, wie entsetzlich langweilig "regieren" in Wirklichkeit ist. Ein Abo des Bundesgesetzblatts I hilft bei der Imaginierung :-) .
...öde und langweilig SOLL es sein was man dann lesen kann.
Denn die Fehler und eventuelle Mauscheleien sind es die solche Lektüre interessant machen.
Also nochmal: es SOLL langweilig sein/werden.
Natürlich sind Verwaltungsunterlagen kein lustiger Lesestoff, und 99% der Bevölkerung werden sie niemals selbst lesen. Aber
1.) geht es darum, dass die Möglichkeit bei Bedarf besteht,
2.) können Journalisten viel glaubwürdiger auf Probleme und Missstände hinweisen und die Verwaltung kontrollieren und
3.) brauchen wir in der Verwaltung eine Kultur der Offenheit - es ist ein Skandal, dass die sog. Volksvertreter einen Großteil ihrer Arbeit und sogar langfristig geschlossene Verträge dem Souverän (das ist, man vergisst es leicht, das Volk) vorenthalten. Erklären lässt sich das nur durch die Reste der Obrigkeitsmentalität, die sich in Politik und Beamtentum noch aus der Kaiserzeit erhalten haben.
...öde und langweilig SOLL es sein was man dann lesen kann.
Denn die Fehler und eventuelle Mauscheleien sind es die solche Lektüre interessant machen.
Also nochmal: es SOLL langweilig sein/werden.
Natürlich sind Verwaltungsunterlagen kein lustiger Lesestoff, und 99% der Bevölkerung werden sie niemals selbst lesen. Aber
1.) geht es darum, dass die Möglichkeit bei Bedarf besteht,
2.) können Journalisten viel glaubwürdiger auf Probleme und Missstände hinweisen und die Verwaltung kontrollieren und
3.) brauchen wir in der Verwaltung eine Kultur der Offenheit - es ist ein Skandal, dass die sog. Volksvertreter einen Großteil ihrer Arbeit und sogar langfristig geschlossene Verträge dem Souverän (das ist, man vergisst es leicht, das Volk) vorenthalten. Erklären lässt sich das nur durch die Reste der Obrigkeitsmentalität, die sich in Politik und Beamtentum noch aus der Kaiserzeit erhalten haben.
...öde und langweilig SOLL es sein was man dann lesen kann.
Denn die Fehler und eventuelle Mauscheleien sind es die solche Lektüre interessant machen.
Also nochmal: es SOLL langweilig sein/werden.
aber ich halte sie für leicht paranoid. Man denkt ja gerne an die ganz große Schummelkugel, die tagtäglich in allen Büros des öffentlichen Dienstes geschoben wird. Aber das ist ein Mythos, zumindest in den Landes- und der Bundesverwaltung. Weit über 99% dessen, was öffentliche Verwaltung macht, ist einfach unbeschreiblich unspektakulär.
Ich will ja auch gar nicht gegen die öffentliche Verfügbarkeit reden. Ich will einfach nur vor überzogenen Erwartungen an den Unterhaltungswert von Akten warnen.
aber ich halte sie für leicht paranoid. Man denkt ja gerne an die ganz große Schummelkugel, die tagtäglich in allen Büros des öffentlichen Dienstes geschoben wird. Aber das ist ein Mythos, zumindest in den Landes- und der Bundesverwaltung. Weit über 99% dessen, was öffentliche Verwaltung macht, ist einfach unbeschreiblich unspektakulär.
Ich will ja auch gar nicht gegen die öffentliche Verfügbarkeit reden. Ich will einfach nur vor überzogenen Erwartungen an den Unterhaltungswert von Akten warnen.
Natürlich sind Verwaltungsunterlagen kein lustiger Lesestoff, und 99% der Bevölkerung werden sie niemals selbst lesen. Aber
1.) geht es darum, dass die Möglichkeit bei Bedarf besteht,
2.) können Journalisten viel glaubwürdiger auf Probleme und Missstände hinweisen und die Verwaltung kontrollieren und
3.) brauchen wir in der Verwaltung eine Kultur der Offenheit - es ist ein Skandal, dass die sog. Volksvertreter einen Großteil ihrer Arbeit und sogar langfristig geschlossene Verträge dem Souverän (das ist, man vergisst es leicht, das Volk) vorenthalten. Erklären lässt sich das nur durch die Reste der Obrigkeitsmentalität, die sich in Politik und Beamtentum noch aus der Kaiserzeit erhalten haben.
Ich bin absolut für die Kultur der Offenheit. Aber verwechseln Sie bitte nicht "die sog. Volksvertreter" mit den Verwaltungen! Erstens werden die Abgeordneten im Gegensatz zum Verwaltungspersonal gewählt. Und zweitens sollten Sie mal in Parlamentsprotokollen genau nachlesen, wie sehr die Abgeordneten (="die sog. Volksvertreter") den Verwaltungsleuten in den Ministerien (und übrigens auch vice versa) mißtrauen.
Ich bin absolut für die Kultur der Offenheit. Aber verwechseln Sie bitte nicht "die sog. Volksvertreter" mit den Verwaltungen! Erstens werden die Abgeordneten im Gegensatz zum Verwaltungspersonal gewählt. Und zweitens sollten Sie mal in Parlamentsprotokollen genau nachlesen, wie sehr die Abgeordneten (="die sog. Volksvertreter") den Verwaltungsleuten in den Ministerien (und übrigens auch vice versa) mißtrauen.
aber ich halte sie für leicht paranoid. Man denkt ja gerne an die ganz große Schummelkugel, die tagtäglich in allen Büros des öffentlichen Dienstes geschoben wird. Aber das ist ein Mythos, zumindest in den Landes- und der Bundesverwaltung. Weit über 99% dessen, was öffentliche Verwaltung macht, ist einfach unbeschreiblich unspektakulär.
Ich will ja auch gar nicht gegen die öffentliche Verfügbarkeit reden. Ich will einfach nur vor überzogenen Erwartungen an den Unterhaltungswert von Akten warnen.
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