Bundeshaushalt im Netz"Die Politiker müssen Open Data zur Chefsache machen"

Daniel Dietrich und Friedrich Lindenberg haben den Bundeshaushalt im Netz zugänglich gemacht. Im Interview erzählen sie von ihrem Kampf um offene Daten. von 

Bislang umfasst die Website nur Zahlen des Bundes, Länder- und Gemeindehaushalte sollen folgen

Bislang umfasst die Website nur Zahlen des Bundes, Länder- und Gemeindehaushalte sollen folgen  |  © screenshot: bund.offenerhaushalt.de

ZEIT ONLINE: An wen richtet sich Ihr Projekt " offener haushalt "?

Daniel Dietrich: Zum einen wollen wir grundsätzlich aufzeigen, was mit einer Aufarbeitung von öffentlichen Daten möglich ist. Dann ist es ein Recherche-Tool: Zum einen für den interessierten Bürger, vor allem aber für Journalisten und Nicht-Regierungsorganisationen. Sie finden die Informationen bei uns viel leichter als im traditionell veröffentlichten Haushalt. Und sie können auch direkt darauf verlinken. Jeder Posten hat eine eigene URL.

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ZEIT ONLINE : Klingt noch nicht sehr aufsehenerregend ...

Dietrich : Die Daten stehen ja in verschiedenen Formaten zur Verfügung, was es einfacher macht, sie mit bestimmten Programmen auszuwerten. Man kann sie etwa ins Verhältnis setzen zu Bestandsdaten, zur Bevölkerungsentwicklung, zur Gesundheitspolitik, zu Fördergeldern. 

ZEIT ONLINE : Warum sollte man das tun wollen?

Dietrich: Um auf bestimmte Zusammenhänge hinzuweisen. Vorbildcharakter hat da zum Beispiel das Projekt Farmsubsidy . Durch diese Website wurde das erste Mal transparent, welche Unternehmen am meisten von den Agrarsubventionen der Europäischen Union profitieren. Spannend wäre für Deutschland zum Beispiel eine genauere Analyse, welche Subventionen an welche Unternehmen fließen.

Leserkommentare
    • lepkeb
    • 16. September 2010 17:37 Uhr

    Herren nur Glück wünschen, dass ihre Arbeit nicht durch irgendwelche neuen Gesetze oder Verordnungen abgeschossen wird.
    Interessant wäre natürlich die Direktdaten des BMF mit den veröffentlichten zu Vergleichen. Data massaging comes to mind.

  1. Erst einmal vielen Dank an die Zeit für diese interessante Webseite. Die Daten sind schön aufgearbeitet und vor allem sehr übersichtlich. Gerade wenn man sich mit dem Bundeshaushalt beschäftigt, musste man zuvor viele verschiedene Seiten des Bundes ansteuern und sich langwierig durch diese hindurch arbeiten.

    Bei diesen Zahlen habe ich mir aber gleich mal den Taschenrechner geschnappt, da ich kein Fan von der täglichen Vermögensumverteilung von Arm nach Reich bin. Und siehe da, wenn ich mir die Zinsausgaben der Bundesrepublik (wohlgemerkt Zinsausgaben, keine Tilgung) ansehe, kommt man doch auf eine interessante Größe.

    Frage: Wie viele Harzt IV Empfänger könnten von den jährlichen Zinszahlungen existieren?
    Antwort: Rund 4 Millionen bei 750 Euro monatlicher Zuwendung. Noch Fragen?

    http://www.ploync.de/geld...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... das es sich zum einen um die Seite eines vereines Handelt und NICHT um die Seite von der Zeit und zum anderen:

    "Frage: Wie viele Harzt IV Empfänger könnten von den jährlichen Zinszahlungen existieren?
    Antwort: Rund 4 Millionen bei 750 Euro monatlicher Zuwendung. Noch Fragen?"

    Ja, wie sind die Schulden denn entstanden? Könnte es nicht sein, dass über Jahre diverse Subjekte die von unserem Sozialstart übermäßig stark profitieren, nicht auch ein wenig Schuld an den Schulden haben? Wie wir wissen, ist es ein offenes Geheimnis, dass Jahrelang Kredite nicht wie vorgesehen für Investitionen verwendet wurden, sondern um Kassen am laufen zu halten. Jede Wette, bei den Länderkassen schlägt das noch viel mehr ins Gewicht.

    Außerdem haben die Hartz4 Empfänger aber SOWAS von wenig mit den Zinszahlungen zu tun, ein Teil dieser könnte nämlich ruhig arbeiten gehen und so zur Entschuldung des Staates beitragen.

