Vergewaltigungsvorwurf Wikileaks-Vertraute legt Assange Pause nahe

Die Debatte um Wikileaks ist voller Ungereimtheiten. Wegen eines Vergewaltigungsvorwurfs gegen Portal-Gründer Assange rät eine Abgeordnete, er soll sein Amt ruhen lassen.

Die isländische Abgeordnete und Wikileaks-Vertraute Birgitta Jonsdottir hat versucht, Julian Assange vom Rücktritt zu überzeugen

Die isländische Abgeordnete und Wikileaks-Vertraute Birgitta Jonsdottir hat versucht, Julian Assange vom Rücktritt zu überzeugen

Wäre Wikileaks eine etablierte Institution, dann wären wohl jetzt Rücktrittsforderungen laut geworden. Gegen Julian Assange, bislang die einzig bekannte Persönlichkeit hinter der Plattform für anonymen Geheimnisverrat, hat die schwedische Staatswanwaltschaft erneut Ermittlungen eingeleitet. Vergewaltigung lautet der Vorwurf.

Birgitta Jónsdóttir, eine isländische Abgeordnete und offensichtlich Wikileaks-Vertraute, hat dem Online-Medium The Daily Beast anvertraut, sie habe vergeblich versucht, Assange vom Rücktritt von seinem Sprecherposten bei Wikileaks zu überzeugen. Zumindest solange solle er seine Tätigkeit ruhen lassen, bis die Ermittlungen gegen ihn abgeschlossen seien, so ihr Rat. Jónsdóttir bezeichnet sich als Wikileaks-Vertraute und Assange-Freundin. "Gute Freunde sind dazu da, einem zu sagen, wenn das Gesicht schmutzig ist", wird sie zitiert. Außerdem sollte es nicht einen einzigen Menschen, sondern besser mehrere Personen geben, die für die Organisation in der Öffentlichkeit sprächen, ließ sie verlauten.

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Wikileaks-Chef und -Gründer Julian Assange

Wikileaks-Chef und -Gründer Julian Assange

Es ist nicht ungewöhnlich, dass eine öffentliche Person ihre Ämter während laufender Ermittlungen ruhen lässt. Fest steht auch, dass die Angelegenheit wohl nicht ganz ohne Blessuren für Assange und Wikileaks ausgehen wird. Sollte es sich tatsächlich um eine gezielte Intrige handeln, um das Image von Wikileaks zu beschädigen, weitere Geldgeber vom Spenden und künftige Geheimnisverräter abzuschrecken, dann müsste man den Strippenziehern wohl gratulieren. Denn vermutlich war die Aktion ein Erfolg. Aber Assange muss die Debatte wohl aushalten. Er ist mittlerweile eine Person des öffentlichen Interesses.

Im Moment allerdings steht Aussage gegen Aussage, und Spekulationen führen nicht weiter: Julian Assange spricht von einer gezielten Intrige, der Anwalt der Frauen von Vergewaltigung. Genauso unlauter wie die Verschwörungstheorien, die Assange-Anhänger jetzt in die Welt setzen, und in denen der amerikanische Geheimdienst immer eine Rolle spielt, sind daher die Gerüchte, die Jónsdóttir jetzt in die andere Richtung anheizt: Assange sei ein typischer Australier, "ein bisschen chauvinistisch" eben, sagte sie The Daily Beast. Besonders aussagekräftig ist das nicht. Doch was sollte eine solche Aussage anderes nahe legen, als dass er die Frauen nicht ganz anständig behandelt hat?

Es ist verlockend: Kaum eine Medienstrategie erfreut sich so großer Beliebtheit wie der Nachweis der Doppelmoral. Der Transparenz-Plattform Wikileaks wirft man also ständig die eigene Intransparenz vor, etwa, was die eigenen Finanzen betrifft. Die New Yorker Webseite Gawker hat jetzt nach dem Prinzip "Wer kontrolliert die Kontrolleure" sogar eine eigene Transparenz-Webseite über Wikileaks ins Leben gerufen, die es allerdings auch nicht besser macht: Auf Wikileakileaks findet man etwa vermeintlich neutrale Hintergrundinformationen zu einem der mutmaßlichen Assange-Opfer. Hier wird nahegelegt, dass Anna Ardin, Pressesprecherin des schwedischen Brotherhood Movement wohl kaum wie eine typische Geheimdienst-Mitarbeiterin wirke, und Assange wohl kaum gezielt in eine Falle gelockt habe. Als wären Geheimdienstmitarbeiterinnen sofort als solche erkenntlich. Auch der Polizeibericht über die mutmaßlich von Assange begangene Vergewaltigung scheint inzwischen "geleakt" worden zu sein. Diesem Bericht auf der Gawker-Seite zufolge beruht der Vergewaltigungsvorwurf vor allem darauf, dass er sich geweigert haben soll, ein Kondom zu benutzen.

