Im Juli hat das Online-Netzwerk Facebook die 500 Millionen Nutzer-Marke überschritten . Damit ist es das mit Abstand erfolgreichste Netzwerk der Welt. Doch mit dem Erfolg wächst auch die Kritik. Probleme mit Datenschutz und Sicherheit, undurchsichtige Geschäftspraktiken und Nutzungsbedingungen – Facebook kennt sie alle. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich immer stärkerer Widerstand gegen das Imperium formiert. Ganze Völkergruppendrohen mit Massenaustritten , Experten raten schon lange von dem Dienst ab.

Vier Studenten der New York University versuchen es kreativer: Sie wollen unter dem Namen Diaspora ein eigenes soziales Netzwerk als Alternative zu Facebook anbieten. Ein Netzwerk, das die Privatsphäre seiner Nutzer schützt. Am 15. September wird der Quellcode veröffentlicht, im Oktober soll eine erste nutzbare Version erscheinen.

Schon im Frühjahr machten die Gründer von Diaspora auf sich aufmerksam . Ursprünglich wollten sie nur 10.000 Dollar über sogenanntes Crowd Funding an Spenden einnehmen. Nach einem Aufruf des Magazins Wired , eine Alternative für Facebook zu finden, stiegen die Spenden rasant an. In wenigen Wochen hatte das vierköpfige Team 200.000 Dollar bekommen. Eine Kuriosität am Rande: Unter den 6479 Spendern befand sich auch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Er fände die Idee "cool", sagte er im Interview mit Wired .

"Diaspora" stammt aus dem Griechischen und bedeutet ursprünglich "sich zerstreuen". Das Netzwerk basiert auf einem ähnlichen Prinzip. Statt die Nutzerdaten auf zentrale Server zu speichern, verwaltet jeder Nutzer seinen eigenen Datensatz, den sogenannten Seed , selbst. Bei jedem Kontakt mit anderen kann man entscheiden, welche Daten man mit wem teilen möchte.

Der Vorteil in dieser dezentralen Zerstreuung liegt darin, dass selbst die Entwickler von Diaspora keinen Zugriff auf die Daten der Nutzer haben – "schließlich legen wir unser richtiges Leben auch nicht in die Hände anderer", heißt es dazu im Blog des Projekts . Was noch etwas kompliziert klingt, soll in der fertigen Version binnen fünf Minuten einzurichten sein.

Nicht nur aufgrund der vielen Spenden sind die Erwartungen an das Open-Source-Netzwerk hoch. Aus dem Semesterprojekt der Studenten ist ein ambitioniertes Start-up geworden. Zwei der Entwickler haben ihr Studium inzwischen ausgesetzt, um sich gänzlich dem Projekt widmen zu können. Zudem wollen sie auch nach der ersten Version weiter daran arbeiten, anstatt wie geplant die Entwicklung in die Hände der Nutzer zu geben.

Auch die Presse scheint vom Erfolg des Projekts überzeugt. Einige sprechen bereits vom "Anti-Facebook" und dem neuen "Facebook-Killer". Bei Diaspora selbst ist man etwas zurückhaltender. So sollen dank der offenen Schnittstellen auch Inhalte von anderen Seiten eingebunden werden können – darunter auch Twitter, Flickr und eben Facebook. Vieles spricht dafür, dass Diaspora weniger Konkurrenz als vielmehr Alternative zu Facebook sein möchte.