    • dth
    • 16. September 2010 18:36 Uhr

    Das ist ein extrem wichtiges Thema.
    Unsere Demokratie geniest immer weniger Vertrauen bei den Bürgern. Das liegt sicher zum einen daran, dass Bürger zu wenig direkten Einfluss darauf haben, wer tatsächlich in Parlamenten sitzt, und an zu wenig stellen direkt mit Entscheiden können.
    Es liegt aber vor allem daran, dass sie oft das Gefühl haben, hinters Licht geführt zu werden. Es ist an der Zeit, dass wirklich alle Informationen des Staates im Internet in zugänglicher Form offen gelegt werden.
    Ausnahmen sind eigentlich nur für personenbezogene Daten (Einkommensdaten von Bürgern etc.) und wirklich sicherheitsrelevante Informationen (Einsatzpläne, Pläne von Waffemsystemen, ....) vertretbar.
    Dass es auch heute noch üblich ist, dass bspw. zahlreiche Verträge nicht einsehbar sind, beauftragte Studien oder erstellte Statistiken geheim gehalten werden, ist ein Armutszeugnis. Demokratie lebt durch die informierte Beteiligung der Bürger, das muss endlich auch möglich werden.

  2. Offenheit im Umgang mit dem Souverän ist im Grunde eine sich aus Verfg. und GG ergebende Selbstverständlichkeit. Doch wie so viele andere Rechte auch, muss man diese den Oberen immer erst abtrotzen. Dabei könnte es zum Selbstläufer werden und verlorenes Vertrauen zurück gewinnen. Es würde der Politikverdrossenheit entgegen laufen und ggf. wieder mehr Beteiligung an den Wahlurnen zeitigen.
    Dieses Projekt ist sehr zu loben, wie etwa "abgeordnetenwatch.de" auch. Ein Vorschlag für die nächste Initiative wäre eine objektive Übersicht der Arbeitslosenzahlen. Mit Erfassung derjenigen, die in ABM stecken, denen, die eine Aufstockung erh. sowie auch der Langzeitarbeitslosen, die, weil über einer best. Altersgrenze liegend, seither gar nicht mehr mitgezählt wurden. Als Sahnehäubchen noch die Auflistung, wieviele in Zeitarbeitsfirmen untergebracht sind. Mit differenziert ausgewiesenen Verwaltungskosten und Auflistung der Mittel, die für ALG I - II geflossen sind. Zus. die Mittel, die aus den Sozialvers. eingenommen werden. Damit endlich die polemische Ausschlachtung ein Ende hat und Bürokratiekosten in diesem Ressort zugeordnet werden können, bevor noch überhaupt ein Euro an Bedürftige ausgezahlt wurde.
    Auf die Erstellung der Daten müssen jedoch Bürger und Staat gleichermaßen Einfluss haben. Es wäre interessant gewesen, dazu etwas zu erfahren. Zu groß ist die Gefahr, daß wir mit dem vermeintlichen Zugewinn an Erkenntnis noch mehr der Manipulation ausgesetzt sind als seither schon.

  3. ... das es sich zum einen um die Seite eines vereines Handelt und NICHT um die Seite von der Zeit und zum anderen:

    "Frage: Wie viele Harzt IV Empfänger könnten von den jährlichen Zinszahlungen existieren?
    Antwort: Rund 4 Millionen bei 750 Euro monatlicher Zuwendung. Noch Fragen?"

    Ja, wie sind die Schulden denn entstanden? Könnte es nicht sein, dass über Jahre diverse Subjekte die von unserem Sozialstart übermäßig stark profitieren, nicht auch ein wenig Schuld an den Schulden haben? Wie wir wissen, ist es ein offenes Geheimnis, dass Jahrelang Kredite nicht wie vorgesehen für Investitionen verwendet wurden, sondern um Kassen am laufen zu halten. Jede Wette, bei den Länderkassen schlägt das noch viel mehr ins Gewicht.

    Außerdem haben die Hartz4 Empfänger aber SOWAS von wenig mit den Zinszahlungen zu tun, ein Teil dieser könnte nämlich ruhig arbeiten gehen und so zur Entschuldung des Staates beitragen.

    Antwort auf "Vielen Dank"
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    • johaupt
    • 17. September 2010 11:14 Uhr

    "Ja, wie sind die Schulden denn entstanden? Könnte es nicht sein, dass über Jahre diverse Subjekte die von unserem Sozialstart übermäßig stark profitieren, nicht auch ein wenig Schuld an den Schulden haben?"

