Internet-Evolution Vom Rechnernetz zum EinHirn
Internet ist der falsche Name für das Ding, das längst Teil unserer Realität ist und das alle Menschen miteinander verknüpft. Ein Essay über unsere Zukunft von Ch. Kappes
Wir haben das Internet versehentlich falsch benannt.
Inter-Net ist eine Zusammenziehung der englischen Interconnected Networks – der vernetzten Rechnernetzwerke. Die gibt es, aber es sind nicht die Netzwerke, die im Internet Informationen für schätzungsweise zwei Milliarden Rechner verarbeiten, darunter wohl eine Milliarde von ihnen in Jackentaschengröße, die wir – ebenso versehentlich – seit Anbeginn als Telefone bezeichnen. Die eigentlichen Einheiten, die die Unmengen von Informationen verarbeiten, sind mehr als 700 Millionen Host-Computer.
Interconnected Networks ist eine deskriptiv-technische Sicht, die das Phänomen nicht trifft. Es wäre so, als würde man ein Automobil beschreiben als "Räder mit Verbindung". Genauso unzutreffend war die Datenautobahn, die sich nur auf den Transport konzentriert.
Was also ist die entsprechende Funktionsbezeichnung für das Internet, wie können wir es greifen? Noch Mitte der neunziger Jahre hätte keinen Widerspruch erregt, wer das Internet als großen digitalen Weltspeicher verstanden hätte, ein Medium oder genauer einen Medienträger, der andere Medien transportieren und deren Inhalte speichern kann.
Dann erleichterten E-Commerce, Onlinebanking und eGovernment Vielen den Alltag. Technisch geschah damit der Anschluss des Internets an Transaktionssysteme von Unternehmen. In der Wertschöpfungskette bekam es eine Verbindung nach vorn, zum Kunden, aber auch nach hinten, zu Lieferanten.
Schließlich kam eine weitere Funktionsschicht hinzu: Zur E-Mail traten die Telefonie und andere Dienste und entwickelten die zwischenmenschliche Kommunikation. Zuerst nur als Annex-Kommentare zu anderen Inhalten, sodann mit eigenständigen Inhalten in Blogs, und nun in sozialen Netzwerken wie Facebook. Das Social Network hat heute schon in den USA mehr Seitenabrufe als Google und wird in zwei Jahren die Milliarden-Nutzer-Grenze überschreiten.
Wie also sollen wir das "Ding" nennen, das längst nicht mehr nur Computer, sondern Menschen miteinander verbindet? Mankind Connecting Cluster? Immerhin vernetzt es Menschen in aller Welt.
Das ist nicht nur an der Oberfläche so, an der – vereinfacht gesprochen – Tweets in Google auftauchen, oder YouTube-Videos in Blogs stehen, oder soziale Beziehungen sich in Google finden und alles wiederum irgendwie bei Facebook landet.
- Datum 29.09.2010 - 15:39 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Der Term Internet war einst ein rein technischer Begriff. Heute ist dem nicht mehr so - er ist im Gegenteil ausgeweitet worden und steht jetzt sehr allgemein für die Tatsache, dass Menschen vernetzt kommunizieren, handeln und arbeiten. Der Wandel ist kein Problem, sondern eher die Regel, was solche zentralen Begriffe angeht.
Die Suche der Autors, wie man das "Ding" denn nennen soll, ist allerdings ein genereller Irrtum: Das Internet ist ein Zusammenspiel von Technik und menschlicher Praxis (also Kulturtechnik). Diesen Sachverhalt auf die Hälfte der Technik zu reduzieren, führt kaum zu einem besseren Verständnis, nach dem hier gesucht wurde.
Vergleicht man das Internet von gestern mit dem von heute, dann ist es eigentlich noch genau das gleiche: Es werden die selben Protokolle benutzt (TCP, UDP); Infrastruktur hat sich nur in der Größe geändert, in der Art aber nicht (Router, Switches werden leistungsfähiger und schneller, greifen aber trotzdem nur auf Layer 3 und 4 zu). Testen lässt sich das ganz leicht mit Wireshark, die Aufzeichnungen sind mit älteren vergleichbar. Heute werden aber noch mehr Portnummern genutzt, sprich: es gibt mehr Applikationen. Für das Internet selber ist es aber egal, da alles in den gleichen Packages transportiert wird.
Erst auf dem PC macht sich der Zauber bemerkbar, manche "Internet-"Dienste wie Telefonieren basieren darauf, dass die beiden Teilnehmer (=PCs) die Kommunikation aufrecht erhalten. Wenn man also das Internet von damals als alles zwischen den PCs versteht, dann ist es heute auch nicht mehr.
Sie sprechen von der Technik und vergessen, dass - wie jeder technische Gegenstand - sich auch dieser Gegenstand in einen größeren Zusammenhang speist, um den es in diesem Beitrag geht.
Hiermit möchte ich den Beitrag aber nicht verteidigen. Sätze wie "immer noch eine deterministische Maschine" zeigen, dass Herr Kappes theoretisch nicht imstande ist, in so komplexen Zusammenhängen zu denken, u.a. weil er keinen Schimmer von Determinismus und Determiniertheit zu haben scheint. Wie da so etwas erkennen?
