Seit heute bietet Microsoft die Erstfassung (Beta) seines neuen Internet Explorer 9 zum Download an, und das weltweit in 33 Sprachen. Dabei versucht Microsoft einmal mehr, mit seiner Neufassung einen richtig guten Browser anzubieten und den Imagewechsel hin zu einem Internet-Unternehmen zu forcieren.

Der neue Internet Explorer soll zunächst vor allem schneller sein. Nicht mehr nur der Hauptprozessor (CPU) soll die ganze Rechenarbeit leisten, sondern die Grafikkarte muss künftig mitschuften – in allen Phasen der Seitendarstellung. Das kann in vergleichbarem Maße bislang nur die neue Beta-Fassung des konkurrierenden Firefoxbrowsers . Um die Geschwindigkeit von Browsern bei unterschiedlichen Aufgaben zu messen, haben sich einige Leistungstests etabliert, die Namen tragen wie " SunSpider JavaScript Benchmark " und andere. Und tatsächlich schneidet der Explorer nun oft zwar nicht als Klassenbester, aber dennoch deutlich schneidiger ab als bisher.

Dank dem neuen Webstandard HTML5 ist es jetzt sogar theoretisch möglich, Videos und Animationen in HD-Qualität direkt auf der Seite anzugucken. Vorher musste der Nutzer dafür irgendein sogenanntes Plug-in installieren. Microsoft, das sonst immer lieber sein eigenes Süppchen gekocht hat, öffnet sich dem nun. Wohl noch nie setzte das Unternehmen so sehr auf aktuelle Webspezifikationen wie beim Explorer 9. Das ist wichtig, macht es doch vielen Programmierern das Leben leichter, wenn ein weitverbreiteter Browser innovative Anwendungen und allgemeine Standards unterstützt. So können sich Neuentwicklungen im Netz schneller durchsetzen. Hier hat Microsoft in der Tat eine Kehrtwende eingeleitet. Auch wenn man selbst noch längst nicht alles aus der aktuell verfügbaren Angebotspalette rund um HTML5 umgesetzt hat – deutlich mehr als ein Lippenbekenntnis ist das auf jeden Fall.

Bei der Präsentation, die gestern Abend zeitgleich in Hamburg und San Francisco stattfand, bezeichnete Microsoft-Managerin Dorothee Ritz ihr Unternehmen gar als "Cloud Company". Das erstaunt bei einem Konzern, dessen Kerngeschäft in der Vergangenheit hauptsächlich von attraktiven Webanwendungen bedroht wurde. Ganz klar: mit dem neuen Explorer forciert Microsoft seinen Image-Wechsel.

Denn das Unternehmen steckt in der einerseits so komfortablen wie andererseits psychologisch ungünstigen Rolle, ein stark bröckelndes Monopol verteidigen zu müssen. Weltweit surfen noch etwa 60 Prozent der Nutzer mit dem Explorer (in Deutschland sind es übrigens nur 27 Prozent.). Es ist kein großes Geheimnis, dass der Erfolg des Browser bislang nicht darauf beruhte ein besonders großartiges Stück zukunftsweisender Programmierkunst zu sein. Vielmehr lag es an der Faulheit der Nutzer, die ihn beim Kauf auf ihren Windowsrechnern vorgefunden haben und seitdem nutzen, um ins Netz zu gelangen. Erschreckend viele surfen zudem noch mit dem veralteten Internet Explorer 6. Kaum ein Browser hat mehr Sicherheitslücken.