Wikileaks Julian Assange schweigt sich über Machtkämpfe aus
Erstmals seit Langem hat sich Julian Assange geäußert. Doch zu den Vorwürfen und den internen Machtkämpfen bei Wikileaks blockt er jede Frage ab.
© BERTIL ERICSON/AFP/Getty Images

Julian Assange, Gründer von Wikileaks
Das Auditorium ist voll Neugier, und auch voll Anspannung. Julian Assange wird auftreten. Der umstrittene und bekannteste Kopf von Wikileaks will sich einer Diskussion zum Thema Transparenz und Sicherheit stellen. Studenten und Nicht-Studenten platzieren sich um 19 Uhr im Vorlesungssaal der Londoner City University, einige klappen ihre Laptops auf. Und dann kommt nach langem Warten Assange die Treppe zum Podium heruntergehuscht, in brauner Lederjacke und nicht mehr mit weißem, sondern mit braunem Haar und blonden Strähnen darin. Fast hätte man ihn auch für einen Studenten gehalten.
"In diesem Raum sind vielleicht 300 Leute", sagt er, "aber in Afghanistan sind im letzten Jahr 3000 Menschen gestorben". Das müsse man sich mal bildlich vorstellen, so viele tote Körper in einem Raum. Womit er sogleich den Bogen gespannt hat zwischen ihm, dem Wikileaks-Gründer in der Londoner Uni, und dem Krieg am Hindukusch, den er mit seiner Enthüllungs-Plattform bekämpfen will.
Wikileaks, das versichert dann auch sein Gegenspieler auf dem Podium, der Times -Journalist David Aaronovitch, sei inzwischen ja sehr wichtig geworden. Aber müsse es nicht gerade deshalb Verantwortung übernehmen, was und wie viel es publiziere? Der Moderator des Streitgesprächs hakt nach: Laut Medienberichten hat ja ein isländischer Mitstreiter seine Mitarbeit beendet, weil er es für verfrüht hält, im Oktober den nächsten Leak zum Irakkrieg zu publizieren. Das Material müsse noch gesichtet werden, um identifizierbare Quellen herauszufiltern.
"Falsch", antwortet Assange. Der Bericht sei Teil einer Schmutzkampagne, der Isländer nur einer von vielen Freiwilligen, die keine Einsicht in die Operation hätten. So geht es den ganzen Abend: Fragen zum Rücktritt von Daniel Domscheit-Berg alias Daniel Schmitt bügelt Assange ab. Daniel Schmitt hatte dem Nachrichtenmagazin DerSpiegel seinen Rücktritt damit erklärt , dass Julian Assange auf jede Kritik mit dem Vorwurf reagiert habe, er würde ihm den Gehorsam verweigern und sei dem Projekt gegenüber illoyal.
Assange: "Komplette Lüge." Schmitt sei schon vor einem Monat aus anderen Gründen suspendiert worden. Mehr Informationen dazu gibt er nicht.
- Datum 01.10.2010 - 10:05 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Schade, dass Assange wohl den Anspruch auf Objektivität aufgegeben hat und sich jetzt auf irgendeine moralisierende Ebene begibt, die für so ein Projekt einfach nicht angebracht ist. Auch sein kleiner Kreuzzug gegen die USA darf sich einfach nicht auf die Arbeit bei Wikileaks auswirken, was es ja bei Veröffentlichungen wie "Collateral Murder" leider schon hat.
So ein vielversprechendes Projekt sollte weder von einer einzelnen Persönlichkeit geleitet werden, schon gar nicht von einer wie Assange, noch sollte irgendeine wertende Einschätzung zu den veröffentlichten Materialen erfolgen. Absolute Objektivität muss das Ziel sein, und dabei ist es vollkommen egal ob die Bilder nun schockierende Verbrechen zeigen oder aus welchem Land sie kommen. Die Einschätzung können Andere übernehmen.
bischen komiscvh ist das schon, erst finden alle gut das er und wikileaks so sind wie sie sind und dann plötzlich sollen sie sich verhalten wie andere nur weil sie bekannt geworden sind und einfluss haben. ich findes auch scheinheilig zusagen man müsse rücksicht auf leute nemen die im irak oder afganistan einmarschiert sind. die amis verhalten sich schlecht und wollen das monopol für schlechtes verhalten innehaben. sie dürfen töten wer ihnen vor die flinte kommt, wenn man mal was sagt und auch noch beweisen kann das sie schlecht sind soll man rücksicht auf sie nemen?
wenn die mittel zum zweck schlecht sind, dann wird auch der zweck schlecht.
Es ist immer dasselbe : kaum macht einer was wirklich los, haben die anderen nichts besseres zu tun als diesen einen zu kritisieren.
Ich kann Assange kritische Meinung zu Journalisten gut nachvollziehen. Dieser Artikel ist gerade Beweis dafür, wie Journalismus nicht funktioniert.
Wie schreibt der Autor: "Die Fragen aus dem Publikum an Assange sind zahlreich und kritisch, aber ..."
... davon kommt durch die Journallie nichts rüber, möchte ich fortsetzen! Journalisten zielen auf Schlagzeilen und Emotionen, die man gut verkaufen kann.
Wieso sieht sich der Autor nicht als Mittler zwischen Macher und Zuschauer? - Damit kann man bei aktueller Ausrichtung der Redaktionen halt kein Geld verdienen.
Assange vorzuwerfen, wer würde dies nicht oder jenes nicht ausplaudern ... hey Alter, lang Dir mal an den Kopf!
dass sich diese ganz Sache nicht nachteilig auf das Projekt auswirkt...es ist eines der allerwichtigsten in der heutigen Welt!
Ich bin sonst kein Anhänger von Verschwörungstheorien, aber das alles sieht für mich doch sehr komisch aus. Wie viele der Beteiligten könnten sich einem Angebot - sagen wir 5 Millionen Dollar - verschließen, um dafür bei wikileaks auszusteigen und Assange anzuschwärzen. Wahrscheinlich würde auch viel weniger reichen. Dann hätten alle Staaten, die daran ein Interesse hätten - allen voran die USA, sich für wenig Geld (Promille der Verteidigungsausgaben) ein Problem vom Hals geschaffen. Wäre doch ein großer Zufall, dass das sonst gerade jetzt alles zusammenkommt. Ist aber natürlich auch möglich.
müsste man es erfinden.
Das es Staaten gibt, die die Glaubwürdigkeit von Wikileaks unterhölen wollen, versteht sich von selbst.
Wie transparent kann eine Organisation sein, von der viele Organisationen lieber möchten, dass es sie nicht mehr gibt?
Wer kennt momentan die Namen der entsprechenden russischen/iranischen Webseiten und Blogs? Und was ist aus diesen Leuten geworden?
Assange ist paranoid und klug und er hatte anscheinend Probleme in seiner Vergangenheit, die nun auch gegen ihn eingesetzt werden.
Daniel Schmitt wiederum ist recht blauäugig und ist etwas zu zuversichtlich, dass mit genügend Transparenz und bürokratischer Gründlichkeit alles besser wird.
Dabei darf man nicht vergessen: WL macht etwas "illegales" und etwas das viele mächtige Organisationen nicht wollen.
Im Prinzip helfen nur bessere Gesetze, die die Arbeit von Assange und Schmitt schützen. So lange dies nicht der Fall ist, werden sich Schmitts moralisch löbliche Ideen nicht umsetzen lassen.
Und wer ist schon ohne Fehler? Mit Günter Wallraff sind auch viele nicht zufrieden, trotzdem hat er vermutlich mehr verändert als viele, viele "richtige" Zeitungsartikel.
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