In ihrem Blog erklärt die Redaktion von tagesschau.de das Depublizieren

Depub.org will Texte, die von öffentlich-rechtlichen Anbietern aus dem Internet genommen wurden, wieder zugänglich machen und bietet sie auf einer anonymen Website an. Wir haben mit den Machern geredet. Oder zumindest mit denen, die behaupten, die Macher zu sein. Denn ZEIT ONLINE kennt nicht die Identität der Betreiber. Diejenigen, die unsere Fragen beantwortet haben, konnten jedoch nachvollziehbar belegen, dass sie Zugriff auf den Server depub.org haben.

ZEIT ONLINE: Sie wissen sicher, dass Ihr Angebot illegal ist, warum tun Sie es trotzdem?

Depub: Uns ist natürlich bewusst, dass die Artikel urheberrechtlich geschützt sind und die Veröffentlichung nicht erlaubt ist. Letztendlich muss bei einer Veröffentlichung wie dieser immer zwischen öffentlichem Interesse und urheberrechtlichen Bedenken abgewogen werden. Nicht zuletzt deshalb haben wir bei der Tagesschau.de -Redaktion vor einigen Wochen nachgefragt, was die Redaktion von einem externen Archiv hält.

ZEIT ONLINE: Und, was hält sie davon?

Depub: Man hat uns wie erwartet mitgeteilt, dass ein Archiv Urheberrechte von Dritten berühren könnte, beispielsweise von Agenturen oder Fotografen, und es deshalb unserem eigenen Risiko unterliegt, ein solches Archiv zu betreiben. Wir haben aber Grund zu der Annahme, dass die Tagesschau.de -Redaktion keine großen Probleme mit dem Archiv hat.

Und die Reaktionen, die wir bisher per Mail, Blogs und Twitter bekommen haben, zeigen uns, dass das öffentliche Interesse an den Daten in jedem Fall besteht.

ZEIT ONLINE: Was wollen Sie erreichen?

Depub: Ursprünglich ging es uns nur darum, die durchgesickerten Daten aufzubereiten, damit sie möglichst von einer breiten Masse genutzt werden können. Mittlerweile geht es uns um mehr. Für uns gibt es keinen plausiblen Grund für die Depublizierung und deshalb kann unser Ziel auch nur lauten, dass wir nach Möglichkeit alle depublizierten Inhalte auf depub.org veröffentlichen. Es ist aber sicher noch ein weiter Weg bis dahin.

ZEIT ONLINE: Woher haben Sie Ihre Informationen, beziehungsweise werden Sie in Kürze mehr anbieten können als das schon geleakte Archiv von tagesschau.de ?

Depub: Leider haben wir das Depublizieren der Öffentlich-Rechtlichen zunächst verschlafen. Hätten wir früher reagiert, hätten wir die Artikel von allen öffentlich-rechtlichen Nachrichtenseiten noch selbst speichern können und wären heute schon weiter. So müssen wir darauf hoffen, dass ein Mitarbeiter der Redaktion die Courage zeigt und die Daten an die Öffentlichkeit bringt.

Um das noch einmal deutlich zu machen: Unser Anteil an der bisherigen Veröffentlichung ist eher gering. Die Daten aufzubereiten hat uns vielleicht einige Nächte gekostet. Das Risiko ist aber der Redaktionsmitarbeiter eingegangen, der mit dem Exportieren der Daten eventuell sogar seinen Job gefährdet hat.