Es war eine bunte und leuchtende Zukunft, die Google-Chef Eric Schmidt am Dienstag vor seinen Zuhörern auf der Internationalen Funkausstellung ausbreitete . Eine Zukunft, in der Computer und Telefone aufs Wort hören, in der sie uns Fragen beantworten, von denen wir noch nicht einmal wissen, dass wir sie werden stellen wollen und in der sie uns in jeder Lebenslage helfen, geleiten und umsorgen.

"In der Zukunft werden wir nichts mehr vergessen, weil Computer sich für uns erinnern. Wir werden nicht mehr verloren gehen, weil unser Smartphone weiß, wo wir sind. Unser Auto sollte eigentlich selbst fahren können, denn immerhin weiß es, wo es ist und wo es hin muss", sagte Schmidt. Diese Explosion an Daten sei fantastisch. "Wir werden nie mehr allein sein, weil unsere Freunde immer da sind."

In seinen Augen ist das eine glorreiche Zukunft, hat sie doch viel mit den Angeboten seines Unternehmens zu tun. Es ist eine Zukunft, die er voller Stolz präsentiert. So trat Schmidt, einer der mächtigsten Menschen der Welt, freundlich lächelnd in den Halbschatten außerhalb der Scheinwerferkegel und sah einem seiner Nerds dabei zu, wie der begeistert neue Produkte präsentierte.

Ein Übersetzungsprogramm beispielsweise , das jedes gesprochene Wort in das nicht mehr zu überblickende Rechennetzwerk der "Cloud" jagt, um es Sekunden später in einer anderen Sprache zurückwerfen zu können. Schon bald soll dieses allwissende Netzwerk jahrzehntelange vergebliche Bemühungen um Sprachsteuerung beenden.

Möglich werde das durch die Macht der mobilen Kommunikation, sagte Schmidt. Die Telefone in unseren Taschen seien inzwischen mächtig genug, sich mit dem Supercomputer Internet zu verbinden und uns sofort jede verfügbare Information zu besorgen.

Für den einen oder anderen seiner Kunden könnte diese Zukunft durchaus auch eine gruselige sein . Immerhin kann der Gedanke verstören, dass da ständig jemand ist, der einen kennt und der weiß, was man will oder denkt .

Schmidt kennt diese Bedenken selbstverständlich. "Das Internet führt zu einem großen Bruch und dieser verändert unglaublich viele Dinge auf verschiedenste Weise." Das sei spannend, zugleich aber auch beängstigend, denn es gehe dabei immer um Informationen und zwar um Informationen über uns, die wir dementsprechend ernst nähmen. Gleichzeitig bat er um mehr solcher Informationen, "um alle letztlich", könnten doch nur so die richtigen Antworten auf ungestellte Fragen geliefert werden. Mit unserem Einverständnis, versteht sich.

Natürlich habe er auch die Debatte zu Street View in Deutschland verfolgt, sagte der Google-Chef. Und lobte sie, weil sie letztlich die Entwicklung vorantreibe und seine Produkte besser mache.

Wer ihn hört, bekommt den Eindruck, dass er solche Bedenken ernst nimmt. Das sagt beispielsweise auch Jimmy Schulz, Bundestagsabgeordneter der FDP. Er ist Mitglied in der Internet-Enquete-Kommission und einer der ungefähr zwanzig deutschen Parlamentarier, mit denen Schmidt sich bereits am Montagabend getroffen hatte. Schmidt habe dabei mehrmals gesagt, dass er die Privatsphäre schätze und die Sorgen darum verstehe, sagte Schulz. Und es sei ein wichtiges Signal, dass der Google-Chef sich Zeit genommen habe, mit den Abgeordneten darüber zu reden. "Ich habe ihm abgenommen, dass er zuhören und verstehen wollte."