Karsten Wenzlaff ist Community Manager im Berliner Vorwärts-Verlag

Vom Balletttänzer zum Community Manager: Miguel Baptista ist der klassische Quereinsteiger. Beim Hamburger Verlagshaus Gruner & Jahr betreut er unter anderem die Portale von Schöner Wohnen , Dogs , Essen & Trinken und National Geographic . Neben der Moderation der Gruppen ist er auch für strategische Fragen verantwortlich. "Das Spannende an dem Beruf ist es, Community Management allumfassend zu sehen, also die Communitys in jeglicher Hinsicht zu verbessern und auszubauen“, sagt Baptista.

Seine Tänzer-Laufbahn musste er nach einem Unfall mit 19 Jahren beenden. Er studierte Kommunikationsdesign und ging danach als Producer zur Verlagsgruppe Milchstraße. "Dort bin ich immer mehr ins Community Management 'reingerutscht“, sagt Baptista. Niemand habe sich für den Bereich zuständig gefühlt, also übernahm er die Aufgabe. Heute profitiert er davon, dass er bereits über mehr als zehn Jahre Berufserfahrung verfügt. Denn erfahrene Community Manager sind rar.

Noch immer ist allerdings unklar, was genau ein Community Manager überhaupt macht. "Im Moment gelten wir in den Unternehmen noch als Exoten, als Online-Freaks oder Web-2.0-Typen“, sagt Karsten Wenzlaff. Er beschäftigt sich mit der Frage, wie man digitale Jobs zu Lehrberufen machen kann. Der Community Manager vom Berliner Vorwärts-Verlag hat eine Agentur namens Ikosom gegründet, die sich wissenschaftlich mit sozialen Medien auseinandersetzt. "Ich glaube, dass der Social Media-Bereich sehr profitieren könnte, wenn er als richtiges Berufsfeld etabliert würde“, sagt Wenzlaff.

Auch die nötigen Wissensgrundlagen muss sich jeder Community Manager zurzeit noch selbst aneignen: Wie schnell sollte man auf Diskussionen im Netz reagieren? Wann muss man eingreifen? Welche juristischen Grenzen müssen beachtet werden? Bei den Medien sei man sich längst bewusst, wie wichtig die Einbindung der Leser in den redaktionellen Prozess sei. Doch es werde noch viel probiert und experimentiert. Von einem festen Anforderungsprofil an die Social Media-Mitarbeiter könne nicht die Rede sein. "Langfristig müssen wir dahin kommen, dass Community Management ebenso wie Anzeigenakquise ein selbstverständlicher Teil des Verlagsgeschäftes wird."

Je nach Unternehmensorganisation unterscheiden sich die Aufgaben recht deutlich: Viele Community Manager sind im Kundensupport angesiedelt, andere im Marketing. Einige wenige wie Silke Schippmann berichten direkt an die Geschäftsführung.

Schippmann ist Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Community Management (BVCM) , und auch sie hat einen recht bunten Lebenslauf. Sie arbeitete jahrelang als Krankenschwester und Visagistin, bevor sie über ein Informationsmanagement-Studium zum Community Management kam. Inzwischen arbeitet sie als Senior Managerin Community für die Wer-weiss-was GmbH. Zuvor war sie unter anderem für Xing und für Qype tätig. "Erfahrene Community Manager können sich ihre Stellen aussuchen“, sagt Schippmann. Der Bedarf wachse dramatisch, vor allem im Bereich der Online-Spiele. Doch es fehlt an Nachwuchs. Einen Grund dafür sieht Schippmann in der mangelnden Bekanntheit des Berufes.

Dies versucht der Verband gerade zu ändern: Der BVCM will das Berufsbild des Community Managers professionalisieren – unter anderem durch eine geregelte Ausbildung. "Wir halten eine Ausbildung zum Community Manager für sinnvoll, möglichst als Teil eines universitären Studiums“, sagt die Vorstandsfrau. Der Verband sei bereits in Gesprächen mit Hochschulen und Journalistenschulen. Doch noch gebe es keinen ganzheitlichen Ansatz, die Gespräche seien erst am Anfang. Immerhin: "Wir erhalten viele Anfragen von Universitäten nach Speakern." Das Thema sei also durchaus gefragt.