Die Facebook-Konkurrenz "Diaspora" könnte Mark Zuckerberg bald einige Kunden kosten © Justin Sullivan/Getty Images

Die Begeisterung ist groß . Lange haben die Nutzer auf eine Alternative gewartet und nun ist sie da: Vor wenigen Tagen präsentierte ein Team von vier New Yorker Studenten den Quellcode ihres Sozialen Netzwerks Diaspora. Es soll nicht weniger als das neue Facebook werden. Und es soll all denen, die bislang nicht auf Facebook verzichten konnten, weil es besser war, in einem schlechten Netzwerk zu sein als in gar keinen, zum lang ersehnten Massenaustritt verhelfen.

Doch wer bereits triumphiert, dass sich Zuckerbergs Datensammel-Eldorado bald in eine menschenleere Wüste verwandeln könnte, hat sich zu früh gefreut. So weit ist es noch lange nicht. Schon gibt es jede Menge Analysen von Bloggern, welche Faktoren dem Erfolg von Diaspora im Weg stehen könnten. Ein Einwand wiegt darunter besonders schwer: Schon kurz nach der Veröffentlichung des Programm-Codes machten sich erste Hacker über die Zeilen her und entdeckten darin haarsträubende Sicherheitslücken. Man könne fremde Nutzer-Konten übernehmen, sich dann mit anderen anfreunden oder Fotos löschen, ohne die eigentlichen Benutzer zuvor um Erlaubnis zu fragen, heißt es in den Kommentaren des Technik-Forums Hacker News .

Patrick McKenzie, Besitzer eines japanischen Software-Unternehmens, spitzte sein Urteil mit den Worten zu : "Es gibt derzeit nichts, was ein Eindringling nicht mit einem fremden User-Account anstellen könnte." McKenzie vermutet gar, dass man über eine Lücke im Programm-Code auch auf den Server zugreifen kann, auf dem das Programm installiert ist.

Die vier Diaspora-Jungs weisen darauf hin, dass es sich lediglich um eine erste Fassung handele. Sie bitten die Szene um ihre Mithilfe, um das Projekt erfolgreich fertigstellen zu können. Das Programm sei noch voller Fehler und Bugs, schreiben sie in ihrem Blogpost anlässlich der Veröffentlichung, die sie ausdrücklich "Developer Release" nennen, also eine Veröffentlichung für die Entwicklung. Allerdings fragen auf Twitter jetzt schon Einige , wie man sich bei Diaspora anmelden könne, weil sie die Schnauze voll haben von Facebook. So weit ist es aber eben noch nicht. Zwar sind schon Testseiten von anderen Programmierern aufgetaucht, die einen ersten Eindruck davon vermitteln, wie Diaspora künftig aussehen könnte. Allerdings gehört das Programm eher noch in professionelle Hände. Persönliche Daten sollte man noch nicht auf die Seite laden.

Es gibt aber auch gute Argumente dafür, das Projekt schnell voran zu treiben und das Gespräch über die Facebook-Alternative öffentlichkeitswirksam am Laufen zu halten. In letzter Zeit scheint die kritische Facebook-Debatte ein wenig eingeschlafen, um die Wechsel-Willigen ist es ruhiger geworden. Was aber nicht daran liegen kann, dass das Netzwerk weniger datenhungrig geworden wäre.