Wikileaks Geheimprojekt Vigilant nicht mehr als heiße Luft

"Vigilant" gibt vor, Millionen Amerikaner auszuspähen und den mutmaßlichen Wikileaks-Informanten enttarnt zu haben. Doch der vermeintliche Coup ist wohl ein Publicity-Gag

Der Hacker Adrian Lamo, circa 2001

Der Hacker Adrian Lamo, circa 2001

Seit Anfang Juni sitzt der ehemalige US-Soldat Bradley Manning in Haft , weil er unerlaubt geheime Informationen an die Whistleblower-Website Wikileaks weitergegeben haben soll. Bislang hieß es, er habe sich selbst enttarnt, indem er sich dem Falschen anvertraute. Doch nun beansprucht ein vermeintliches Geheimprojekt, ihn überführt zu haben. Die Existenz dieses Projektes ist aber vor allem eines: fragwürdig.

Manning wurde verhaftet, nachdem er die mutmaßlichen Informationen einem Ex-Hacker namens Adrian Lamo beichtete, der daraufhin die Behörden verständigte. Das war Ende Juli. Wie einige Quellen nun berichten, sei Manning aber nicht zufällig an Lamo geraten . Vielmehr arbeite Lamo als freiwilliger Sicherheitsexperte für eine Institution, die sich selbst Project Vigilant nennt. Das behauptete jedenfalls Chet Uber, der vermeintliche Leiter des Projekts, kürzlich auf der Hackerkonferenz Defcon .

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Wie Forbes.com berichtet , erfuhr Uber von Lamos Vater, dass sein Sohn in Kontakt mit der mutmaßlichen Quelle des Irak-Videos stand. Daraufhin verständigte Uber die Geheimdienste und empfahl Lamo, der zu diesem Zeitpunkt noch haderte, alle Aufzeichnungen der Gespräche mit Bradley Manning den Behörden zu übergeben. Lamo bestätigte Wired gegenüber inzwischen einen Kontakt zu Chet Uber, nicht aber dass er für eine geheime Organisation arbeite.

Unklar ist, wie Manning ausgerechnet auf Lamo kam, der in der Hackerszene weder bekannt noch berühmt ist. Auf faz.net sagt Detlef Borchers , dass Lamo auf "Mannings Internet-Nutzungsverhalten" aufmerksam wurde und damit nachweisen konnte, dass Manning das Video an Wikileaks weitergeleitet hatte. Das würde bedeuten, dass der Soldat nicht von sich aus an Lamo herangetreten ist, sondern als Quelle der Dokumente enttarnt wurde – von Project Vigilant . Andere Quellen erwähnen diese Entwicklung allerdings nicht.

Überhaupt scheint das Projekt ominös. Im Juni tauchte sein Name erstmals in einer Reportage des San Francisco Examiner auf. Bereits seit 14 Jahren soll die aus der Privatwirtschaft finanzierte Gruppe eng mit der Regierung zusammenarbeiten, um "illegale oder möglicherweise gefährliche Aktivitäten im Netz" zu überwachen. Unter den gut 500 freiwilligen Mitgliedern sollen sich auch hochrangige Personen aus Regierungs- und Sicherheitskreisen befinden. Allerdings hat in eben diesen Sicherheitskreisen noch niemand von dem Projekt gehört .

Die erste Erwähnung erfolgte durch Projektleiter Chet Uber. Der sagte auf einer Pressekonferenz im Rahmen der Defcon, er suche weitere Freiwillige. Dabei berichtete er auch, Project Vigilant überwache den Verkehr von zwölf US-Internetprovidern – angeblich in Einverständnis mit deren Nutzungsrichtlinien. Uber sagte, dass man "250 Millionen IP-Adressen pro Tag verfolge" und damit genaue Nutzerprofile anlegen könne. Sollte sich das bestätigen, würde es bedeuten, dass die amerikanische Regierung Bürger in einem bis dato unbekannten Maße überwacht. In anderen Worten: Es wäre ein Skandal. 

Leser-Kommentare
  1. Bitte einmal ein paar echte Leute interviewen.

    Nur aus Quellen aus dem Netz kann man sich nicht verlassen. Diese Informationen kann jeder nach 20 Minuten finden.

    Es geht mehr um die Sache, als um einen Projekt Namen. Wird so etwas gemacht, oder nicht. Der Name ist dabei unbedeutend und kann auch schnell in die Irre führen.

    Ein paar mehr Nachfragen/Interviews hätte ich besser gefunden. Es geht aber um das dahinter steht – und die Dingen, die eben nicht einfach mit Google im Netz zu finden sind.

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