Internet-Evolution Vom Rechnernetz zum EinHirn

Internet ist der falsche Name für das Ding, das längst Teil unserer Realität ist und das alle Menschen miteinander verknüpft. Ein Essay über unsere Zukunft von Ch. Kappes

Wir haben das Internet versehentlich falsch benannt.

Inter-Net ist eine Zusammenziehung der englischen Interconnected Networks – der vernetzten Rechnernetzwerke. Die gibt es, aber es sind nicht die Netzwerke, die im Internet Informationen für schätzungsweise zwei Milliarden Rechner verarbeiten, darunter wohl eine Milliarde von ihnen in Jackentaschengröße, die wir – ebenso versehentlich – seit Anbeginn als Telefone bezeichnen. Die eigentlichen Einheiten, die die Unmengen von Informationen verarbeiten, sind mehr als 700 Millionen Host-Computer.

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Interconnected Networks ist eine deskriptiv-technische Sicht, die das Phänomen nicht trifft. Es wäre so, als würde man ein Automobil beschreiben als "Räder mit Verbindung". Genauso unzutreffend war die Datenautobahn, die sich nur auf den Transport konzentriert.

Christoph Kappes
Christoph Kappes

Kappes ist Chef von Fructus, einer Agentur, die Unternehmen bei ihren Aktivitäten im Internet berät. Er selbst beschäftigt sich seit Jahren mit den Entwicklungen des Internets und bloggt und twittert auch dazu. Immer wieder veröffentlicht er entsprechende Beiträge in Blogs und Zeitungen.

Was also ist die entsprechende Funktionsbezeichnung für das Internet, wie können wir es greifen? Noch Mitte der neunziger Jahre hätte keinen Widerspruch erregt, wer das Internet als großen digitalen Weltspeicher verstanden hätte, ein Medium oder genauer einen Medienträger, der andere Medien transportieren und deren Inhalte speichern kann.

Dann erleichterten E-Commerce, Onlinebanking und eGovernment Vielen den Alltag. Technisch geschah damit der Anschluss des Internets an Transaktionssysteme von Unternehmen. In der Wertschöpfungskette bekam es eine Verbindung nach vorn, zum Kunden, aber auch nach hinten, zu Lieferanten.

Schließlich kam eine weitere Funktionsschicht hinzu: Zur E-Mail traten die Telefonie und andere Dienste und entwickelten die zwischenmenschliche Kommunikation. Zuerst nur als Annex-Kommentare zu anderen Inhalten, sodann mit eigenständigen Inhalten in Blogs, und nun in sozialen Netzwerken wie Facebook. Das Social Network hat heute schon in den USA mehr Seitenabrufe als Google und wird in zwei Jahren die Milliarden-Nutzer-Grenze überschreiten.

Wie also sollen wir das "Ding" nennen, das längst nicht mehr nur Computer, sondern Menschen miteinander verbindet? Mankind Connecting Cluster? Immerhin vernetzt es Menschen in aller Welt.

Das ist nicht nur an der Oberfläche so, an der – vereinfacht gesprochen – Tweets in Google auftauchen, oder YouTube-Videos in Blogs stehen, oder soziale Beziehungen sich in Google finden und alles wiederum irgendwie bei Facebook landet.

Leser-Kommentare
  1. Vom Kleinen sollte man nie auf das Große schließen - oder - das Netz selbst beginnt intelligent zu werden.

  2. Sie sprechen von der Technik und vergessen, dass - wie jeder technische Gegenstand - sich auch dieser Gegenstand in einen größeren Zusammenhang speist, um den es in diesem Beitrag geht.

    Hiermit möchte ich den Beitrag aber nicht verteidigen. Sätze wie "immer noch eine deterministische Maschine" zeigen, dass Herr Kappes theoretisch nicht imstande ist, in so komplexen Zusammenhängen zu denken, u.a. weil er keinen Schimmer von Determinismus und Determiniertheit zu haben scheint. Wie da so etwas erkennen?

    Ich schlage vor, dass die Redaktion sich an Wissenschaftler und nicht an Unternehmensberater wendet. Ich selbst werde mein Wissen - in meiner verspäteten Mittagspause! - als Kommentar nicht ausbreiten. Aber so viel: Ich bin dankbar, dass der Autor nicht auf mechanistische "group dynamics" ausgewichen ist, obwohl sein makroanalytischer Schwenker zum Schluss den Verdacht nahelegt, dass er nicht besonders fit ist. Noch so ein Jeff Jarvis. Attraktionen für Journalisten. Der letzte Absatz deutet es an.

    Im übrigen... wurde mal ein Beitrag von mir vor knapp 8-10 Jahren von einem eher technologischen Journal (kein technisches!) mit den Worten abgelehnt, er sei zu ZEIT-haft. Damals wusste ich nicht, zu was für einem Publikum ich spreche, also habe ich nicht zu knackig argumentiert. Heute habe ich mich dessen wieder erinnert.

    Ich wäre sehr dankbar für wiss. Beiträge über wiss. Themen, andernfalls stehlen Sie meine Zeit! Mehr Anspruch bitte. So dumm sind die Leser nicht.

    Antwort auf "Falsch"
  3. Ich als technischer Laie vestehe ganz einfach ,, es tut sich ein neuer Realm auf,, . Herr und Meister sind immernoch die Programmierer, verstehen Ihren Beruf die Gedanken zu verbinden mit Schlagwörter wie auch wir Benutzer unsere Gedanken eingeben =Schlagwörter und dementsprechend fündig werden, der weniger Intelligente kann genauso 1.273.569.Treffer einer Online-Recherche angezeigt bekommen wie die intelligentere Person. Da ist doch eine gewisse Zufriedenheit gegeben und deswegen bestimmt auch so heiß begehrt. Was die Zukunft bringt könnte man vielleicht mit der Abhängigkeit des Rohöls vergleichen? Wobei die Technik wahrscheinlich nicht so schnell erschöpft wäre :-)

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