Leser-Kommentare
    • gast12
    • 07.09.2010 um 19:43 Uhr

    erstens: wir haben uns schon gefragt, wann die newsweek-spamwelle in der zeit ankommt. wochenlang hatte das blatt den twitter-wl-feed mit den link zu seiner (newsweek) - gerüchteküche zugesendet. haken: die leute konnten sich dort nur an dieskussionen beteiligen, nachdem sie - via voller netzwerk-anmeldung - an newsweek totale spamsrechte abgaben. wer z.b. mit einem fb-acc sich anmelden wollte, der mußte newsweek einräumen, dass sie zukünftig die rechte haben, den eigenen fb-account mit deren digitalen werbeblättern zumüllen dürfen. das ging wochenlang. reiner pr-gag.
    wen man sich umhört unter den leuten, kann man relativ rasch feststellen, dass niemand wirklich an der art etwas auszusetzen hat, die der sprecher für die engl. hemisphäre seinen job gemacht hat hat [in den arbeitsstunden]. und außerhalb - sind halt immer noch die meisten der meinung: erm außerhalb der arbeitsstunden ist privatleben seine privatsache, bis zu einem gewissen moment.
    und da der erste polizeireport relativ früh durchkam und von vielen gelesen wurde... ist ziemlich-ziemlich klar, dass auf diesen zug "vergewaltigung" keine auspring.
    heise hatte hierzu frühzeitig detailliert recherchiert. das ist ein kampf zwischen brotherhood und den von der kampfansage überraschten piraten, die, btw., wie es derzeit aussieht, tag für tag mehr leute ins boot bekommen dürften für diesen auftritt der weiblichen person, die sich bald für das christliche brotherhood wählen lassen will...
    mehr: google "wikinews030"

  1. Dass der Mann seines Lebens nicht mehr froh würde, war mir in dem Augenblick klar, als er sich mit dem Imperium angelegt hat. War dann doch eine Nummer zu gross, aber trotzdem danke! Weitere werden dem Beispiel folgen.

  2. 3. Unfug

    Man kann es nicht oft genug sagen, Assange ist NICHT die einzige bekannte Person der Plattform. Vor allem die Zeit müsste das Wissen, da eine andere Person auch HIER schon Interviewed wurde.

    Und sein Sprecheramt niederzulegen ist wohl leichter gesagt als getan. Der Mann wird seines Lebens nicht mehr froh, WEIL er Sprecher ist. Ich denke nicht, dass jemand in seine Fußstapfen treten will.

  3. "... der Objektivität verpflichteten Journalisten."

    Als ob Journalisten immer objektiv wären, davon ist man i.d.R. weit entfernt. Eine Meinung zu vertreten und gleichzeitig objektiv zu bleiben ist eben diffizil.

    Mich würde mal die Meinung von Assange zur Aussage von Jonsdottir interessieren. Dadurch, dass Sie mit ihrer Aussage an die Öffentlichkeit geht schafft sie ja zusätzlich gehörigen Druck auf den aktuellen Wikileaks-Sprecher Assange.

  4. Die mir über die Medien mitteilen, was ich zu tun haben, dürfen sich die Freundschaft abschminken. Im besten Fall sind sie nur scharf auf meinem Posten. Der schlechteste Fall ist eh klar.

  5. zeigt meiner Meinung das der Feminismus seinen Zenit überschritten hat.

    "Genauso unlauter wie die Verschwörungstheorien, die Assange-Anhänger jetzt in die Welt setzen, und in denen der amerikanische Geheimdienst immer eine Rolle spielt"

    Ja die bösen Verschwörungstheorien, die es den "Meinungsführerern" immer schwerer machen ihre Meinungmonopole durchzusetzen.

    In Deutschland würde jetzt irgendeine Aussage, die mit genug Empörung als nazi gedeutet werden könnte, reichen, um für J.A. zu "ächten".

    Der Feminismus, in Person T.Klopp hat abgewirtschaftet: gegen freie Meinungsäußerung,zunehmend totalitär
    (auch "positive" Diskriminierung bleibt Diskriminierung)

  6. "Material, aus dem Experten und Journalisten dann erst ihre Geschichten entwickeln."

    doppelautsch

    • remail
    • 15.09.2010 um 17:39 Uhr

    Mag die Presse Julian Assange oder mag sie ihn nicht? Und wollte Birgitta Jonsdottir mehr, als nur einfach mal etwas sagen. Mir wäre es peinlich wenn ich mit Vertrauten via Zeitung reden müsste.

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