Vergewaltigungsvorwurf Wikileaks-Vertraute legt Assange Pause naheSeite 2/2

Wie sich das alles tatsächlich zugetragen hat, das sollen die rechtsstaatlichen Ermittlungen klären. Dem Prinzip Wikileaks braucht das nichts anzuhaben. Ein Prinzip übrigens, das in den Medien immer wieder für Verwirrungen sorgt. So wird die Website gerne mit allem möglichen verglichen, um dann zu konstatieren, dass es seinen selbst gesetzten Aufgaben angeblich nicht gerecht würde.

Wikileaks für ein journalistisches Medium zu halten etwa, ist so ein typischer Fehler. Zwar hat eine schwedische Zeitung Assange kürzlich sogar einen Platz als Kommentator eingeräumt. Aber die Macher von Wikileaks sind keine der Objektivität verpflichteten Journalisten, sondern Vertreter ihrer eigenen Sache. So hilft es nicht weiter, Wikileaks vorzuwerfen, bestimmte geleakte Informationen seien bereits länger bekannt gewesen und daher kein wirklicher Scoop. Wikileaks bietet eben eigentlich keine fertigen Geschichten an – oder sollte es besser nicht tun . Auf der Seite steht vielmehr Material, aus dem Experten und Journalisten dann erst ihre Geschichten entwickeln.

Wikileaks ist auch genauso wenig ein Unternehmen wie Assange ein professioneller Unternehmenssprecher ist. Er ist viel eher ein Überzeugungstäter, der sich einer bestimmten Vorstellung, beinahe schon Ideologie von Informationsfreiheit verpflichtet fühlt. Zwar hat sich herausgestellt, dass Wikileaks ihre Papiere bei Medien und in der breiteren Öffentlichkeit anbieten muss, damit diese nicht unbeachtet auf der Seite vor sich hin darben. Allerdings sollte man dabei immer bedenken, dass Wikileaks in erster Linie eine technische Lösung bietet und der Ausgestaltung einer eigenen, ganz speziellen Idee von Transparenz verpflichtet bleibt. Über diese Idee als solche kann man diskutieren, das Prinzip Wikileaks indes wird allen persönlichen Problemen ihrer Betreiber zum Trotz selbst dann funktionieren , wenn die Protagonisten wechseln.

Wie Informationen geprüft und veröffentlicht werden, wie der Informantenschutz konkret ausgestaltet ist, muss transparent sein. Ist das garantiert, besteht auch kein Grund, die aktuelle Diskussion Wikileaks selbst anzulasten. Vielleicht braucht es eines Tages gar keine prominenten Sprecher wie Assange mehr, um Informationen nach dem Prinzip Wikileaks über das Netz nach außen zu tragen.

Wichtiger ist die andauernde Debatte darüber, inwiefern die Veröffentlichung von Geheimpapieren dem Gemeinwohl dienlich ist und unter welchen Umständen dies geschehen soll.

 
Leser-Kommentare
    • gast12
    • 07.09.2010 um 19:43 Uhr

    erstens: wir haben uns schon gefragt, wann die newsweek-spamwelle in der zeit ankommt. wochenlang hatte das blatt den twitter-wl-feed mit den link zu seiner (newsweek) - gerüchteküche zugesendet. haken: die leute konnten sich dort nur an dieskussionen beteiligen, nachdem sie - via voller netzwerk-anmeldung - an newsweek totale spamsrechte abgaben. wer z.b. mit einem fb-acc sich anmelden wollte, der mußte newsweek einräumen, dass sie zukünftig die rechte haben, den eigenen fb-account mit deren digitalen werbeblättern zumüllen dürfen. das ging wochenlang. reiner pr-gag.
    wen man sich umhört unter den leuten, kann man relativ rasch feststellen, dass niemand wirklich an der art etwas auszusetzen hat, die der sprecher für die engl. hemisphäre seinen job gemacht hat hat [in den arbeitsstunden]. und außerhalb - sind halt immer noch die meisten der meinung: erm außerhalb der arbeitsstunden ist privatleben seine privatsache, bis zu einem gewissen moment.
    und da der erste polizeireport relativ früh durchkam und von vielen gelesen wurde... ist ziemlich-ziemlich klar, dass auf diesen zug "vergewaltigung" keine auspring.
    heise hatte hierzu frühzeitig detailliert recherchiert. das ist ein kampf zwischen brotherhood und den von der kampfansage überraschten piraten, die, btw., wie es derzeit aussieht, tag für tag mehr leute ins boot bekommen dürften für diesen auftritt der weiblichen person, die sich bald für das christliche brotherhood wählen lassen will...
    mehr: google "wikinews030"

  1. Dass der Mann seines Lebens nicht mehr froh würde, war mir in dem Augenblick klar, als er sich mit dem Imperium angelegt hat. War dann doch eine Nummer zu gross, aber trotzdem danke! Weitere werden dem Beispiel folgen.

  2. 3. Unfug

    Man kann es nicht oft genug sagen, Assange ist NICHT die einzige bekannte Person der Plattform. Vor allem die Zeit müsste das Wissen, da eine andere Person auch HIER schon Interviewed wurde.

    Und sein Sprecheramt niederzulegen ist wohl leichter gesagt als getan. Der Mann wird seines Lebens nicht mehr froh, WEIL er Sprecher ist. Ich denke nicht, dass jemand in seine Fußstapfen treten will.

  3. "... der Objektivität verpflichteten Journalisten."

    Als ob Journalisten immer objektiv wären, davon ist man i.d.R. weit entfernt. Eine Meinung zu vertreten und gleichzeitig objektiv zu bleiben ist eben diffizil.

    Mich würde mal die Meinung von Assange zur Aussage von Jonsdottir interessieren. Dadurch, dass Sie mit ihrer Aussage an die Öffentlichkeit geht schafft sie ja zusätzlich gehörigen Druck auf den aktuellen Wikileaks-Sprecher Assange.

  4. Die mir über die Medien mitteilen, was ich zu tun haben, dürfen sich die Freundschaft abschminken. Im besten Fall sind sie nur scharf auf meinem Posten. Der schlechteste Fall ist eh klar.

  5. zeigt meiner Meinung das der Feminismus seinen Zenit überschritten hat.

    "Genauso unlauter wie die Verschwörungstheorien, die Assange-Anhänger jetzt in die Welt setzen, und in denen der amerikanische Geheimdienst immer eine Rolle spielt"

    Ja die bösen Verschwörungstheorien, die es den "Meinungsführerern" immer schwerer machen ihre Meinungmonopole durchzusetzen.

    In Deutschland würde jetzt irgendeine Aussage, die mit genug Empörung als nazi gedeutet werden könnte, reichen, um für J.A. zu "ächten".

    Der Feminismus, in Person T.Klopp hat abgewirtschaftet: gegen freie Meinungsäußerung,zunehmend totalitär
    (auch "positive" Diskriminierung bleibt Diskriminierung)

  6. "Material, aus dem Experten und Journalisten dann erst ihre Geschichten entwickeln."

    doppelautsch

    • remail
    • 15.09.2010 um 17:39 Uhr

    Mag die Presse Julian Assange oder mag sie ihn nicht? Und wollte Birgitta Jonsdottir mehr, als nur einfach mal etwas sagen. Mir wäre es peinlich wenn ich mit Vertrauten via Zeitung reden müsste.

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