Ich schlage vor, dass die Redaktion sich an Wissenschaftler und nicht an Unternehmensberater wendet. Ich selbst werde mein Wissen - in meiner verspäteten Mittagspause! - als Kommentar nicht ausbreiten. Aber so viel: Ich bin dankbar, dass der Autor nicht auf mechanistische "group dynamics" ausgewichen ist, obwohl sein makroanalytischer Schwenker zum Schluss den Verdacht nahelegt, dass er nicht besonders fit ist. Noch so ein Jeff Jarvis. Attraktionen für Journalisten. Der letzte Absatz deutet es an.
Im übrigen... wurde mal ein Beitrag von mir vor knapp 8-10 Jahren von einem eher technologischen Journal (kein technisches!) mit den Worten abgelehnt, er sei zu ZEIT-haft. Damals wusste ich nicht, zu was für einem Publikum ich spreche, also habe ich nicht zu knackig argumentiert. Heute habe ich mich dessen wieder erinnert.
Ich wäre sehr dankbar für wiss. Beiträge über wiss. Themen, andernfalls stehlen Sie meine Zeit! Mehr Anspruch bitte. So dumm sind die Leser nicht.
Sie sprechen von der Technik und vergessen, dass - wie jeder technische Gegenstand - sich auch dieser Gegenstand in einen größeren Zusammenhang speist, um den es in diesem Beitrag geht.
Hiermit möchte ich den Beitrag aber nicht verteidigen. Sätze wie "immer noch eine deterministische Maschine" zeigen, dass Herr Kappes theoretisch nicht imstande ist, in so komplexen Zusammenhängen zu denken, u.a. weil er keinen Schimmer von Determinismus und Determiniertheit zu haben scheint. Wie da so etwas erkennen?
Ich schlage vor, dass die Redaktion sich an Wissenschaftler und nicht an Unternehmensberater wendet. Ich selbst werde mein Wissen - in meiner verspäteten Mittagspause! - als Kommentar nicht ausbreiten. Aber so viel: Ich bin dankbar, dass der Autor nicht auf mechanistische "group dynamics" ausgewichen ist, obwohl sein makroanalytischer Schwenker zum Schluss den Verdacht nahelegt, dass er nicht besonders fit ist. Noch so ein Jeff Jarvis. Attraktionen für Journalisten. Der letzte Absatz deutet es an.
Im übrigen... wurde mal ein Beitrag von mir vor knapp 8-10 Jahren von einem eher technologischen Journal (kein technisches!) mit den Worten abgelehnt, er sei zu ZEIT-haft. Damals wusste ich nicht, zu was für einem Publikum ich spreche, also habe ich nicht zu knackig argumentiert. Heute habe ich mich dessen wieder erinnert.
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Vom Kleinen sollte man nie auf das Große schließen - oder - das Netz selbst beginnt intelligent zu werden.
Sie sprechen von der Technik und vergessen, dass - wie jeder technische Gegenstand - sich auch dieser Gegenstand in einen größeren Zusammenhang speist, um den es in diesem Beitrag geht.
Hiermit möchte ich den Beitrag aber nicht verteidigen. Sätze wie "immer noch eine deterministische Maschine" zeigen, dass Herr Kappes theoretisch nicht imstande ist, in so komplexen Zusammenhängen zu denken, u.a. weil er keinen Schimmer von Determinismus und Determiniertheit zu haben scheint. Wie da so etwas erkennen?
Ich schlage vor, dass die Redaktion sich an Wissenschaftler und nicht an Unternehmensberater wendet. Ich selbst werde mein Wissen - in meiner verspäteten Mittagspause! - als Kommentar nicht ausbreiten. Aber so viel: Ich bin dankbar, dass der Autor nicht auf mechanistische "group dynamics" ausgewichen ist, obwohl sein makroanalytischer Schwenker zum Schluss den Verdacht nahelegt, dass er nicht besonders fit ist. Noch so ein Jeff Jarvis. Attraktionen für Journalisten. Der letzte Absatz deutet es an.
Im übrigen... wurde mal ein Beitrag von mir vor knapp 8-10 Jahren von einem eher technologischen Journal (kein technisches!) mit den Worten abgelehnt, er sei zu ZEIT-haft. Damals wusste ich nicht, zu was für einem Publikum ich spreche, also habe ich nicht zu knackig argumentiert. Heute habe ich mich dessen wieder erinnert.
Ich wäre sehr dankbar für wiss. Beiträge über wiss. Themen, andernfalls stehlen Sie meine Zeit! Mehr Anspruch bitte. So dumm sind die Leser nicht.
Danke für die Kommentare.
@martinleanderschmitt: Ich habe gar keine Einwände gegen Ihre Interpretation, das Internet "Zusammenspiel von Technik und menschlicher Praxis (also Kulturtechnik)" zu verstehen. In dem Essay versuche ich jedoch, das Internet eben von der Werkzeughaftigkeit und damit von der Objekt-Ebene abgekoppeltes zu begreifen. Als etwas, das sich über fast zwanzig Jahre ausdehnt und noch weiter ausdehnen wird. Etwas, bei dem unsere alten Konzepte - wie die Datenautobahn - eben nicht greifen.
