Huffington Post Gelangweilte Büroarbeiter

"Mormonen, Vokuhilas und Maniacs" – diese Strategien haben aus der "Huffington Post" ein so beliebtes Online-Medium gemacht. Sie funktionieren, zumindest in den USA.

Die Mitbegründerin der "Huffington Post", Arianna Huffington, auf der diesjährigen Verleihung der Webby Awards in New York

Die Mitbegründerin der "Huffington Post", Arianna Huffington, auf der diesjährigen Verleihung der Webby Awards in New York

"Wer macht es besser: Die Juden oder die Mormonen?" Die Antwort auf diese Frage entscheidet über Erfolg oder Misserfolg eines Online-Mediums. Das glaubt zumindest Jonah Peretti.

Peretti, Mitbegründer der Huffington Post, könnte wissen, wie man Online-Medien groß macht. 2005 tat er sich mit der bekennenden Demokratin Arianna Huffington und dem einstigen AOL-Manager Kenneth Lerer zusammen, um die Huffington Post zu gründen. Die "Huffpo", wie sie in den USA auch genannt wird, ist inzwischen eine der meistgelesenen News-Seiten im Web und ein einflussreiches Sprachrohr der amerikanischen Linken.

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Shaun Halper
Shaun Halper

Shaun Halper promoviert in Geschichte an der University of California at Berkeley, ist Burns-Fellow und im Rahmen seines Fellowships derzeit bei ZEIT ONLINE. Er bloggt für die Huffington Post.

Mehr noch: Die Huffpo ist ein bedeutendes Forum, dessen sich schon mal politische Schwergewichte wie Hilary Clinton, Barack Obama oder Nancy Pelosi bedienen, um über Kampagnen oder die neuesten Skandale zu bloggen. Im Juni zog die Huffpo 24,3 Millionen Besucher auf ihre Seite, fast so viele wie die New York Times, die sie den Prognosen zufolge bald überholen wird. Auch der Umsatz wird in diesem Jahr vermutlich deutlich über dem anderer Online-Medien liegen. Im Gegensatz zu den meisten US-Zeitungen schreibt Huffpo zudem schwarze Zahlen.

Peretti verriet kürzlich vor Branchenkennern auf dem New York Viral Media Meetup ein paar der Strategien, mit denen er und seine Mitstreiter die Huffpo zum Erfolg geführt haben: "Mormons, Mullets, and Maniacs" war der Titel seines Vortrags: Mormonen, Vokuhilas und Verrückte also.

Dabei bat er das Publikum um eine kleine Abstimmung. Zu wählen galt es wie gesagt, welche Religion die erfolgreichere sei, "Judentum oder Mormonentum". Ein irritierender Ansatz, um über das Verhalten von Computernutzern nachzudenken. Das Publikum senkte dementsprechend den Blick auch mehrheitlich auf den Boden. Nur ein paar Mutige, mochten sie selbst jüdisch gewesen sein oder auch nicht, hoben die Hand für das Judentum.

"Aber die Mormonen machen alles platt", entgegnete ihnen Peretti, und verwies auf den atemberaubenden Zuwachs der Mormonen innerhalb der vergangenen zehn Jahre, "während das Judentum nur geringes Wachstum zeigt." Mit bunten Powerpoint-Charts von steigenden Kurven unterstrich er seine Worte.

"Das Problem mit den Juden ist, dass sie einfach sauschlecht im Marketing sind. Das Judentum ist eine High-Quality-Religion. Aber Qualität ist nun einmal kein Wachstumsfaktor. Die Mormonen hingegen haben nur ein Ziel: Alle sollen Mormonen werden", sagte Peretti, der in manchen Momenten selbst wie ein Priester klang. Das sei die Kernstrategie: "Man darf sich nicht auf die Ideen selbst konzentrieren, sondern auf die Frage, wie man sie am besten verbreitet."

Leser-Kommentare
  1. Danke für diesen Artiel, endlich schreibt mal jemand über amerikanische Themen, der auch etwas davon versteht - das passiert viel zu selten.

  2. Couch potoato (jemand, der wie eine dicke Karotffel unbeweglich auf der Couch vor der Glotze sitzt), nicht Coach potato. Aber ansonsten ein guter und interessanter Artikel.

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    Redaktion

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    Viele Grüße, wblau

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  3. Redaktion

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    Antwort auf "Couch potato"
  4. "Und schließlich hilft es sicher auch, dass die Huffpo Inhalte umsonst bezieht, indem sie Artikel aus allen möglichen anderen Seiten zusammenträgt und sich bei etwa 6.000 Bloggern bedient."
    — Das klingt so, als ob die Huffington Post Inhalte klaut und auf ihre Server stellt. Das tut sie aber nicht. Sie besorgt den Verlinkten Sites unglaublich hohen Traffic, wenn diese verlinkt werden. Einen Link darf man doch wohl noch setzen ohne sich moralisch verantworten zu müssen? Inhalte umsonst beziehen nenne ich Copy and Paste.

  5. "[...] Apple Fan Boys. Perettis Rat: Eine Seite muss darauf angelegt sein, dass die Leute ihre Persönlichkeitsstörungen dort voll austoben können."

    Die Zeit hats sich diesen Rat schon zu Herzen genommen! ;-)
    Der Rest klingt etwas nach News-Aggregation.. dazu ist meine Meinung: die bessere Überschrift macht einen schlechten Artikel nicht lesenswerter!

  6. ..ist praktisch das einzige linke Sprachrohr in den USA. Seit ich in die USA gezogen bin, habe ich mich zu den meisten politischen Themen ueber HuffPost informiert. FOX, NBC oder gar CNN (die amerikanische Version ist nichts weiter als Unterhaltung) geben keine Auskunft. Leider entwickelt sich die Seite in Richtung Yahoo-Nachrichten. Politische Skandale und Busen kommen auf die Titelseite. Das macht Profit, doch die Liberalen stoert es.

    Wie gesagt, es ist das einzige bekannte linke Sprachrohr.

  7. Linkes Sprachrohr? Hab' ich da was übersehen?

    HuffPo ist nach meinem Eindruck völlig heterogen, Autoren von christlich konservativ bis leicht sozialdemokratsich, ich sehe da keine linke, rechte, sonstwas "Linie" . Die Autoren/Beiträge sind auch von höchst unterschiedlicher Qualität. Futter für die BWN halt :-)

    The New Left Review wäre für mich sowas wie ein linkes Sprachrohr, aber die gilt nicht,weil in UK, nicht in U.S.

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