Randi Zuckerberg auf der Digital Life Design Konferenz in München © Getty Images for Burda Media

Randi Zuckerberg ist, wenn man ihrer eigenen Terminologie folgt, so etwas wie die Regierungssprecherin der drittgrößten Nation der Welt. Die Schwester von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit des sozialen Netzwerks. Und sie rechnet gern vor, dass nur noch zwei Länder auf der Erde mehr Einwohner haben als Facebook Mitglieder : China und Indien.

Was wie ein netter Marketingslogan klingt, hat einen ernsten Hintergrund. "Welchen Einfluss kann die drittgrößte Nation der Welt haben?", fragte Randi Zuckerberg am Dienstag auf dem Personal Democracy Forum in Barcelona. Und stellte anschließend das Projekt peace.facebook.com vor. Die Seite wertet die Verbindungen zwischen Facebook-Mitgliedern aus und will aufzeigen, wie viele politische, religiöse und kulturelle Gräben das Netzwerk überwindet. Dort stehen dann beeindruckende Zahlen. Dass sich in den vergangenen 24 Stunden 7160 Pakistaner und Inder miteinander befreundet haben zum Beispiel oder 16.300 Griechen und Türken.

Man habe eine Vision, sagte Zuckerberg. Man wolle den Frieden unterstützen, indem man helfe, dass Menschen weltweit einander besser verstünden.

Die Art und Weise, in der die Unternehmensführung an der guten Sache arbeitet, hat jedoch einen Haken: Facebook ist, wie alle sozialen Netzwerke, vor allem ein Werkzeug. Wie es eingesetzt wird, bestimmen diejenigen, die es benutzen. Wenn Menschen weltweit das Instrument verwenden wollen, um am Weltfrieden zu arbeiten, ist das prima. Wenn die Firmenleitung aber entscheidet, dies zu tun, wird es schwierig. Zumal, wenn man dafür an politischen Gesprächen teilnehmen will.

Niemand hat Mark Zuckerberg und seine Angestellten gewählt, sie haben keine demokratische Legitimation, um für andere Menschen zu sprechen. Außerdem wird niemals ganz transparent sein, für wen sie eigentlich arbeiten, für ihre Nutzer, daher die Bürger, oder für ihre Aktienbesitzer, also sich selbst? Ja, die Nutzer können "mit den Füßen abstimmen", also zu einem anderen Anbieter überlaufen. Aber sie können beispielsweise nicht wie bei einem Staat sagen, wir wollen das "Werkzeug Staat" nutzen, aber wir wollen, dass jemand anderes es lenkt. Oder wird Zuckerberg 500 Millionen Nutzer abstimmen lassen, wer der nächste CEO von Facebook sein sollte?

Bislang schien dies auch bei Facebook Konsens zu sein. Nicht umsonst hielt man sich mit politischen Äußerungen zurück und bewarb auf der Startseite beispielsweise keine Hilfsfonds für Haiti, wie es das amerikanische Portal Craigslist tat. In einem Interview im vergangenen Jahr betonte Randi Zuckerberg auch noch, dass man eben lediglich ein Werkzeug sei und keine Partei ergreife .