Rentenkürzungen, Reifenpannen, Naturkatastrophen, alles verdammt ärgerlich. Doch die größte Frechheit des Lebens ist und bleibt, dass es mit dem Tode endet. Das betrifft nicht nur das eigene Leben. Auch Freunde und Verwandte sterben. Oft, obwohl man sie noch dringend etwas fragen wollte.

Die Firma Intellitar will dem Tod nun die Stirn bieten. "Intellitar", der Name steht für "Intelligent Avatar" – eine Netz-Kopie des Nutzers also. Morgen soll die entsprechende Website offiziell den Betrieb aufnehmen. Dann kann man sich seinen persönlichen Intellitar basteln: Stimme, Optik, Erfahrungswissen, binnen weniger Stunden ist das zweite Ich zusammengeschraubt. Beziehungsweise zusammen-programmiert. Höchstens Computerviren könnten das Fortleben auf dem Computerbildschirm dann noch bedrohen.

In einem Interview mit der Huntsville Times erklärt Gründer und Geschäftsführer Don Davidson , es ginge darum, auf der Grundlage vorhandener Technologien eine Art lebendiges Vermächtnis zu schaffen, einen "digitalen Klon, wenn Sie so wollen". Man hinterlässt den nachfolgenden Generationen dadurch nicht nur etwas Bleibendes. Man bleibt auch in guter Erinnerung. Freundlich, jung, jederzeit verfügbar.

Und besonders klug. Der Intellitar kann nämlich mehr als mit der eigenen Stimme die Fragen zu beantworten, die sein reales Alter-Ego ihm zuvor vorgesprochen hat. Mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) soll er auch auf gänzlich Neues reagieren können. Sofern der Besitzer seinen Avatar zu Lebzeiten sorgfältig pflegt, lässt sich das künstliche Gehirn zur Hochform trainieren. Und sollte der Avatar von Netzbesuchern doch einmal in Verlegenheit gebracht werden, erhält der Besitzer eine Nachricht – und kann das gewünschte Wissen alsbald nachbessern. Vorausgesetzt natürlich, der nicht-virtuelle Besitzer lebt noch.

Was die Enkel von ihrem virtuellen Opa wohl dereinst wissen wollen? Noch sind die Antworten, die man zu Testzwecken von dem digitalen Klon des Geschäftsführers erhält, leider nicht sonderlich ergiebig. Fragt man ihn etwa, wie es im Himmel aussieht, erfährt man nur, dass seine Firma im Jahr 2008 gegründet wurde. Auch über Engel weiß Avatar Don Davidson nichts zu berichten. Noch nicht. Der reale Davidson plant allerdings neben der Basis-Version auch einen Experten-Modus anzubieten: "Wenn ich schon immer ein guter Fliegen-Fischer sein wollte, kann ich dann einfach ein Experten-Hirn dazu kaufen", erläutert er. Mithilfe eines Plug-ins könnte man sich dadurch vor seinen Enkeln in einen richtig klugen Hecht verwandeln.

Und selbst wenn man für die Plug-ins "Engel-Kunde" oder "Basiswissen Kulturgeschichte" einen Aufpreis zahlen müsste – aussichtsreicher als die bislang verfügbaren Wege in die Unsterblichkeit wäre das wohl allemal: Wer macht schon Karriere als Wissenschaftler oder Künstler oder hat Erfolgschancen bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen? Eben. Und dass es etwas bringt, sein Gehirn posthum in einem Kühlschrank aufbewahren zu lassen, gilt bislang ja auch als eher unwahrscheinlich.

Wer sich zeit seines Lebens bemüht, ein guter Avatar zu sein, dem wird also eine würdevolle Existenz auch nach dem Tod beschert. Ein bisschen so, wie es auch die christliche Kirche lehrt.