    Weil der Staat zu blöd ist das Geld zu drucken und es sich stattdessen von den Reichen leiht? Und wer bitte "profitiert" vom Sozialstaat, die Leute die nicht verhungern, weil wir ihnen Almosen zahlen? Nennt man das neuerdings "übermäßig starkes profitieren"?

    "Wie wir wissen, ist es ein offenes Geheimnis, dass Jahrelang Kredite nicht wie vorgesehen für Investitionen verwendet wurden, sondern um Kassen am laufen zu halten. Jede Wette, bei den Länderkassen schlägt das noch viel mehr ins Gewicht."

    Das geht nicht anders. Wenn man bei den Reichen kaum noch Steuern erhebt, dann muss man sich halt verschulden um ein gewisses Wohlstandsniveau zu wahren. Nicht?

    "Außerdem haben die Hartz4 Empfänger aber SOWAS von wenig mit den Zinszahlungen zu tun, ein Teil dieser könnte nämlich ruhig arbeiten gehen und so zur Entschuldung des Staates beitragen."

    Ich schätze das würden sie gerne. Bezahlst du ihnen eine (faire) Arbeitsstelle? Die reichen Kapitalbesitzer und Erblinge tun es nämlich nicht, die sparen das Geld lieber, da Investitionen sich nicht lohnen, wenn alle immer weniger verdienen. Im Übrigen sind das die wahren Schmarotzer, die arbeiten nicht nur nicht, sie diktieren auch die Politik, erpressen uns und leben von unseren Zinszahlungen. (Neo)Feudalismus nenne ich das.

  4. Vielen Dank an die Betreiber der WebSite.
    Was habe ich mich schon zuweilen fusslig gesucht bei der Internetrecherche nach aktuellen Zahlen. Wenn das ganze jetzt noch von offizieller Seite auf Richtigkeit geprüft wird, die Einzelbereiche weiter unterteilt werden können und die Landeshaushalte dazu kommen, wird das Ganze zu einem recht brauchbaren Tool avancieren.

    Gerade für Zahlenjongleure ein wunderschöner Spielplatz.

    • johaupt
    • 17. September 2010 11:05 Uhr

    ... wieso das Finanzministerium gegen das Informationsfreiheitsgesetz verstößt und sich anmaßt, über die von Steuergeldern erhobenen Daten, die Definitionshoheit zu behalten. Einige Sesselhocker sagen dem Rest der Welt was ihnen in den Kram passt? So nicht!

    Viel Glück für das Projekt!

    • johaupt
    • 17. September 2010 11:14 Uhr

    "Ja, wie sind die Schulden denn entstanden? Könnte es nicht sein, dass über Jahre diverse Subjekte die von unserem Sozialstart übermäßig stark profitieren, nicht auch ein wenig Schuld an den Schulden haben?"

    Weil der Staat zu blöd ist das Geld zu drucken und es sich stattdessen von den Reichen leiht? Und wer bitte "profitiert" vom Sozialstaat, die Leute die nicht verhungern, weil wir ihnen Almosen zahlen? Nennt man das neuerdings "übermäßig starkes profitieren"?

    "Wie wir wissen, ist es ein offenes Geheimnis, dass Jahrelang Kredite nicht wie vorgesehen für Investitionen verwendet wurden, sondern um Kassen am laufen zu halten. Jede Wette, bei den Länderkassen schlägt das noch viel mehr ins Gewicht."

    Das geht nicht anders. Wenn man bei den Reichen kaum noch Steuern erhebt, dann muss man sich halt verschulden um ein gewisses Wohlstandsniveau zu wahren. Nicht?

    "Außerdem haben die Hartz4 Empfänger aber SOWAS von wenig mit den Zinszahlungen zu tun, ein Teil dieser könnte nämlich ruhig arbeiten gehen und so zur Entschuldung des Staates beitragen."

    Ich schätze das würden sie gerne. Bezahlst du ihnen eine (faire) Arbeitsstelle? Die reichen Kapitalbesitzer und Erblinge tun es nämlich nicht, die sparen das Geld lieber, da Investitionen sich nicht lohnen, wenn alle immer weniger verdienen. Im Übrigen sind das die wahren Schmarotzer, die arbeiten nicht nur nicht, sie diktieren auch die Politik, erpressen uns und leben von unseren Zinszahlungen. (Neo)Feudalismus nenne ich das.

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