Huffington Post Gelangweilte BüroarbeiterSeite 3/3

"Drittens", sagt Peretti, "darf man nicht vergessen: das Netz ist etwas für manische Persönlichkeiten." Netzinhalte, sagt er, werden zum Großteil von einer Bande "obsessiv compulsiver" Exzentriker produziert: passionierte Blogger, Ron Paul und die Tea-Party-Gang etwa, Verrückte wie Paris Hilton, fanatische Tierschützer oder Apple Fan Boys. Perettis Rat: Eine Seite muss darauf angelegt sein, dass die Leute ihre Persönlichkeitsstörungen dort voll austoben können. Auch hier funktionierten die alten Rundfunk-Regeln nicht mehr. "Couch Potatoes zählen nicht mehr, – Verrrückte zählen."

Ihr Forum sind die Kommentare zu den Texten, die Debatten und der Austausch mit der Redaktion. Autoren und Blogger sind gehalten, auf Leserkommentare einzugehen und in den Debatten unter ihren Blogs kräftig mitzumischen. Die Huffpo beschäftigt zehn Leute, die diese Kommentare durchflöhen und den Ton zivil halten. Es ist nicht unüblich, dass einzelne Geschichten mehr als 1000 Kommentare erhalten. Huffington selbst hat es so formuliert: Sich selbst auszudrücken sei die neue Form von Unterhaltung. "Einfach nur zu erwarten, dass die Leser Nachrichten konsumieren, ist ein alter Hut. Ihren Wunsch nach Teilhabe anzuerkennen, ist die Zukunft des Journalismus."

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Und man ist auch selbst ein bisschen verrückt, stets finden sich auf der Startseite Geschichten, die New Age-Themen oder Okkultes berühren. Kein normaler Seite-eins-Chef würde auf die Idee kommen, eine Geschichte zu drucken wie "18 Nahrungsmittel mit lustigen Gesichtern" oder "Lasst uns über UFOs reden: Generäle, Piloten und Regierungsmitglieder sagen, was sie wissen". Kritiker beklagen, dies sei nur ein neues Beispiel für den intellektuellen Niedergang der Amerikaner. Die Frage ist, ob die Huffpo tatsächlich Teil des Problems ist, oder ob sie es nicht vielmehr nur besonders gut vermag, aus dem bizarren  Geschmack der Amerikaner ihren Vorteil zu ziehen. Immerhin glauben laut einer Harris-Interactive-Umfrage 42 Prozent aller Amerikaner an Gespenster, fast jeder Dritte an Ufos, drei Viertel an Engel und 76 Prozent an Wunder.

Aber reichen Mormonen, Vokuhilas und Maniacs aus, um den erstaunlichen Erfolg der Huffpo zu erklären? Es trägt auch zum Verständnis bei, dass die Huffpo viel Geld von Risikokapitalgebern bekommen hat – ein Luxus, in dessen Genuss die meisten anderen Nachrichtenorganisationen wohl nie kommen werden. Und es hilft auch, dass Perettis Mitgründerin Arianna Huffington bereits eine Person des öffentlichen Lebens war, bevor sie die Seite startete. Und schließlich hilft es auch, dass einige ihrer besten Freunde kostenlos auf der Seite bloggen, Prominente wie Alec Baldwin, Larry David, Mia Farrow, Rosie O'Donnell und Wyclef Jean zum Beispiel. Und schließlich hilft es sicher auch, dass die Huffpo Inhalte umsonst bezieht, indem sie Artikel aus allen möglichen anderen Seiten zusammenträgt und sich bei etwa 6.000 Bloggern bedient.

Also: Mormonen, Vokuhilas und Maniacs mögen unverzichtbar sein, wenn es darum geht, dass sich eine Seite viral verbreitet. Aber sie wird aus einem Blogger deshalb noch lange nicht den nächsten Jonah Peretti machen und aus der eigenen Seite noch lange nicht die nächste Huffington Post.

 
Leser-Kommentare
  1. Danke für diesen Artiel, endlich schreibt mal jemand über amerikanische Themen, der auch etwas davon versteht - das passiert viel zu selten.

  2. Couch potoato (jemand, der wie eine dicke Karotffel unbeweglich auf der Couch vor der Glotze sitzt), nicht Coach potato. Aber ansonsten ein guter und interessanter Artikel.

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    Redaktion

    wir haben den Rechtschreibfehler gerade korrigiert.
    Viele Grüße, wblau

    Redaktion

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    Viele Grüße, wblau

  3. Redaktion

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    Viele Grüße, wblau

    Antwort auf "Couch potato"
  4. "Und schließlich hilft es sicher auch, dass die Huffpo Inhalte umsonst bezieht, indem sie Artikel aus allen möglichen anderen Seiten zusammenträgt und sich bei etwa 6.000 Bloggern bedient."
    — Das klingt so, als ob die Huffington Post Inhalte klaut und auf ihre Server stellt. Das tut sie aber nicht. Sie besorgt den Verlinkten Sites unglaublich hohen Traffic, wenn diese verlinkt werden. Einen Link darf man doch wohl noch setzen ohne sich moralisch verantworten zu müssen? Inhalte umsonst beziehen nenne ich Copy and Paste.

  5. "[...] Apple Fan Boys. Perettis Rat: Eine Seite muss darauf angelegt sein, dass die Leute ihre Persönlichkeitsstörungen dort voll austoben können."

    Die Zeit hats sich diesen Rat schon zu Herzen genommen! ;-)
    Der Rest klingt etwas nach News-Aggregation.. dazu ist meine Meinung: die bessere Überschrift macht einen schlechten Artikel nicht lesenswerter!

  6. ..ist praktisch das einzige linke Sprachrohr in den USA. Seit ich in die USA gezogen bin, habe ich mich zu den meisten politischen Themen ueber HuffPost informiert. FOX, NBC oder gar CNN (die amerikanische Version ist nichts weiter als Unterhaltung) geben keine Auskunft. Leider entwickelt sich die Seite in Richtung Yahoo-Nachrichten. Politische Skandale und Busen kommen auf die Titelseite. Das macht Profit, doch die Liberalen stoert es.

    Wie gesagt, es ist das einzige bekannte linke Sprachrohr.

  7. Linkes Sprachrohr? Hab' ich da was übersehen?

    HuffPo ist nach meinem Eindruck völlig heterogen, Autoren von christlich konservativ bis leicht sozialdemokratsich, ich sehe da keine linke, rechte, sonstwas "Linie" . Die Autoren/Beiträge sind auch von höchst unterschiedlicher Qualität. Futter für die BWN halt :-)

    The New Left Review wäre für mich sowas wie ein linkes Sprachrohr, aber die gilt nicht,weil in UK, nicht in U.S.

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