ARD und ZDF sind seit dem 1. Juni 2009 rechtlich verpflichtet, ihre Informationsangebote nach einer bestimmten Zeit wieder aus dem Internet zu entfernen: einige nach 24 Stunden (Sport), andere nach fünf Jahren (Bildung), wenige nie (zeitgeschichtliche Dokumente). Im Ergebnis verschwinden Hunderttausende Seiten mit Texten und Videos ziemlich schnell wieder aus dem Netz und sind für Interessierte nicht mehr zu finden.

Seit wenigen Tagen versucht die Seite depub.org , diese Archive wieder Jedermann zugänglich zu machen. Als erstes erschien dort das Archiv von tagesschau.de , das zuvor bereits als Datei in Tauschbörsen kursierte.

Rechtlich ist das illegal . Sachlich aber ist es zivile Courage.

Illegal, weil der von gewählten Abgeordneten in einem demokratischen Prozess beschlossene Rundfunkstaatsvertrag das sogenannte Depublizieren vorsieht und zum Recht erhebt. Illegal auch, weil die Aktion die Urheberrechte von Autoren verletzt.

Zivilcourage, weil sie – um ein unabhängiges und frei zugängliches Informationsportal namens Wikipedia zu zitieren – bedeutet, dass jemand "ohne Rücksicht auf sich selbst, soziale Werte oder die Werte der Allgemeinheit vertritt".

Und das tut depub.org . Denn das Depublizieren folgt allein den Interessen der Wirtschaft und nicht denen der Öffentlichkeit. Private Verleger sind es, die mit all ihrer medialen Macht von der Politik fordern , den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu beschneiden, vor allem im Internet .

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk soll jedoch, so heißt es im Rundfunkstaatsvertrag "die demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft" erfüllen, damit den informierten Bürger möglich machen und so die Demokratie stützen.