@W4YN3: Technisch im wesentlichen dáccord. Es geht hier aber nicht um die technische Ebene. Unser konzeptionelles Verständnis wandelt sich von der Verbindung zwischen Rechnern mehr zu einem einheitlichen Ding, man kann das Internet eben AUCH als EINEN gigantischen Cluster sehen.
@Freigeldpraktiker: Yes, that is the question. Ich schliesse aber nicht vom Kleinen auf das Grosse. Ich versuche einen Prozess der Evolution zu beschreiben. Sorry, wenn das nicht klar genug ist. Ich bin kein Freund der Theorie von "Intelligenz" (wie sie etwa Michael Maier vertreten hat, "Die ersten Tage der Zukunft"), aus den genannten Gründen. Trotzdem stellt sich die Frage, siehe letzter Satz, ob hier etwas neues entsteht, dessen "Intelligenz" wir so wenig einschätzen können wie der Affe den Menschen vorhersehen konnte.
@istdochironisch: Dies ist ein Essays, er hat keinen wissenschaftlichen Anspruch. Und doch, Algorithmen sind fast immer deterministisch. Aber das gehört wirklich in 1 Fachaufsatz.
Zwei Seiten lang fragte ich mich: "Was will uns der Autor eigentlich sagen?" Die große Erkenntnis ist, dass das Internet eine Maschine ist? Hatte man davor Angst, dass es zum Leben erweckt und die Menschheit zerstörrt?
Der wesentliche Punkt wird m.E. leider nur im letzten Ansatz angerissen. Das allgegenwärtige Netz, das "Internet of Things", ist das, was sich vom einstigen Internet (mit all seinen technischen Begriffen wie TCP oder UDP) unterscheidet. Logischerweise bleibt es technisch, dafür aber selbstverständlicher. Es rückt in den Hintergrund, spielt nicht mehr Hauptrolle, sondern wird mehr und mehr "nur" zum Trägermedium. Denn der Zugang bzw. die Benutzung außerhalb des Browsers wird immer selbstverständlicher, wie einst das Telefonieren oder eben der Strom. Jeder wird Teil dieses Netzes. Und jeder Gegenstand wird vernetzt. Durch diese fortschreitende Fragmentierung entsteht nach meinem Verständnis aber kein EinHirn - im Gegenteil.
Vorteile feiern oder Bedenklichkeiten hervorkehren - man kann auch versuchen, die Realität zu begreifen.Ich gebe dem Autor Recht. Die vermeintliche Hoheit des Menschen über die umfassende Hoheit der digitalen Welt schwindet. Und was als Beweis gilt, dass keine eigenständige "Intelligenz" vorliegt, schaffen wir doch als Makel des Netzes ab. Wenn die Komfortabilität der digitalen Welt jene beschwerliche Normalwelt zum Beiwerk degradiert hat, sehen wir weiter. Vielleicht würden wir heute "gerade noch so" als Menschheit das abrubte Verschwinden der digitalen Vernetzung überleben, bald dürfte dies undenkbar sein. Schon heute "lenkt" uns der gesuchte "Erfolg" im Netz mehr , als wir uns eingestehen. Das usurpiert uns, egal ob es nun "denkender" oder nur regulierender Prozeß ist. ein Netz ist Sicherheit und Abhängigkeit zugleich. Man versuche, jenen 1.273.569.Treffer einer Online-Recherche aufzusuchen. Existiert der überhaupt? Ja sicher! Nur bekomme ich aus Effizienzgründen keinen Zugang. Und wenn das "Netz" erst einmal "vorab erkennt", was ich eigentlich will, und entsprechend die ersten 1000 Angebote macht, wer ist dann der Herr und Meister? Ob ich dies prima oder furchtbar finde, wegen mir wird kein weltweit gewünschter Ablauf geändert. Das Netz "begreift sich" schon heute als immerwährende Mehrheit. Dieser "denkenden" Gesamtheit ist der Einzelne hilflos ergeben, es ist das "Gehirn eines Schwarms". Und nur im Schutz des Schwarms hat das Individuum eine Chance.
Ich als technischer Laie vestehe ganz einfach ,, es tut sich ein neuer Realm auf,, . Herr und Meister sind immernoch die Programmierer, verstehen Ihren Beruf die Gedanken zu verbinden mit Schlagwörter wie auch wir Benutzer unsere Gedanken eingeben =Schlagwörter und dementsprechend fündig werden, der weniger Intelligente kann genauso 1.273.569.Treffer einer Online-Recherche angezeigt bekommen wie die intelligentere Person. Da ist doch eine gewisse Zufriedenheit gegeben und deswegen bestimmt auch so heiß begehrt. Was die Zukunft bringt könnte man vielleicht mit der Abhängigkeit des Rohöls vergleichen? Wobei die Technik wahrscheinlich nicht so schnell erschöpft wäre :-)
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